Gericht

Vor Bankrott noch schnell 36.000 Euro abgehoben

Der Gebäudekomplex des Land- und Amtsgerichts Duisburg vom Opernplatz aus gesehen

Der Gebäudekomplex des Land- und Amtsgerichts Duisburg vom Opernplatz aus gesehen

Foto: Stephan Eickershoff

Rheinhauser (56) steht wegen Untreue vor Gericht. Der Angeklagte behauptet, er sei zum Tatzeitpunkt nur noch kleiner Angestellter gewesen

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Wegen Untreue musste sich am Donnerstag ein 56-jähriger Rheinhauser vor dem Amtsgericht am König-Heinrich-Platz verantworten. In dem Wissen, dass seine Firma bereits pleite war, soll er im Dezember 2016 noch schnell 36.000 Euro vom Firmenkonto abgehoben haben, um damit ein privates Darlehen zurück zu zahlen.

Die Firma, eine GmbH, war 2009 gegründet worden. Zum Tatzeitpunkt war der Angeklagte auf dem Papier bereits seit drei Jahren nicht mehr deren Geschäftsführer, sondern hatte diese Funktion seiner Frau übergeben. Tatsächlich aber soll der 56-Jährige die Geschicke des kleinen Unternehmens, das vor allem im Bereich Kabelmontage agierte, weiter geführt haben.

Angeklagter bestreitet

Was der Angeklagte bestreitet. Er sei zu diesem Zeitpunkt nur Angestellter gewesen. Daran, ob er die 36.000 Euro bei der Bank seines Vertrauens selbst abgeholt habe und sie später weiter gab, oder ob das jemand anders im Auftrag seiner Frau getan habe, will er sich angeblich nicht mehr erinnern können. „Für das Konto gab es eine Reihe von Vollmachten“, erläuterte der Verteidiger.

Sein Mandant wisse aber, dass das Geld in bar abgeholt und dem Darlehensgeber übergeben wurde. „Es handelte sich zwar um ein privates Darlehen, was nicht der GmbH, sondern meinem Mandanten gewährt worden war“, so der Verteidiger. „Tatsächlich aber wurde es von einem Bekannten, der damals auch in der Baubranche tätig war, für die Gründung der Firma gegeben.“

Finanzamt griff erfolglos zu

Die Anklage geht davon aus, dass die - unberechtigte - Rückzahlung an den Darlehensgeber erfolgte, nachdem das Finanzamt letztmalig vergeblich versucht hatte, Steuerschulden von 99.000 Euro vom Konto der Firma abzubuchen. Exakt neun Tage nach der mutmaßlichen Untreue war die Insolvenz eingeleitet worden. Der vorläufige Insolvenzverwalter hatte angesichts von Unstimmigkeiten im Kassenbestand Strafanzeige gestellt. Das Insolvenzverfahren wurde mangels Masse übrigens gar nicht erst eröffnet. Die Eheleute gingen inzwischen in die Privat-Insolvenz, was sie sämtliche Rücklagen und das Eigenheim der Familie kostete.

Da das Gericht nun weitere Beweise erheben muss und eine Reihe von Zeugen vernommen werden soll und die vom Gesetz vorgesehene maximale Prozessunterbrechung von 21 Tagen zur Vorbereitung kaum ausgereicht hätte, wurde das Verfahren ausgesetzt. In einigen Monaten wird die Sache noch einmal neu starten.

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