Mehr als Kohle

Walsumer Museum hält Erinnerung ans Bergwerk lebendig

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Das Bild zeigt die Arbeit im Streb im Jahr 1993.  Das Bergwerk Walsum der Deutschen Steinkohle  ist seit zehn Jahren dicht. 

Das Bild zeigt die Arbeit im Streb im Jahr 1993. Das Bergwerk Walsum der Deutschen Steinkohle ist seit zehn Jahren dicht. 

Foto: Andreas Mangen

Duisburg.   Der Knappenverein Walsum hat ein Zechenhaus um- und eine Sammlung aufgebaut. Arschleder und Modelle vermitteln die Arbeit unter Tage.

An den 30. Juni 2008 können sich Uwe Wandelt, Heinz Plückelmann und Norbert Grundhöfer noch gut erinnern. Vor zehn Jahren ist das Bergwerk Walsum dicht gemacht worden. Schicht im Schacht. 1939 wurde die erste Tonne Kohle gefördert, nach 69 Jahren war Schluss. „Die Walsumer haben nie ein schlechtes Wort über das Bergwerk verloren. Das war der größte Arbeitgeber im Stadtteil. Nicht nur die Väter, auch die Kinder haben hier einen Job gefunden“, erinnert sich Alt-Bezirksbürgermeister Heinz Plückelmann, der nach einigen Jahren unter Tage in der Ausbildung und als Betriebsrat tätig war.

Eigentlich wäre heute noch genügend Kohle in der Erde, die man fördern könnte. Und die Preise im Ausland sind auch gestiegen. „Andere Branchen werden auch subventioniert, mehr noch als wir“, weiß Uwe Wandelt, Vorsitzender des Knappenvereins. Das Thema Kohleausstieg wird schnell politisch und emotional. Nun sitzen Uwe Wandelt, sein Stellvertreter Norbert Grundhöfer und Heinz Plückelmann um einen langen Tisch in dem kleinen Bergbaumuseum, das der Knappenverein aufgebaut hat. Sie erhalten die Erinnerung an die Zeit unter und über Tage auf „Walsum“ lebendig.

Zwei alte Zechenhäuschen als Treffpunkt

Dabei ist der Knappenverein Walsum noch recht jung. Er wurde erst 2003 gegründet. „Wir haben zwar früher schon einmal darüber nachgedacht, aber da hieß es vom Vorstand, dass die Energie lieber auf die Kohleförderung und nicht fürs Feiern verwendet werden soll“, blick Plückelmann zurück. Erst als klar war, dass es mit dem Bergwerk nicht weiter geht, gab’s auch von offizieller Seite Unterstützung. Um einen Treffpunkt zu haben, kauften die Mitglieder zwei alte Zechenhäuschen. Ein Statiker berechnete, welche Wand herausgerissen werden durfte, anschließend ging’s ans Werk. „Das haben wir alles in Eigenleistung hergerichtet“, sagt Uwe Wandelt stolz. So kommt es, dass das Bergbaumuseum mitten im Walsumer Wohngebiet liegt, an der Teutonenstraße 11-13. Auf der Fußmatte steht der Gruß: „Glückauf.“ Jeder, der sich für Heimatgeschichte interessiert, ist willkommen.

„Wir sind noch recht unbekannt. Neulich waren wir mal im Altenheim und haben den Senioren von der Zeit auf der Zeche erzählt. Die haben uns mit dem Steigerlied begrüßt. Das war ein Gänsehautmoment“, beschreibt Uwe Wandelt, noch ein bisschen ergriffen. Dabei hat er gar nicht bis zum Ende auf der Zeche gemacht, sondern hat eines der früheren Angebote angenommen, um den Job zu wechseln. Trotzdem, sein Herz hängt am Bergwerk – Familientradition.

Knappenverein zählt 230 Mitglieder

In den Vitrinen stehen alte Grubenlampen, liegen Mineralien und Fossilien, die beim Abbau gefunden wurde. „Irre, ne?“, sagt Plückelmann. Im Aufgang zum Obergeschoss hängen kunstvolle Arschleder, an der Wand im Aufenthaltsraum ein Barbara-Bild. Obendrein werden Modelle von Bergwerksmaschinen präsentiert, die eine Vorstellung vermitteln, wie die Arbeit unter Tage ablief.

Die meisten Exponate stammen aus Kellern ehemaliger Bergleute. „Irgendwann bekamen wir Besuch, der entpuppte sich als Verwandter vom ersten Bergwerksdirektor Dr. Wilhelm Roelen“, erinnert sich Wandelt. Er vermachte dem Museum den Lederhelm, das Arschleder und den Steigerstab von Roelen. „Für andere Ausstellungsstücke haben wir auch Anträge bei der Leitung gestellt, ob wir einige Sachen in die Sammlung aufnehmen können“, erklärt Norbert Grundhöfer. Er leitet den Knappenchor und das kleinere Ensemble „Fröhliche Sänger“. Bergmanns- und Stimmungslieder haben sie im Repertoire.

Der Knappenverein zählt derzeit 230 Mitglieder. Regelmäßig treffen sie sich zum Skat, die Frauen haben ihre Runden, es werden Barbara-Feiern organisiert. Am 30. Juni dürfen sie noch einmal auf das Bergwerk-Gelände, das der Steag gehört. Ein trauriger Anlass.

„Der heutigen Generation geht die Geschichte langsam verloren. Als ich mal einen Jugendlichen fragte, was er mit Kohle verbindet, hat er nur ans Grillen gedacht“, sagt Uwe Wandelt und schüttelt mit dem Kopf. Er und seine Mitstreiter haben noch viel Arbeit vor sich. Glückauf!

>>>> GRUPPEN KÖNNEN TERMIN VEREINBAREN

Feste Öffnungszeiten gibt es in dem kleinen Museum an der Teutonenstraße 11-13 nicht. Interessierte können jedoch jeden Freitag ab 14 Uhr, wenn sich die Skat-Runde trifft, vorbei kommen.

Gruppen, Schulklassen und andere Interessierte können sich auch bei Uwe Wandelt anmelden und einen Termin für eine Führung vereinbaren unter der Rufnummer 0179/2382847. Der Eintritt ist frei.

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