Rathaus Duisburg

Warum OB Sören Link im Verwaltungsvorstand nicht einsackt

Spezialanfertigung: Im Büro des Duisburger Oberbürgermeisters Sören Link (rechts) steht eine Bergmannsampel auf einem Modell des Stadtwerketurms.

Spezialanfertigung: Im Büro des Duisburger Oberbürgermeisters Sören Link (rechts) steht eine Bergmannsampel auf einem Modell des Stadtwerketurms.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Sören Link zeigte 20 WAZ-Lesern das Rathaus und sein Büro. Sie lernten viel – etwa, warum britische Bomber im Weltkrieg das Rathaus verschonten.

Wissen Sie, warum ausgerechnet das Rathaus Duisburgs den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet überstand? 20 WAZ-Leser zumindest – allesamt Duisburger, die meisten gebürtige – hatten keine Antwort parat, als Sören Link ihnen diese Frage stellte. Der Oberbürgermeister wusste seine Gäste auch darüber hinaus mit Anekdoten und Stadtgeschichte(n) über das Rathaus zu überraschen. Für „WAZ öffnet Pforten“ gab der OB 90 Minuten lang mit Routine und Freude den Fremdenführer.

Karl Lehr: Ein OB mit Bauch, Stolz und Sonderanfertigung

Sein Amtssitz ist jünger als er aussieht. Friedrich Ratzel wollte es so: Der Architekt kombinierte ältere Stile und schuf ein Gebäude, das in belgischen Touristenstädten wohl täglich Hunderte besichtigen würden. Eingeweiht wurde es 1902, wenngleich an Ort und Stelle bereits im Stadtplan von Johannes Corputius (1566) das Rathaus eingezeichnet war. Drum schwärmte Link vom „mittelalterlichen Altstadtcharakter rund ums Rathaus“, den in einem ersten Schritt das Mercatorquartier betonen soll.

„Wenn dann noch der Burgplatz mehr als nur ein Parkplatz wäre – ein Marktplatz zum Beispiel“, wünschte sich Leserin Veronika Reiners. Link teilt ihre Begeisterung, warnte aber vor den Archäologen: „Die würden uns bremsen: Unter dem Platz liegt die Kaiserpfalz.“

Nicht Pomp, aber Selbstbewusstsein strahlt der Stil des Hauses aus. Er zeigt, wie gut es Duisburg einmal ging, und das wollte auch Oberbürgermeister Karl Lehr (1842 – 1919) nicht verstecken. Auf dem Porträt im Ratssaal posiert er als Industriebaron der aufstrebenden Stadt vor rauchenden Schloten – „offensichtlich etwas weniger beleibt als er war“, wie Link verriet. In seinem Büro stand 2012 noch Lehrs hölzerner Schreibtisch: „Der hatte eine Einbuchtung, damit Lehr trotz seiner Leibesfülle nah heranrücken konnte.“

Bergmannsampel mit Stadtwerke-Turm

Den Tisch ließ Link ins Museum bringen, vor die dunkle, denkmalgeschützte Holzvertäfelung Milchglas setzen. Die Dekoration zeigt die Mannschaft des MSV, Fotos von der Skulptur Rheinorange und von der Ruhr-2010-Lichtkunst, eine Lehmbruck-Büste. Am meisten beeindruckte seine Gäste eine Wahrzeichen-Sonderanfertigung, wie sie Kämmerin Dörte Diemert zum Abschied 2018 erhielt: eine Bergmannsampel mit Fernbedienung, die auf einem Modell des Stadtwerketurms thront.

„Schlicht und funktional“ findet Link trotz der Spielerei die Amtsstube seiner Wahl, in der bis 1999 die Oberstadtdirektoren saßen – und nicht die bis dato ehrenamtlichen Oberbürgermeister. Deren repräsentativeres Büro überließ Link Bildungsdezernent Thomas Krützberg.

OB Link sackt im Verwaltungsvorstand nicht ein

Wo die beiden mit den sechs anderen Dezernenten jeden Dienstag um 9 Uhr beraten, durften die WAZ-Leser auch sehen. Der enge Sitzungsraum des Verwaltungsvorstands würde, mit Verlaub, als Kulisse für ein Hinterzimmer-Treffen in einem Spionagefilm taugen. Holzwände und Decken sind vom Tabakrauch der alten Entscheider verdunkelt, um den runden Tisch sitzt man auf schwarzem Leder.

Und „auf allen Stühlen sackt man ein“, verriet Link, „nur auf meinem nicht.“ Ein klein gewachsener Oberstadtdirektor ließ einst eine Federbremse einbauen, um seine Kollegen als Sitzriese zu überragen.

Ein Einstellungstest mit Diktat im Ratssaal

Der Oberbürgermeister sieht sich zwar nicht als „Hausherr“, öffnete den Lesern aber mit Schlüsselgewalt alle Türen selbst. Auch die des Ratssaals. Hier musste Margit Tenners (70) im Frühjahr ‘63 beim Einstellungstest zur Verwaltungsfachangestellten ein Diktat schreiben. Mit Erfolg: „Es war eine tolle Zeit bei der Stadt.“

Hierher, appelliert Link, sollten die Duisburger häufiger kommen: „Hier können sie live mitbekommen, wer im Rat wie entscheidet.“

Die Besucheremporen bleiben während der Sitzungen dennoch meist leer, obwohl sich Interessierte nicht mal mehr anmelden müssen.

Eine andere Gelegenheit für einen Besuch im Rathaus ist der Tag der offenen Tür.

Auch da werden Besucher erfahren, warum britische Bomber das Rathaus verschonten: Bei ihren Angriffen, erklärte Link, orientierten sie sich an den Türmen von Rathaus und Salvatorkirche. Die Piloten waren also auf diese Landmarken angewiesen, um Duisburg zu zerstören.

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