Oper am Rhein

Verdi weckte Lukas Beikirchers Opernbegeisterung

Lukas Beikircher nach einer „Don Carlos“-Probe im golden glänzenden, raffinierten Bühnenbild von Alfons Flores. Guy Joosten hat die Oper neu inszeniert.

Lukas Beikircher nach einer „Don Carlos“-Probe im golden glänzenden, raffinierten Bühnenbild von Alfons Flores. Guy Joosten hat die Oper neu inszeniert.

Foto: Lars Heidrich

Duisburg.  „Don Carlo“ bestimmte dann sogar seinen Berufsweg. Der Kapellmeister der Deutschen Oper am Rhein leitet die Premiere im Theater Duisburg.

Die überraschende Antwort auf die oft gestellte Frage vorab: Ja, Lukas Beikircher ist mit dem Kabarettisten Konrad Beikircher verwandt und stammt wie sein Onkel, bekanntlich auch kenntnisreicher Musik- und Opernliebhaber, aus Südtirol.

Lukas Beikircher ist seit 2013 Kapellmeister an der Deutschen Oper am Rhein. Mit „Don Carlo“ leitet er am Samstag, 10. Juni, die Duisburg-Premiere der Verdi-Oper, die seinen Berufsweg entscheidend geprägt hat. Auf einem Stehplatz in der Bayerischen Staatsoper in München hörte der 15-Jährige, der damals lediglich Klavier spielte, „Don Carlos“ als seine erste Oper. „Ich war total begeistert, das war mein Erweckungserlebnis“, so Beikircher, den als Jugendlichen vor allem Opern fesselten, „wo’s abgeht“. „Ich wurde Stammgast auf der Galerie.“

Auch das erste Engagement des Klavierstudenten hieß „Don Carlos“. In Coburg war ein Pianist erkrankt, Beikircher wurde von einem Bekannten ins Spiel gebracht – und als Repititor engagiert. Eine große Aufgabe, die den Klavierstudenten ins Schwitzen brachte.

Beikircher schwärmt von Verdis Oper

In „Don Carlos“, das er zur Zeit mit den Duisburger Philharmonikern einstudiert, habe Verdi einiger seiner schönsten Einfälle verarbeitet, schwärmt Beikircher von der Oper. „Verdi schafft es, Gefühle, Emotionen und Tiefe allein durch eine Melodie auszudrücken. Auch die berühmtesten Arien und Duette sind vom Drama beseelt und niemals Selbstzweck.“ Und das mit „sparsamsten Mitteln“, zum Bespiel, wenn er den Auftritt des Großinquisitors vom Kontrafagott begleiten lassen. „Zwei, drei Töne und Akkorde, dann ist alles klar, und das ist seine Meisterschaft.“ Dass diese „gottbeseelten Melodien“ zu „Hits“ wurden, sei ein Nebenprodukt. Nie habe Verdi bewusst „Hits“ komponiert, wie es ihm vorgeworfen worden ist.

Die Titelpartie singt Tenor Gianluca Terranova

Ein großartiger Stoff auch für Sänger, von denen einige in Duisburg ihre Rollendebüts geben. Aus dem Ensemble singt Sarah Ferede zum ersten Mal die Partie der Eboli und Bogdan Baciu den Rodrigo di Posa. Die irische Sopranistin Celine Byrne ist nach ihren Auftritten als Liù („Turandot“) in ihrer neuen Rolle als Elisabetta in Duisburg zu Gast. Die Titelpartie singt der italienische Tenor Gianluca Terranova, der bei der Düsseldorfer Premiere begeistert gefeiert wurde. Als Don Carlos Vater Filippo II. gastiert der in China geborene Bass Liang Li. Die Macht der Kirche repräsentiert Sami Luttinen als Großinquisitor.

„Eine wirklich tolle Besetzung“, sagt Beikircher. Mit Debütanten sei der Arbeitsprozess anders als mit erfahrenen Sängern. „Es ist eine gemeinsame Suche“, sagt der Kapellmeister, der an der Rheinoper die ganze Breite des Repertoires abdeckt. Als „begeisterter Vater einer Tochter“ auch gern Familienopern.

>> Opernwerkstatt mit Probenbesuch

Am Dienstag, 6. Juni, öffnet das Theater um 17 Uhr die Türen zur Opernwerkstatt: Im Opernfoyer gibt Bernhard F. Loges im Gespräch mit Lukas Beikircher und Spielleiter Tibor Torell Einblick in das Stück und die Inszenierung von Guy Joosten.

Direkt im Anschluss dürfen die Besucher den ersten Teil der Bühnenorchesterprobe mitverfolgen. Der Eintritt ist frei. Weitere Termine für „Don Carlo“: 15. Juni, 18.30 Uhr, 17., 23., 29. Juni und 1.Juli, 19.30 Uhr

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