Serie „Traditionsgeschäfte“

50 Jahre Büdchen Am Borgschenhof in Friemersheim

Kioskinhaber Henryk Romaniuk in seinem Büdchen.

Kioskinhaber Henryk Romaniuk in seinem Büdchen.

Foto: Volker Herold

Duisburg-Friemersheim.   Seit 50 Jahren besteht das Büdchen mittlerweile. Henryk Romaniuk verkauft alles, was der Mensch so braucht - von süßen Fröschen bis zur Suppe.

„Zu 50 Cent von den Bananen, zu 30 Cent von den Cola-Fläschchen und bitte noch zu 20 Cent von den Fröschen“. Keiner der in der kleinen Schlange wartenden Kunden wagt es, in dieses Ritual hinein zu drängeln. Auch wenn es dauert, bis Henryk Romaniuk die leckeren Süßigkeiten aus den Plastikbehältern herausgefischt und in eine kleine weiße Tüte gepackt hat – und der Kunde freundlich lächelt.

Beste Phase in den 80er Jahren

Auch so mancher Erwachsene fühlt sich an seine Kindheit erinnert beim Anblick der leckeren Bonbons, die in Döschen gestapelt das Verkaufsfenster zieren. „Ich erlebe das sehr oft, dass sich Ältere eine Tüte voller Leckereien mitnehmen“, sagt Henryk Romaniuk. Egal, ob gezielt oder vom Restgeld ihres „Großeinkaufes“.

Seit Januar 2016 betreibt der 53-Jährige den Kiosk Am Borgschenhof. Die Trinkhalle hat eine lange Tradition in Friemersheim, Mitte der 1950er-Jahre wurde sie das erste Mal in Betrieb genommen – viele Verkaufsbuden der näheren Umgebung hat sie bei weitem überlebt.

„Es war ein Herr Sprönken, der das anliegende Wohnhaus und die Trinkhalle am Schelmenweg gebaut hatte und sie dann lange selbst geführt hat“, erinnert sich Verpächterin Silvia Hesse. Lange Zeit, von den 80er-Jahren bis Ende der 90er, war ihr Mann Kurt Hesse einer der sieben Pächter, die die Trinkhalle Am Borgschenhof erlebt hat. „Gerade in den 80er-Jahren hatten die Buden ihre beste Phase, weil sehr viele als Schichtarbeiter bei den Werken Krupp und Bayer beschäftigt waren und sich dann morgens noch ein kleines Fresspaket plus Getränke mitgenommen haben“, weiß der jetzige Pächter.

Er ist gelernter Kachelofen- und Luftheizungsbauer

Dabei sah Henryk Romaniuks Lebensplanung eigentlich ganz anders aus. Der gelernte Kachelofen- und Luftheizungsbauer war in den 1990er-Jahren sogar Betriebsleiter eines Düsseldorfer Handwerksbetriebes, später dann als Mitarbeiter im Außendienst im Nordwesten Deutschlands unterwegs. 2012 erlitt er einen Herzinfarkt, so dass er beschloss, sich einen ruhigeren Job zu suchen. Und so erfuhr der Kiosk-Mann, dass die Trinkhalle Am Borgschenhof in Kürze vom damaligen Betreiber Willi Brass aufgegeben werde. „Ich bin 2015 nach und nach eingearbeitet worden, habe die Kontakte zu den Großhändlern pflegen gelernt, bis ich dann die Trinkhalle ganz übernommen habe.“

Bis zu 200 Kunden am Tag hat der Kiosk, laut Statistik zählen 12.000 Personen in etwa 1,5 Kilometern Umkreis zu potenziellen Käufern. „Zu mir kommt öfter eine ältere Dame. Sobald ich sie sehe, rolle ich schon die drei Illustrierten zusammen, die sie sich wöchentlich holt“. Manche kommen einfach auch nur vorbei, um zu klönen. „Viele erzählen mir von ihren alltäglichen Problemen, da habe ich immer ein offenes Ohr.“

Ideen für den Tag der Trinkhallen am 25. August

Bei der Hitze sind natürlich Getränke der Verkaufsrenner. „Bier und Limonade laufen super gut. Und Wassereis.“ Das Kratzeis in allen Geschmacksrichtungen ist bei Kindern der Grundschule Am Borgschenhof sehr beliebt. „Und wenn die Geschäfte geschlossen sind, kann man bei mir noch Suppen, Nudeln, Mehl und Salz bekommen“, erzählt der Betreiber von seinem reichhaltigen Sortiment. Zum Tag der Trinkhallen am 25. August hat sich Romaniuk besonderes einfallen lassen und stellt Bierzeltgarnituren neben der Trinkhalle auf. Für vorbeikommende Gäste gibt es ein Wasser oder einen Kaffee gratis - für die Kids eine Überraschungstüte.

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