Prozess

Verfahren gegen Duisburger Rocker gegen Auflage eingestellt

In dem Prozess ging es auch um den Vorwurf des Widerstands gegen Beamte.

In dem Prozess ging es auch um den Vorwurf des Widerstands gegen Beamte.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Ein Zeuge mit Erinnerungslücken und ein Kameramann, sorgten für eine unerwartete Wende in einem Prozess gegen Rocker in Duisburg.

Vor dem Amtsgericht Hamborn ist das Verfahren gegen sechs Männer gegen eine Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden. Ihnen wurde vorgeworfen, dass sie im Juni 2015 eine Polizeikette in Marxloh mit Gewalt durchbrechen wollten, um sich mit mutmaßlichen Kontrahenten zu prügeln. Die Verhandlung vor dem AG Hamborn fand am Montag wieder unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt, denn den angeklagten Männern wird zumindest eine Nähe zu der Rockergruppe Hells Angels nachgesagt.

Vier Jahre nach dem Vorfall erfolgt die Einstellung

Über vier Jahre nach dem eigentlichen Geschehen ist das Gerichtsverfahren gegen die sechs Duisburger mit einer Einstellung gegen Geldauflage zu Ende gegangen. Fünf der Angeklagten zahlen 2400 Euro an gemeinnützige Kinderschutzorganisationen. Gegen einen Angeklagten wurde das Verfahren ohne Auflagen eingestellt. Für ihn trägt die Staatskasse die Kosten des Verfahrens.

Die Vorwürfe gegen die angeklagten Türken und Deutsch-Türken wogen schwer. Gefährliche Körperverletzung in Tateinheit mit Widerstand gegen Vollzugsbeamte sowie Landfriedensbruch.

Fernsehdreh Auslöser für Tumult

Aber auch am dritten Verhandlungstag tat sich die Staatsanwaltschaft schwer, diese Vorwürfe zu untermauern. Nachdem ein Zeuge – ein Duisburger Hauptkommissar, der am Tag und Ort des Geschehens als Unterstützung hinzukam und Fotos vom Geschehen machte – von den Verteidigern in die Mangel genommen wurde und viele Fragen unbeantwortet blieben, gab es bei der Aussage eines weiteren Zeugen noch größere Überraschungen.

Als Zeuge geladen war ein Kameramann des WDR, der seinerzeit mit seinem Team und der Linken-Politikerin MdB Kathrin Vogler, einen Rundgang durch Marxloh machte. Dieser Fernsehdreh war ursächlich für die Auseinandersetzung, die schließlich zu den Tumulten und der beinahe Massenschlägerei führte.

Auf die Frage des vorsitzenden Richters, ob von den Szenen und den Angriffen auf die Polizisten, die ja Gegenstand des Verfahrens seien, Videomaterial existieren könnte, war für die Anwesenden überraschende Antwort: Ja. Diese müssten sich noch im Archiv des WDR befinden.

Weshalb niemand der Beteiligten auf die Idee kam, schon mal im Vorfeld beim WDR anzuklopfen, und nach etwaigen Aufnahmen zu fragen, konnte letztlich nicht mehr wirklich geklärt werden. „Der als Zeuge geladene Kameramann hatte in seiner Vernehmung bei der Polizei ausgesagt, dass er keine Aufnahmen hätte, die zur Klärung des Sachverhaltes beitragen könnten“, so Oberstaatsanwalt Stefan Müller in einem Erklärungsversuch. „Letztlich hat sich herausgestellt, dass der Zeuge wohl vom Angriff auf den Protagonisten des Videos ausging und nicht auf die Tumulte die folgten.“

Die Verteidiger der sechs Angeklagten sprachen trotz des einigermaßen glimpflichen Ausgangs für ihre Mandanten von einer Farce. „Es hätte viel Zeit und Geld gespart, wenn die Anklage nicht so ein Schuss ins Blaue gewesen wäre“, ärgert sich einer der Verteidiger. Dennoch hat der Ausgang des Verfahrens auch etwas Gutes. Die SOS-Kinderdörfer weltweit, das Deutsche Kinderhilfswerk, die Kindernothilfe Duisburg und der Deutsche Kinderhospizverein können sich über einen kleinen Geldregen freuen. Eine Bedingung, die die Verteidiger an die Zahlung der Geldauflage geknüpft haben.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben