KULTUR

„Wahnsinn“ – ein Laster wird zum Bühnenstar in Duisburg

Der wandlungsfähige Lkw ist ein Kernstück des Bühnenbildes für das Wolfgang Petry-Musical „Wahnsinn“, das derzeit im Theater am Marientor einstudiert wird.

Foto: Lars Heidrich

Der wandlungsfähige Lkw ist ein Kernstück des Bühnenbildes für das Wolfgang Petry-Musical „Wahnsinn“, das derzeit im Theater am Marientor einstudiert wird. Foto: Lars Heidrich

Duisburg.   Im Theater am Marientor haben die Proben für das Wolfgang-Petry-Musical „Wahnsinn“ begonnen. Im Mittelpunkt steht ein höchst wandelbarer Laster.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Dieser Laster ist der Traum eines jeden Fernfahrers: Die Rückseite des Führerhauses lässt sich ohne größere Anstrengungen zur Kneipentheke umbauen, aus den Seitenklappen des Anhängers kann ein gemütliches Doppelbett ausgezogen werden samt Nachttischen, die hinter den Reifen versteckt sind. Und auf dem Anhänger selbst sorgt eine komplette Band für Livesound. Seit drei Tagen steht dieses höchst funktionale Gefährt auf der Bühne im Theater am Marientor.

Vom Laster zum Hotel

Dort wird es auch vorerst bleiben, denn der wandelbare Laster ist das Kernstück des Bühnenbildes für das Wolfgang-Petry-Musical „Wahnsinn“ (wir berichteten). Entworfen hat es Heike Meixner, mit der Regisseur Gil Mehmert schon öfter erfolgreich Musicals auf die Bühne gebracht hat.

Derzeit testet Mehmert mit der Crew, wie lange die Umbauten dauern, wo welche zusätzlichen Elemente des Bühnenbildes platziert werden müssen und wie lange es dauert, etwa den Lkw per ausklappbarem Dach zur Fassade eines spanischen Hotels samt grünen Fensterläden und chromglänzender Regenrinne umzumodeln.

Darsteller müssen selbst umbauen

„Das ist K.I.T.T. als Lkw“, lobt Mehmert die vielfältige Funktionsfähigkeit dieses Vehikels. Die allerdings allein nicht ausreicht. Mehmert: „Wir haben 30 verschiedene Szenen in dem Musical. Da gibt es natürlich noch andere Teile, wie den Zechenturm als Heimatsymbol der vier Paare, um die es in der Geschichte geht. Der wir dann im zweiten Teil, wenn die vier nach Spanien reisen, durch ein landestypisches Windrad ersetzt. Aber wir haben auch ein spielfreudiges Ensemble, das die Szenerie erst lebendig macht.“

Und das muss nicht nur singen und tanzen, sondern auch tatkräftig mit anpacken. Denn die Umbauten müssen schnell gehen und werden nicht von Bühnenarbeitern übernommen.

Geschichte zielt auf Bauch und Herz

„Da hat man schon ‘ne große Verantwortung, damit man den Kollegen nicht mit irgendeinem Teil über die Füße fährt“, meint Enrico De Pieri, der in „Wahnsinn“ den Lkw-Fahrer Peter mimt. Stück für Stück werden in den nächsten Tagen Licht und Ton getestet. Und auch die Band, die eigens für dieses Musical gecastet wurde, muss das Zusammenspiel üben.

„Das ist eine Mischung aus Konzert und Geschichte“, erklärt Gil Mehmert. „Und die Geschichte ist kein Märchen wie in vielen anderen Musicals, sondern sie handelt von vier Menschen aus dem Ruhrgebiet. Das Stück ist nah am Alltag und zielt auf den Bauch und die Herzen des Publikums. Es holt die Leute auf der Straße ab.“ Dementsprechend besitze sie einen rauen Charme, der auch in der Musik zum Ausdruck kommt. „Das ist nicht nur Schlager“, betont Mehmert, „das ist auch Rock’n’Roll“.

Neun Stunden Proben tägliche

Noch bis zum 21. Februar hat das Ensemble um Mehmert Zeit. Dann starten die ersten Previews im Theater am Marientor. „Dann wird man sehen, was funktioniert und was nicht“, sagt Enrico De Pieri. „Kann gut sein, dass die Leute am nächsten Tag eine andere Fassung sehen, als das Publikum einen Tag zuvor.“ Bei den Previews würde immer noch mal modifiziert. De Pieri: „Bis dahin aber wird hier neun Stunden am Tag geschoben und gezogen, gespielt, gesungen, geweint und gelacht.“

„Wahnsinn“ in Duisburg


74 Mal steht das Wolfgang Petry-Musical „Wahnsinn“ vom 21. Februar bis zum 29. April 2018 auf dem Programm im Theater am Marientor. Vom 21. bis zum 24. Februar laufen die Previews. Am 25. Februar ist dann die offizielle Weltpremiere. Infos: www.theater-am-marientor.de/programm

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik