Theater

Was die Duisburger über Religion denken, kommt auf die Bühne

Bei den Proben zum Theaterprojekt „Trialog Vol. 2“ wurde es stellenweise sehr laut.

Bei den Proben zum Theaterprojekt „Trialog Vol. 2“ wurde es stellenweise sehr laut.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Was die Duisburger über ihren eigenen Glauben denken und auch den der Anderen, bringt ein Ensemble auf die Bühne. Bei den Proben wurde es laut.

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Im ersten Stock der Cubus-Kunsthalle, dort wo das Theaterprojekt „Trialog Vol. 2“ probt, dröhnt der Probenraum vor aggressiver Schreierei. Das ist doch hoffentlich nicht der interreligiöse Dialog in Duisburg? Die Laienschauspieler stehen sich in zwei Gruppen gegenüber und brüllen sich aus vollem Hals an.

Es sind Satzfetzen zu verstehen. „Alles voller Paselacken“, „Hier gehört mal kräftig aufgeräumt“, „Gutmenschen“ „Kampf um christliche Werte“, „Menschenverächter“. Die Schreihälse schweigen ausgepumpt. Die Theaterpädagogin und Regisseurin Riccarda Tomberg ist schon ziemlich zufrieden mit der kurzen Eskalation ihrer Truppe, möchte die Abfolge der Sprüche aber noch dichter haben.

100 Duisburger erklärten in Fragebögen, wie sie religiös ticken

Alle atmen kurz durch, die Schreierei beginnt von vorne. Aus verschiedenen Quellen schöpfte das Regieteam, zu dem neben Tomberg auch der Schauspieler und Theaterpädagoge Stefan Filipiak gehört, sein Wissen über die Sicht der Duisburger auf Glaubensthemen. Mit einem Fragebogen, in dem 100 Duisburger darlegten, wie sie religiös ticken, wurde eine statistische Grundlage geschaffen. Hinzu kamen persönliche Interviews, die der Reporter Johannes Bansner auf seinen beruflichen Streifzügen durch die Stadt geplant oder spontan geführt hat. „Im Stück stellen wir die statistisch ermittelten Ansichten der Duisburger mit den Individuellen Gesprächseindrücken gegeneinander“, erläutert Filipak.

Da erklärt die türkischstämmige Muslima Dilek, dass ihr Glaube ihr fast so wichtig ist, wie ihre Familie, sie sich aber nicht für das Christentum interessiert. So haben auch 31 Prozent der befragten Duisburger angegeben, dass sie sich nicht für andere Religionen interessieren. 69 Prozent der Befragten wollen aber mehr darüber wissen, was in den anderen Religionen so passiert.

Originalgespräch spielte sich an Ruhrorter Trinkhalle ab

Bansner traf auch Menschen, für die alle Religionen gleich sind. „Religion ist Scheiße“, wettert die Darstellerin in der Rolle des arbeitslosen Christian, der vor zwölf Jahren aus der Kirche austrat und haut stellvertretend für ihn kräftig auf den Stehtisch. Das Originalgespräch fand an einer Ruhrorter Trinkhalle am Friedrichsplatz statt und der Zorn des Ex-Kirchenmitglieds war frisch, wie an seinem Austrittstag. Zorn erweckt auch Bansners Gespräch mit Jannik, einem Lehramtsstudenten für die Fächer Sport und Religion.

Der war ganz schnell bei dem Satz: „Und am allerschlimmsten sind die Zigeuner“. An der Stelle lehnt sich im Stück die Schauspielerin, die den Studenten spielt, gegen ihre Rolle auf: „Ich will das nicht sagen, das ist doch übelster Rassismus. Ich hab Angst, dass so einer später meine Kinder unterrichtet“, stellt sie fest. Das Stück Trialog Vol.2 wartet mit interessanten Fakten und Meinungen über den Zustand der Duisburger Stadtgesellschaft auf, ohne dem Zuschauer die Einordnung und Bewertung vorschreiben zu wollen.

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