Ruhrtriennale

Viel Applaus für Tanzperformance im Landschaftspark Nord

Die französische Produktion „Homo Instrumentalis“, die in der Gebläsehalle des Landschaftsparks Nord zu sehen ist, wartet mit eindrucksvollen Tanzchoreografien auf.

Foto: Ruhrtriennale/Caroline Seidel

Die französische Produktion „Homo Instrumentalis“, die in der Gebläsehalle des Landschaftsparks Nord zu sehen ist, wartet mit eindrucksvollen Tanzchoreografien auf. Foto: Ruhrtriennale/Caroline Seidel

Duisburg.   Die Ruhrtriennale-Performance „Homo Instrumentalis“ begeisterte die Zuschauer in der Gebläsehalle des Meidericher Landschaftsparks Nord.

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Wenn es um das Verhältnis von „Mensch und Maschine“ geht, setzt die Industrielandschaft des Landschaftsparks Nord mit ihrer gigantischen Hochofen-Kulisse bodenständige Assoziationen an Schweiß und Muskelkraft frei. Die hypersensible Performance „Homo Instrumentalis“ der experimentellen Musiktheater-Company „Silbersee“, die jetzt im Rahmen der Ruhrtriennale in der Gebläsehalle des Parks uraufgeführt wurde, nimmt sich in diesem Umfeld wie ein klingendes Nouvelle-Cuisin-Menü aus einer fernen und feinen Welt aus, die mit den rauchenden Schloten des „Potts“ niemals in Berührung gekommen ist.

Unüberbrückbare Kontraste

„Homo Instrumentalis“ ist eine französische Produktion, die auch in Gent, Amsterdam und Paris gezeigt wird und mit ihrer französischen Sprache einen unüberbrückbaren Kontrast zur rauchgeschwärzten Kulisse der Gebläsehalle bietet. Die Performance gliedert sich in vier Abteilungen, die trotz ihrer unterschiedlichen musikalischen Umsetzung das Thema feinnervig und realitätsentrückt reflektieren. Das gilt sogar für das älteste und mit seinen authentischen Einblendungen von Arbeiterstreiks konkreteste Werk des Abends, Luigi Nonos Klassiker „La fabbrica illuminata“ (Die erleuchtete Fabrik) aus dem Jahre 1964, der bereits mit seinem sphärisch schwerelos schwebenden, von Eléonore Lemaire grandios vorgetragenen Sopransolo die Realität der Fabrikwelt ästhetisch überhöht, wenn nicht gar verzuckert.

Asketischer geht es zum Auftakt in Yannis Kyriakides nagelneuem A-Cappella-Quartett „Ode to Man“ zu, in dem in stoischer Ruhe und Gleichförmigkeit der Schlussmonolog aus Sophokles‘ „Antigone“ skandiert wird. Hier verharren die Sängerinnen unter Leitung von Romain Bischoff bewegungslos und scheinen in ihren hellen Gewändern wie antike Priesterinnen ein religiöses Ritual einzuleiten, was sich durch die Sphärenklänge Nonos zu bestätigen schien.

Der Mensch wird durch Maschinen ersetzt

Präsentierte sich die Performance bisher in weihevoller Würde, antwortet Georges Aperghis in seinen für die Triennale neu eingerichteten „Machinations“ mit burlesken Impulsen. Warnt Sophokles in Kyriakides „Ode“ vor der Hybris des Menschen, präzisiert Aperghis den prometheischen Anspruch des Menschen auf Gottgleichheit durch skurrile Beispiele.

Der Versuch, eine Ente künstlich herzustellen, wird ebenso karikiert wie die Vorstellung, den Menschen durch eine Maschine ersetzen zu können. Das spielt sich in einer langen, viel zu langen Sprech-Kanonade in einem Staccato-Feuer ab, das die Darsteller mit beeindruckender Virtuosität abspulen. Leider in rasant rezitiertem Französisch, das nur lückenhaft durch Übertitel verständlich gemacht werden kann.

Fantasievolle Bewegungsformen entwickelt

Die Choreografin Johanne Saunier entwickelte dazu fantasievolle Bewegungsformationen, die allerdings überwiegend willkürlich und austauschbar wirken. Im Grunde handelt es sich gerade bei Aperghis um ein Sprechstück, bei dem das Textverständnis im Mittelpunkt stehen sollte. Beachtenswert, aber ebenfalls ohne erkennbaren Kontext, sind einige akrobatische Breakdance-Einlagen zu nennen.

Bevor das Thema durch Aperghis vollends zur Karikatur entschärft werden konnte, setzte man mit einem gigantischen elektronischen Crescendo einen bedrohlichen Schlusspunkt. Die einzige Szene, in denen die elektronischen Klänge mehr ausdrücken als ein unscheinbares Dauerrauschen.

Kompliment für die Professionalität des Ensembles in einer Produktion, die das Thema „Mensch und Maschine“ einerseits ritualisiert und andererseits clownesk verharmlost. Den lang anhaltenden Beifall haben alle Akteure dennoch vollauf verdient.

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