Reul beim Landhaustreff

Was Reul beim Duisburger Landhaustreff zum „Fall Lügde“ sagt

Hotelier und Gastgeber Rolf Milser im Gespräch mit NRW-Innenminister Herbert Reul.

Hotelier und Gastgeber Rolf Milser im Gespräch mit NRW-Innenminister Herbert Reul.

Foto: Zoltan Leskovar

Duisburg.  Herbert Reul war Gast beim Landhaustreff in Duisburg. Was der NRW-Innenminister zum Lügde-Skandal, zu Familien-Clans und zur Europa-Wahl sagt.

Über mangelnden Zuspruch konnte sich Sigrid Köllmann, die Organisatorin des „Duisburger Landhaustreffs“ nun wirklich nicht beklagen. Kein Platz war mehr frei, als Stamm-Moderator und WDR-Hörfunklegende „Manni“ Breuckmann am Montagabend den rund 130 Gästen die Vorspeise ankündigte. Aber der Landhaustreff im Huckinger Hotel Milser hat sich nicht nur durch das begleitende vorzügliche Dreigang-Menü einen guten Ruf erworben, für großes Interesse sorgen immer wieder hochkarätige Gäste aus Politik, Sport und Kultur. Diesmal schlug NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) in Duisburg-Huckingen auf.

Ohne Umschweife kam Breuckmann auf den aktuellen Kindesmissbrauchs-Skandal in Lügde zu sprechen. Dabei erwähnte er, dass der Minister sich bei Polizei und den örtlichen Behörden keine Freunde gemacht hat, als er den Verantwortlichen schwere Versäumnisse vorgeworfen hat. Dazu steht Reul nach wie vor: „Wer Fehler macht, muss dafür gerade stehen.“ Ihm ist das, was jahrelang auf dem Lügder Campingplatz unbemerkt geschehen konnte, unerklärlich. Reul sprach Klartext: „Das hätte meine Omma gemerkt, dass da was nicht in Ordnung ist. Wie kann man ein Kind zur Betreuung nur in so eine Dreckshütte geben?“

Der Innenminister blieb weiter konkret: „Das Thema Kinderpornografie wurde lange Zeit in der Öffentlichkeit vernachlässigt, wir sehen ja im Moment nur den einen Fall.“ Um alles aufzuarbeiten, sei „viel mehr Personal“ erforderlich, aber „da müsse man jetzt dringend ran“, so der Minister.

Ein weiteres Thema war das Verhalten von Familien-Clans, das gerade auch im Ruhrgebiet zum großen Problem geworden ist: „Wir müssen klare Kante zeigen und allen klar machen, dass hier das Recht des Staates gilt und nicht das der Familie.“ Mangelnder Respekt sei aber nicht nur Migranten vorzuwerfen. Reul: „Unter den Fußball-Hooligans befinden sich oft gebildete Leute, die am Wochenende gewaltbereit unterwegs sind, das ist schon ein gesellschaftliches Phänomen.“

Dass Reul sich auch zur bevorstehenden Europa-Wahl äußerte, verwundert nicht. Immerhin war er bis zur Übernahme des Ministeramtes 13 Jahre Mitglied des Europäischen Parlaments. Jetzt sei es sehr wichtig, dass die europafreundlichen Parteien „ausreichend Zustimmung“ bekommen. Gerade am Thema „Brexit“ werde deutlich, wie Populismus „ins Chaos führt“.

Die Talk-Runde wollte sich auch Duisburgs OB Sören Link nicht entgehen lassen. Immerhin ist Reul ja auch mit speziell Duisburger Themen in Sachen „Innere Sicherheit“ immer wieder ein gefragter Ansprechpartner.

Abgerundet wurde der höchst informative und gleichzeitig unterhaltsame Abend vom gebürtigen Rheinhauser Wolfgang Trepper, der mittlerweile in Hamburg lebt und mit rund 280 Auftritten im Jahr längst zur Top-Garde der deutschen Kabarettszene zählt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben