Weltklasse-Orchester überrascht mit Strawinsky

Dank Klassik-Radio ist die Academy of St. Martin in the Fields auch vielen Musikfreunden bekannt, die klassische Musik in kleinen und gut verdaulichen Portionen hören möchten. Nun war das Weltklasse-Ensemble in der Mercatorhalle zu Gast und bewies dabei, dass nicht nur Mozart und Beethoven zu seinem Stammrepertoire gehören, sondern dass auch ein Strawinsky bei ihm gut aufgehoben ist.

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Dank Klassik-Radio ist die Academy of St. Martin in the Fields auch vielen Musikfreunden bekannt, die klassische Musik in kleinen und gut verdaulichen Portionen hören möchten. Nun war das Weltklasse-Ensemble in der Mercatorhalle zu Gast und bewies dabei, dass nicht nur Mozart und Beethoven zu seinem Stammrepertoire gehören, sondern dass auch ein Strawinsky bei ihm gut aufgehoben ist.

Das Orchester spielt ohne Dirigenten, es wird vom deutschen Geiger Tomo Keller vom Platz des Konzertmeisters aus geleitet. Schon mit Ludwig van Beethovens „Coriolan“-Ouvertüre erlebt man eine sehr differenzierte Aufführung, die vor Spannung zu bersten scheint. Allein mit seiner Körpersprache gelingt es Tomo Keller, eine kompakte und dichte Interpretation zu gestalten, bei der jedes Crescendo und jede Pause punktgenau sitzt. Oft wippt Keller vor und zurück und schlägt so mit seinem Oberkörper den Takt.

Strotzt die Beethoven-Aufführung der gerade einmal 37 Musiker nur so vor hochgepeitschten Emotionen, so gibt sich das Ensemble in Mozarts Sinfonia concertante für Violine, Viola und Orchester Es-Dur eine Spur vornehmer und eleganter. Der feine und drahtige Ton von Kellers Guadagnini-Violine aus dem Jahr 1778 kommt hier schön zu Geltung und begibt sich in einen intelligenten und gewitzten Dialog mit Robert Smissens fülligem Viola-Spiel.

Trotz historischer Instrumente und klassischem Repertoire begibt sich die Academy aber nicht auf die Spuren einer historischen Aufführungspraxis, sondern spielt Beethoven und Mozart im Gewand eines modernen Orchesterklangs. Der Intensität tut dies keinen Abbruch. So lässt selbst Mozarts Musik aufhorchen, wenn im Allegro maestoso das Orchester eine starke Sogkraft entwickelt, die dann in der fein gestalteten Kadenz der beiden Solo-Instrumente mündet.

Bei einem Ensemble, dessen Kernkompetenz die Klassik ist, überrascht es aber, wenn auch Strawinsky auf dem Programm steht. Jedoch zeigt die Aufführung des Concertos in Es für Kammerorchester „Dumberton Oaks“, wie eng Strawinskys rhythmischer Humor mit dem eines Beethoven korrespondiert. Was der im Menuetto seiner Sinfonie Nr. 1. C-Dur anstellte, dürfte die Zuhörer im Jahr 1800 genauso überrascht haben wie Strawinskys Concerto 138 Jahre später. Musiziert die Academy das „Dumberton Oaks“-Concerto mit frühlingshafter Leichtigkeit, so ist die Beethoven-Sinfonie eine emotionale Achterbahn zwischen nobler Klassik und furiosem Sturm und Drang. Großer Beifall.

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