Initiative

Duisburger Verein startet Wahlaufruf per Bierdeckel

Die Vereinsmitglieder Birgit Beisheim, Wolfgang Braun und Günther Neumann (v.l.) präsentieren die Bierdeckel der früheren und aktuellen Aktion.

Die Vereinsmitglieder Birgit Beisheim, Wolfgang Braun und Günther Neumann (v.l.) präsentieren die Bierdeckel der früheren und aktuellen Aktion.

Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Der Duisburger Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ wirbt im Super-Wahljahr mit Bierdeckel-Aktion auf plakative Weise für den Urnengang.

Auf einem Bierdeckel sollten die Bürger ihre Einkommenssteuer ausrechnen können. Was der frühere CDU-Spitzenpolitiker Friedrich Merz 2003 nicht auf den Weg bringen konnte, ist dem Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ in Duisburg gelungen.

Allerdings geht es bei seiner aktuellen Aktion nicht um die Steuererklärung, sondern um die Demokratieförderung. „Ab in die Kabine – Wählen gehen!“ steht mit Blick auf Landtags-, Bundestags- und OB-Wahl in diesem Jahr auf 7500 Bierdeckeln, die an Parteien, Schulen und weitere Organisationen und Institutionen verteilt werden.

Kontingent zum Abholen im Buchhandel Scheuermann

Ein Kontingent zum Abholen gibt es bereits in der Buchhandlung Scheuermann am Sonnenwall. „Weitere Geschäfte sollen folgen“, sagt Wolfgang Braun, Sprecher des Vereins in Duisburg, der sich unter anderem mit nationalsozialistischen Verbrechen, mit Rechtsextremismus auseinandersetzt, Aufklärungsarbeit betreibt und sich für eine offene und tolerante Gesellschaft einsetzt.

„Und die können wir nur verteidigen, wenn man wählen geht“, sagt Grünen-Politikern und Vereinsmitglied Birgit Beisheim. „Man muss es aushalten können, wenn Entscheidungen getroffen werden, die nicht der eigenen Meinung entsprechen. Aber dann bringt es nichts, wenn man sich beleidigt zurückzieht.“ Jede Stimme zähle angesichts eines Viel-Parteiensystems. Die Bierdeckel – 5000 sind jetzt schon im Nachdruck – sollen bis September, bis zur Bundestags- und OB-Wahl, in Umlauf gebracht werden.

Es ist die zweite Aktion dieser Art des Vereins. Er hat bereits 2013 im Zuge der Zuwanderungsdiskussionen mit über 10 000 Bierdeckeln in Vereinsheimen, Kantinen und bei Straßenfesten dafür gesorgt, dass die Duisburger mit dem Motto „Jede Jeck ist anders“ augenzwinkernd zu mehr Toleranz inspiriert wurden.

Bierdeckel sollen zu Sammlerobjekten werden

„Wir hoffen, dass die Bierdeckel zu echten Sammlerobjekten werden“, sagt Wolfgang Braun. Auf der Rückseite stehen auch aktuell wieder die vier Freiheiten – darunter die der Rede und des Ausdrucks –, die der frühere US-Präsident Franklin Delano Roosevelt 1941 einst in seiner Ansprache zur Lage der Nation vor dem Kongress formulierte. Sie spielten sowohl bei der Bildung einer Anti-Hitler-Koalition als auch bei der späteren Gründung der Vereinten Nationen eine Rolle und sind laut Braun die Basis des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie“.

Der setzt in seinem Tun nicht nur auf Bierdeckel, will außerdem ein Netzwerk mit dem Jugendring aufbauen, um noch mehr Angebote zur Demokratieförderung für Jugendliche realisieren zu können. Und zehn Schulen sollen darüber hinaus ab September Patenschaften für jeweils ein Denkmal in Erinnerung an NS-Opfer in Duisburg übernehmen.

>>> DUISBURGER ABLEGER WURDE 2001 GEGRÜNDET

Den Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ gibt es bundesweit in mehreren Städten. Gegründet wurde er 1993 von Vertretern des öffentlichen Lebens verschiedener Parteien angesichts der fremdenfeindlichen Ausschreitungen zwischen 1991 und 1993 wie in Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Mölln und Solingen.

Den Duisburger Ableger gibt es seit 2001. Er zählt rund 30 Mitglieder von Kirchen, Parteien, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft. Weitere Infos gibt es bei Sprecher Wolfgang Braun unter 0203/66 20 90.

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