Gericht

Von Lärm genervter Duisburger greift zu Eiern und Pistole

Der Eingang des Land- und Amtsgerichts Duisburg am König-Heinrich-Platz.

Foto: Stephan Eickershoff

Der Eingang des Land- und Amtsgerichts Duisburg am König-Heinrich-Platz. Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.  Das Landgericht hat einen 61-jährigen Rheinhauser in zweiter Instanz wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer Geldstrafe verurteilt.

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Lärm kann nerven. Und so mancher möchte, wenn ihm der heilige Feier- und Fernsehabend ruiniert wird, im ersten Reflex zu rigiden Mitteln greifen. Zum Glück gehen nur wenige so weit wie der 61-jährige Rheinhauser, der jetzt in zweiter Instanz wegen Bedrohung und Verstoßes gegen das Waffengesetz vor dem Landgericht am König-Heinrich-Platz stand.

Lärm von einer nahe gelegenen Tankstelle an der Moerser Straße machte den Mann am 4. Mai 2015 gegen 21 Uhr so richtig sauer: Tankstellenkunden reinigten dort ihr Auto, schlugen Fußmatten aus. Also bewaffnete sich der Anwohner mit einem Karton alter Eier und einer Schreckschusspistole.

Polizei fand Schreckschusswaffe

Er marschierte zur Tankstelle, rief die Lärmmacher zur Ordnung. Die ignorierten ihn so lange, bis der 61-Jährige Eier gegen ihr Auto warf. Als sie wenig erfreut reagierten, zeigte der Anwohner sein Schießeisen und verschwand in seiner Wohnung. Die herbei gerufene Polizei fand auf einer Kommode am Eingang seiner Wohnung wenige Minuten später eine halb unter einer Schale liegende Gas-Schreckschusswaffe.

Von diesem Ablauf war das Amtsgericht überzeugt gewesen und hatte den - bislang nur wegen Betruges und Steuerhinterziehung in Erscheinung getretenen Angeklagten - zu einer Geldstrafe von 600 Euro (60 Tagessätze zu je zehn Euro) verurteilt. Der zog dagegen in Berufung und wiederholte vor dem Landgericht seine seltsamen Argumente, mit denen er sich zu verteidigen suchte.

Kuriose Behauptungen

„Die Schreckschusswaffe gehörte nicht mir“, behauptete der 61-Jährige. Die Pistole, so der Mann, der sich selbst als „Lebensberater“ bezeichnet, habe eine völlig aufgelöste Klientin wenige Tage zuvor bei ihm vergessen. Den Namen wolle er wegen seines Berufsethos nicht nennen. „Und was ich bei dem Streit zeigte, war keine Pistole, sondern nur ein bemaltes Stück Pappe in Form einer Waffe. Ich habe so etwas immer dabei“, sprach er und zeigte den verblüfften Richtern ein ähnliches Bastelergebnis vor.

Das Gericht glaubte am Ende kein Wort. Zumal sich Zeugen sicher waren, kein Stück Pappe, sondern eine Waffe gesehen zu haben. Und die Polizisten, die die Schreckschusspistole gefunden hatten, erinnerten sich, dass der Angeklagte sagte, er habe die Waffe schon ewig und seit Jahren nicht mehr angefasst. Am Ende stellte das Berufungsgericht nur die Bedrohung ein und verurteilte den Angeklagten für den Rest zu einer Geldstrafe von 500 Euro (50 Tagessätze zu je zehn Euro).

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