Gerichtsurteil

Vorbestrafter Duisburger erpresst von Ex-Kollegen 300 Euro

Wegen einer anderen Straftat sitzt der Angeklagte ohnehin schon seit einem Jahr in Haft gesessen.

Wegen einer anderen Straftat sitzt der Angeklagte ohnehin schon seit einem Jahr in Haft gesessen.

Foto: David-Wolfgang Ebener

Duisburg.  Ein 24-Jähriger aus Duisburg hat einen Arbeitskollegen erpresst und bedroht. Ins Gefängnis muss er trotzdem nicht, er kam mit Bewährung davon.

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Bei der Urteilsverkündung atmete der Angeklagte auf: Statt noch lange hinter Gittern sitzen zu müssen, kann sich der 24-Jährige nun auf eine baldige Entlassung freuen. Das Landgericht am König-Heinrich-Platz konnte ihm in zweiter Instanz viele Dinge zu Gute halten, die vor dem Amtsgericht noch keine Rolle spielten. Eine Bagatelle war die räuberische Erpressung, die der Angeklagte vor zwei Jahren beging, allerdings schon deshalb nicht, weil er sich ein Opfer ausgesucht hatte, das offenbar leicht einzuschüchtern war.

Ende 2016 war dem Angeklagten, der damals drei Monate in einer Firma in Kaßlerfeld gearbeitet hatte, gekündigt worden. Er glaubte, ihm stünden noch 300 Euro Lohn zu. Deshalb marschierte er in die Buchhaltung und setzte einen 33-jährigen Mitarbeiter massiv unter Druck. Der Angeklagte drohte, er „könne die Sache auch anders regeln“, faselte etwas davon, dass er eine Waffe besorgen könne und sie auch einzusetzen wisse und deutete an, er kenne Leute, die gut zuschlagen könnten.

Angeklagter legte erstmals Geständnis ab

Der Geschädigte war so eingeschüchtert, dass er dem Angeklagten 100 Euro aus der eigenen Geldbörse in die Hand drückte. Und, nachdem der 24-Jährige weiter drohte, bei mehreren Treffen in den nächsten Tagen nach und nach auch die restlichen 200 Euro übergab. Erst als der Angeklagte noch mehr Geld forderte, ging der Geschädigte zur Polizei.

„Mir tut das sehr Leid“, so der Angeklagte. „Ich weiß, dass er der falsche Mann für meine Forderung war. Ich möchte ihm das Geld zurück geben.“ Das waren deutlich andere Töne als in erster Instanz, wo der Angeklagte geschwiegen hatte und zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

„Ich habe keine Rachegefühle“, meinte der Geschädigte im Zeugenstand. Womit er meinte, dass er von sich aus keine Ansprüche mehr geltend gemacht hätte. Die 300 Euro nahm er aber an. Und auch die 700 Euro Schmerzensgeld, die der Angeklagte mit Hilfe der Familie zahlen will.

Zu diesem Täter-Opfer-Ausgleich und dem Geständnis kamen weitere positive Umstände: Der Angeklagte, der seit Oktober 2017 in anderer Sache in Haft sitzt, verhielt sich im Gefängnis vorbildlich, bemühte sich um Arbeit. Nach seiner Entlassung kann er im Familienbetrieb mitarbeiten. Das alles sorgte am Ende für eine 22-monatige Bewährungsstrafe, und das, obwohl der 24-Jährige einschlägig vorbestraft ist und die letzte Bewährung nicht durchstand.

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