Verkehr

Behelfsbrücke: IG Cölve ist nach Ratsbeschluss erleichtert

Noch dürfen lediglich Fußgänger, Radler und auch Hunde rüber. Ab Mitte 2020,  nach Bau der Behelfsbrücke, dürfen auch wieder Kraftfahrer passieren.

Noch dürfen lediglich Fußgänger, Radler und auch Hunde rüber. Ab Mitte 2020, nach Bau der Behelfsbrücke, dürfen auch wieder Kraftfahrer passieren.

Foto: Ulla Michels

Duisburg-Rheinhausen/Moers.   Nach dem Ratsentscheid pro Behelfsbrücke waren Mitglieder der IG zu müde für eine Party. Sie wollen lieber 2020 auf der fertigen Brücke feiern.

Für eine große Party waren die Mitglieder der Interessengemeinschaft (IG) Cölve-Brücke nach der Ratssitzung einfach zu müde. „In kleiner Gruppe haben wir dann bei mir noch ein Gläschen Prosecco getrunken“, sagt Doris Goebel am Tag danach. Hinter den Behelfsbrücken-Mitstreitern und der 62-Jährigen liegen zwei Ratssitzungen mit jeder Menge Lob und gerade einmal drei Monate, in denen sich die Ereignisse quasi überschlagen hatten.

Etappenziel: grünes Licht für eine Behelfsbrücke An der Cölve. „Wir sind sehr erleichtert. So richtig feiern wir aber erst, wenn die Brücke tatsächlich steht“, sagt Goebel, um lachend nachzuschieben, dass man für die Sause eine „Feierkommission“ gründen will.

Warum die Entscheidung, die marode und seit Mitte 2017 gesperrte Brücke zwischen Trompet und Moers-Schwafheim zu ersetzen, nach Jahren des Stillstandes jetzt binnen weniger Monate fiel, weiß auch die IG-Sprecherin nicht so genau. Offenbar sei jede Menge Politik im Spiel gewesen, der öffentliche Druck mehr und mehr gestiegen, Motto der Initiative im Vorfeld der Kommunalwahl: „Keine Brücke, keine Stimme.“

Das Lob, das beide Stadträte über die IG quasi ausschütteten, war nahezu überschwänglich. Sie seien es gewesen, die die Moerser davon überzeugt hätten, dass eine Behelfsbrücke her müsse. So formulierte es unter anderem SPD-Ratsherr Reiner Friedrich.

Machbarkeitsstudie fiel positiv aus

Am Ende waren es neben befürchteten Stimmenverlusten bei der Kommunalwahl wohl aber jede Menge sachliche Gründe, die für die Behelfsbrücke sprachen. Der Zweifel, ob es überhaupt möglich sei, die Brücke zu bauen, wurde per Machbarkeitsstudie fix ausgeräumt. Das Argument des Moerser Bürgermeisters Christoph Fleischhauer (CDU), man müsse den Betrieb der unter der Brücken verlaufenden Bahn für die Arbeiten stoppen, ein entsprechender Antrag würde drei Jahre bis zur Genehmigung dauern, erwies sich ebenfalls als gegenstandslos. Während der Arbeiten für die Behelfsbrücke muss der Bahnbetrieb nämlich gar nicht ruhen.

Dazu kam noch, dass Moers seine ungeliebte Schrottbrücke an die Stadt Duisburg loswird. Doris Goebel: „Irgendwann wäre die Brücke so kaputt gewesen, dass Moers sie auf eigene Kosten hätte abreißen müssen. Das hätte 500.000 Euro, aber auch eine Million Euro kosten können, niemand weiß nämlich, was das Abrissunternehmen rund um das alte Bauwerk so alles erwartet hätte.“ So teilen sich die beiden Städte die Kosten für die Behelfsbrücke samt fünfjähriger Miete.

Der Kostenanteil der Stadt Moers wird mit den Kosten des Rückbaus/Abrisses der Brücke verrechnet. Die Differenz zahlt Moers auf das Duisburger Stadtkonto, das Geld wird dann für den Neubau der Brücke eingesetzt, den Rest zahlt Duisburg. Die Brücke befindet sich dann bereits auf Duisburger Stadtgebiet, so der Deal mit Moers. Teil dessen ist nämlich eine Gebietsübertragung der Brücke samt Grundstück, auf dem sie steht.

Bergheim wieder besser erreichbar

Glaubt man den in der Ratsvorlage genannten Plänen, dauert die Realisierung des Bauwerks ab dem Tag der Entscheidung, also dem 6. Mai, etwa ein Jahr. Mitte 2020 könnten also wieder die ersten Autos, Motorräder oder Linienbusse passieren, der Ortsteil Bergheim mit seinen insgesamt 36 Geschäften wäre dann endlich wieder besser erreichbar.

Am Tag der Eröffnung soll dann groß gefeiert werden, selbstverständlich mit beiden Stadtoberhäuptern. Erst dann soll Christoph Fleischhauer das Behelfsbrückenmodell erhalten, das die IG gebaut und von Sitzung zu Sitzung und von Demo zu Demo geschleppt hat. „Er will es unbedingt haben und im Foyer des Rathauses ausstellen. Die IG unterschreibt das Modell dann gerne auch“, sagt Goebel.

Das Modell, das IG-Mitglied Friedhelm Brümmer gebaut hat, wäre laut Fleischhauer dann die einzige Brücke der Stadt Moers. Sie besitze nämlich tatsächlich lediglich die Brücke An der Cölve. Und die auch nicht freiwillig. In den 1990-er-Jahren hatte Moers das damals schon etwas ramponierte Bauwerk von der Deuschen Bahn im Zuge eines Flächentauschs, der auch Unterführungen betraf, übernehmen müssen. Und wenn auch die Stadt Duisburg oder der Bezirk Rheinhausen das Modell haben wollen? Bauherr Friedhelm Brümmer lässt sich mit folgenden Worten zitieren: „Dann baue ich halt noch eins!“

IG will sich weiter monatlich treffen

Mit dem positiven Ratsbeschluss endet die Arbeit der IG Cölve-Brücke keinesfalls, so Sprecherin Doris Goebel. „Wir werden uns weiterhin monatlich treffen und auch die Begleitkommission mit Mitgliedern aus Politik, IG und Vertretern der beiden Städten besteht weiter.“

Das nächste Treffen der IG ist für den 4. Juni im Gemeindehaus Auf dem Wege geplant. Dort wollen Goebel und Co. sämtlichen rund 30 Mitgliedern noch einmal den aktuellen Stand erläutern. „Ich frage regelmäßig bei den Städten den Stand der Dinge ab, wir verlangen Transparenz.“

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