Kommunalwahl

Wahlergebnisse: Tops und Flops der Parteien in Duisburg

Sieger und Verlierer in Duisburg: Am Wahlabend plauderte SPD-Fraktionschef Bruno Sagurna (rechts) im Ratssaal mit den Grünen-Spitzenkandidaten Anna von Spiczak und Felix Lütke.

Sieger und Verlierer in Duisburg: Am Wahlabend plauderte SPD-Fraktionschef Bruno Sagurna (rechts) im Ratssaal mit den Grünen-Spitzenkandidaten Anna von Spiczak und Felix Lütke.

Foto: Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Die AfD erzielt in Duisburg das drittbeste Ergebnis in NRW, schneidet aber schlechter ab als bei den Wahlen 2017. Ein Blick in die Stimmbezirke.

Nach den Kommunalwahlen offenbart der Blick in die Wahlergebnisse in den Wahl- und Stimmbezirken interessante Einblicke in das Wahlverhalten der Duisburger. Dramatisch ist ein Trend, der Gewinnern wie Verlierern Sorgen machen muss: In einigen nördlichen Stadtquartieren ging noch nicht einmal jeder Fünfte zur Wahl.

Fast ein Viertel ihrer Stimmen hat die SPD gegenüber der Kommunalwahl 2014 in Duisburg verloren, sie kam auf 30,8 Prozent der Stimmen. Noch dramatischer ist der sinkende Zuspruch für die Sozialdemokraten angesichts einer Wahlbeteiligung, die erstmals unter 40 Prozent lag. Drei Direktmandate verlor die SPD an die Grünen, ein weiteres im „roten“ Hamborn, eine ihrer klassischen Hochburgen.

SPD Duisburg in keinem Stadtbezirk über 35 Prozent

In keinem Stadtbezirk knackte die SPD die 35 Prozent, in Walsum, dem Heimatbezirk von OB Sören Link, stand mit 34,99 Prozent noch das beste Resultat, das schlechteste Ergebnis gab’s im Bezirk Mitte mit 27,36 Prozent. In keinem Stimmbezirk kam ein SPD-Kandidat über die 40 Prozent, die die Partei 2014 noch stadtweit geholt hatte. Das beste Resultat kam aus dem hohen Norden: Benedikt Falszewski holte sein Direktmandat mit 38,9 Prozent.

Das schlechteste SPD-Ergebnis mit 23,12 Prozent reichte Hans-Dieter Stradmann in Marxloh für ein Direktmandat. Bitter nicht nur für die SPD ist hier der Blick auf die Zahlen: Von fast 9500 Wahlberechtigten gaben nur 1575 ihre Stimme ab, bei einer Wahlbeteiligung von 16,6 Prozent reichten Stradmann ganze 360 Stimmen.

Kein Direktmandat für die CDU in ihrer Hochburg im Süden

Wenig Grund zur Freude auch bei der : Historisch niedrig auch ihre 21,5 Prozent, in keinem Stadtbezirk erreichte sie die 24,8 Prozent der Kommunalwahl 2014. Das beste Ergebnis gab’s mit 24,37 Prozent noch in Walsum, ernüchternd sind die 24,3 Prozent im Süden – zumal in der eigentlichen Hochburg der Christdemokraten auch gerade die Hälfte der Wähler an die Urne ging.

Das einzige Direktmandat der CDU, das Thomas Susen 2014 im Wahlbezirk Mündelheim/Hüttenheim/Huckingen/Ungelsheim geholt hatte, verlor er am Sonntag an Philipp Dengel (SPD). Dafür holte Bürgermeister Volker Mosblech in Alt-Hamborn das Mandat in seinem Wahlbezirk vor Muhammet Keteci (SPD).

Großes Gefälle im Zuspruch für die Grünen

Mit nur gut drei Prozent hinter der CDU, einer satten Verdopplung ihrer Ergebnisses von 2014 und erstmals drei Direktmandaten besetzen die Grünen 19 Sitze im neuen Rat und sind der klare Wahlsieger. Beim Blick auf die Stadtbezirke gibt es ein großes Gefälle im Zuspruch: In Mitte (24,7 %) holten sie fast ein Viertel der Stimmen, dort eroberten Felix Lütke, Laura Bieder und Najafi Tonekaboni auch ihrer Direktmandate. Nur 8,9 Prozent waren es hingegen in Hamborn, in Walsum und Meidrich Beek kamen sie gerade über die Zehn-Prozent-Hürde.

AfD trotz Zugewinn unter den Ergebnissen der letzten Wahlen

Interessant auch der Blick auf die Resultate der AfD. Sie konnte ihr Ergebnis mit 9,3 Prozent (zehn Sitze im Rat) gegenüber der Kommunalwahl 2014 (3,5 %, drei Sitze) zwar fast verdreifachen, blieb aber unter ihren stärkeren Duisburger Resultaten bei der Landtagswahl (2017: 11,5 Prozent), der Bundestagswahl (2017: 13,3 %) und der Europawahl (12 %).

Fast 13.000 Wähler stimmten am Sonntag für die Partei. Sprecher Alan Imamura spricht von „Stammwählern“. Möglich, dass die Partei auch Stimmen vom rechtsextremen Rand verbuchen konnte, wo Republikaner nicht antraten und die NPD bedeutungslos blieb. Wenig spricht allerdings dafür, dass der AfD die geringe Wahlbeteiligung besonders in die Karten spielte.

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Weil die AfD besonders in den Nordbezirken Walsum, Hamborn und Meiderich-Beeck mit jeweils über 12 Prozent ihre stärksten Ergebnisse erzielte, spricht einiges dafür, dass sie dort besonders erfolgreich ist, wo viele Wähler mit der Lebenssituation in ihren Quartieren unzufrieden sind und sich von der seit Jahrzehnten dominierenden SPD keine Lösungen versprechen.

Das ist nicht nur in Duisburg so: Landesweit erzielte die AfD in Duisburg das drittbeste Ergebnis, alle Hochburgen liegen im Ruhrgebiet: Besser schnitt die Partei nur in Gelsenkirchen (12,9 %) ab, ähnlich stark in Hagen (9,3 %) und in Herne (8,5 %).

Stimmbezirke mit Wahlbeteiligung unter zehn Prozent

In den bürgerlichen Vierteln der Stadtmitte und des Südens blieb die AfD hingegen deutlich unter ihrem Gesamtergebnis: 5,5 Prozent gab’s in Duissern; 6,5 in Buchholz/Huckingen; 5,4 in Neudorf-Nord.

Die stärksten Resultate verzeichnete die AfD in den Wahlbezirken Neumühl (16,4 %), Obermeiderich (15,5 %) und Obermarxloh (14,4 %).

Ein Beleg dafür, dass sich die Menschen in einigen Quartieren des Nordens nicht mehr für Politik interessieren, mag der Marxloher Stimmbezirk 0607 sein, wo die AfD mit 28,70 Prozent ihr stadtweit zweitbestes Ergebnis erzielte: Von 1156 Wahlberechtigten gingen nur 108 zur Wahl (9,3 Prozent), ganze 31 stimmten für den AfD-Kandidaten.

>> STADTWEIT STÄRKSTES ERGEBNIS FÜR DIE AFD IN NEUMÜHL

  • Neumühl bleibt für die Rechten eine Hochburg – angesichts der niedrigen Wahlbeteiligung reichen schon wenige Stimmen für den Erfolg. Mit 31,5 Prozent der Stimmen gab’s den höchsten Zuspruch für die AfD im Stimmbezirks 0905, der zum Wahlbezirk des Kreisvorsitzenden Andreas Laasch zählt.
  • Im Quartier zwischen Obermarxloher Straße, Ruprecht-/Felix-Dahn-Straße, Dörnbergstraße und Bastenstraße gingen von 571 Wahlberechtigten 97 zur Wahl, das entspricht 17 Prozent. Auf die AfD entfielen 29 Stimmen. Sieben weniger bekam der SPD-Mann Sebastian Haak, ein Viertel weniger als noch 2014.
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