Schriftsteller

86-Jährige textet zu jeder Gelegenheit

Die 86-jährige Rheinhauserin Rosemarie Lange-Schlienkamp schreibt Liedtexte für Chormusik. Aber auch Gedichte, Geschichten und Balladen.

Foto: Lars Fröhlich

Die 86-jährige Rheinhauserin Rosemarie Lange-Schlienkamp schreibt Liedtexte für Chormusik. Aber auch Gedichte, Geschichten und Balladen. Foto: Lars Fröhlich

Ob zu Nikolaus, Weihnachten oder Ostern, ob über Stadtleben, Natur oder für Kinder. Mit Liedtexten begonnen

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Ausgeschrieben hat sie sich noch lange nicht. „Ich will 100 Jahre alt werden“, sagt die 86-Jährige selbstbewusst. „Aber nur, um die Rentenkasse zu ärgern. Denn wenn ich schon so eine kleine Rente bekomme, dann sollen die wenigstens lange zahlen.“ Um einen lockeren Spruch verlegen, ist die wortgewandte Rheinhauserin selten. Auf den Beinen könne sie zwar nicht mehr so lange stehen und sie sei auch nicht mehr gut zu Fuß, „aber im Kopf läuft noch alles ganz richtig“, sagt Rosemarie Lange-Schlienkamp und lacht. Dann kramt sie in den Schnellheftern zwischen Klarsichtfolien, Blättern und Zeitungsausschnitten, die sie auf ihrem Wohnzimmertisch ausgebreitet, und beginnt vorzulesen: „Schreiben ist Übermut!“ – so der Titel eines ihrer Gedichte.

Den Grundstein legte ihre Oma

„Den Grundstein für das Erzählen von Geschichten hat meine Großmutter in meiner Kindheit gelegt“, sagt die zweifache Mutter, vierfache Groß- und zweifache Urgroßmutter. „Sie hat mir als Kind immer sehr viel erzählt und mir vorgelesen.“ Selbst mit dem Schreiben begonnen, hat die gebürtige Essenerin, die seit 1960 in Rheinhausen lebt, daraufhin auch schon als junges Mädchen: „Im Kinderlandverschickungslager während des Zweiten Weltkrieges habe ich damals schon Theaterstücke geschrieben.“ Nach dem Krieg geriet die Schreiberei dann aber in Vergessenheit. Später kamen Mann und Kinder und somit die Leitung ‘eines sehr erfolgreichen, kleinen Familienunternehmens’ – wie es mal in einer Werbung hieß – aus Haushalt, Kindern, Küche und viel zu organisieren und koordinieren hinzu.

„Erst als sich 1983 aus dem Männerchor Germania heraus auch der Frauchenchor Rheinhausen gründete, in dem ich sang, kam ich wieder zum Schreiben“, erzählt Rosemarie Lange-Schlienkamp. Singend schreiben? „Wir waren in den ersten Jahren bis zu 100 Frauen, die dort sangen, doch es gab nur wenige Chorstücke für Frauen. Also wurden Texter gesucht“, erinnert sich die Autorin. „Irgendwann bekamen eine Dame und ein Herr aus den Chorreihen, die den Text für ein neues Chorstück geschrieben hatten, das vom Chorleiter vertont wurde, nach einem Auftritt auf der Bühne dann für ihren Liedtext einen Blumenstrauß.Und da sagte ich mir: so einen Strauß bekomme ich auch.“ Die 86-Jährige lacht. „Also begann ich Liedtexte für Chormusik zu schreiben.“ Der damalige Chorleiter Fritz Greis komponierte die Musik dazu. Und stellte die Liedtexterin im Bergischen Musikverlag vor, wo ihre Chorstücke veröffentlicht wurden.

Hunderte hat die Rheinhauserin in all den Jahren verfasst, zahlreiche davon veröffentlicht. 1994 erhielt sie dann für ihre Werke sogar noch eine Goldmedaille: in Paris. „Der Verlag hatte damals bei der Académie International de Lutèce, Texte von mir eingereicht, denn an der Akademie werden jedes Jahr Künstler in verschiedenen Bereichen ausgezeichnet – von Musik über Literatur bis Bildhauerei.“ Und aus der „kurzen Lange“ – wie sich Rosemarie Lange-Schlienkamp scherzhaft manchmal selber nennt, wurde so gleich noch eine zweite deutsche Gold-Marie.

Am liebsten humorvoll

„Ende der 1990er-Jahre gründete sich in Rheinhausen dann auch eine kleine Schreibgruppe, der ich beitrat.“ Texte zu den verschiedensten Themen entstanden hier, „und jeder der Gruppe verfasste sie in seiner ganz eigenen Weise – ich mochte es am liebsten humorvoll“. Aus der Feder der ausgezeichneten Liedtexterin – beziehungsweise zunächst auf einer alten, elektrischen Schreibmaschine, heute aber immer öfter per Hand verfasst, „weil das einfach schneller geht“, wie sie sagt – entstanden so seither auch unzählige Gedichte, Balladen sowie Kurzgeschichten zu Themen, die von Nikolaus, Weihnachten oder Ostern, über das Leben in der Stadt, die Schönheit der Natur oder Gesellschaftskritik, bis hin zu Kinderreimen reichen. „Und es entstand auch ein Buch-Manuskript über meine Jahre während der Kinderlandverschickung, denn es gibt ja heute immer weniger Zeitzeugen aus diesen Jahren, die darüber berichten können“, sagt die Autorin. Einen Verlag für die Veröffentlichung des Manuskripts, aber auch all ihrer anderen Werke hat sie leider noch nicht gefunden. Doch Rosemarie Lange-Schlienkamp nimmt natürlich auch das gelassen – und humorvoll: „Na ja, also wenn ich wirklich hundert werde, dann habe ich ja dafür auch noch ein paar Jahre Zeit.“

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