Kommunalwahl

Unternehmer: Drei Forderungen für die Wirtschaft in Duisburg

An der Universität Duisburg-Essen wird an Nanotechnologie geforscht. Solche und andere Technologien sind auch wirtschaftlich hochinteressant. Bisher werde dieses Potenzial aber in Duisburg kaum genutzt, kritisiert der Unternehmerverband.

An der Universität Duisburg-Essen wird an Nanotechnologie geforscht. Solche und andere Technologien sind auch wirtschaftlich hochinteressant. Bisher werde dieses Potenzial aber in Duisburg kaum genutzt, kritisiert der Unternehmerverband.

Foto: Stephan Eickershoff / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Diese Forderungen stellt der Unternehmerverband vor der Kommunalwahl in Duisburg. Welche Rolle die Universität Duisburg-Essen dabei spielt.

Der 13. September soll ein guter Tag für die Duisburger Wirtschaft werden. An diesem Tag entscheiden die Duisburger, welche Parteien nach der Kommunalwahl die Geschicke ihrer Stadt lenken. Wer auch immer den Gestaltungsauftrag erhält: Der Unternehmerverband hat drei konkrete Forderungen an die Politik. Welche das sind, darüber haben wir gesprochen mit Wolfgang Schmitz, dem Geschäftsführer des Unternehmerverbands Wirtschaft für Duisburg, und dessen Vorsitzenden Alexander Kranki.

Die Universität nutzen. 247 Studiengänge, mehr als 42.000 Studenten: Die Universität Duisburg Essen könnte ein nicht zu überschätzender Standortfaktor sein für die Wirtschaft der Stadt an Rhein und Ruhr. Doch sie ist es nicht, findet Wolfgang Schmitz, spricht von „sehr viel Luft nach oben bei der Nutzung der Universität vor Ort“ und nennt ein Beispiel: Mit Professor Achim Truger stellt die UDE einen der fünf Wirtschaftsweisen – doch kaum jemand wisse das.

Unternehmerverband Duisburg: Universität als Motor für Wirtschaft nutzen

Dabei verfügt die Universität am Standort Duisburg über eine ganze Reihe von Fachgebieten, die wirtschaftlich hochspannend sind: Nanotechnologie, Wasserstoffforschung, Künstliche Intelligenz, Mikroelektronik, zählt Schmitz aus dem Stegreif auf. Doch Ausgründungen und Aninstitute gebe es kaum, dabei könnten solche Unternehmungen die Wirtschaft vor Ort befördern: Würde Duisburg das begehrte Wasserstoffzentrum bekommen, würde davon zum Beispiel die hiesige Stahlindustrie profitieren.

Möglichkeiten wie diese sollten bei 6-Seen-Wedau realisiert werden, fordert Schmitz im Einklang mit den Plänen von Uni und städtischem Wirtschaftsdezernat. Die Fläche Wedau-Nord soll unter Beteiligung der UDE zum Innovations- und Technologiequartier werden. „Da muss eine Ideenschmiede hin“, fordert Schmitz. „Warum reden wir bei Start-ups immer nur von Berlin? Wir könnten genauso gut von Duisburg reden. Wir müssen potenzielle Gründer der Uni entdecken und fördern, noch bevor sie nach Berlin gehen.“

So geht Wirtschaftsförderung: Dortmund als Vorbild für Duisburg

Die Wirtschaftsförderung stärken. Die vergleichbare Stadt Dortmund – in puncto Einwohnerzahl, Arbeitslosigkeit, Strukturwandel – investiere das Fünf- bis Zehnfache in ihre Wirtschaftsförderung, mit Erfolg, nennt Schmitz ein Vorbild für Duisburg: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sei dort deutlich höher. Für 2019 weist die Statistik in Dortmund gut 42.000 entsprechende Beschäftigte pro 100.000 Einwohner aus, in Duisburg waren es gut 35.000. Von mehr sozialversicherungspflichtigen Jobs profitiert die Stadt finanziell, da sie vom Bund einen Anteil der Einkommenssteuer bekommt.

Die Wirtschaftsförderung soll nach den Vorstellungen des Unternehmerverbands außerdem mit dem Stadtmarketing zusammengeführt werden: Die Entwicklung und Vermarktung von Flächen und Lebensqualität gehöre zusammen, findet Schmitz: unter dem Dach des Wirtschaftsdezernats.

Mehr Flächen für Gewerbe – und diese effektiver nutzen

Das Flächenmanagement verbessern. Trotz einiger neuer Unternehmerparks gebe es nach wie vor zu wenige Flächen für Gewerbe in Duisburg, neue müssten ausgewiesen werden, zum Beispiel durch Umwidmung. Bei Flächen in privatem Besitz sei das oft schwierig, gibt Alexander Kranki zu. Dennoch werde die Flächenentwicklung dadurch „nicht zur Privatsache. Da sollte die Stadt sich drum kümmern.“ Er verweist auf den alten Güterbahnhof, wo auf einem Filetstück der Stadt erst nach dem Verkauf des Grundstücks durch den privaten Investor Kurt Krieger an die Gebag wieder Stadtentwicklung möglich wird.

Eine weitere Forderung des Unternehmerverbands: Die vorhandenen Flächen sollten intensiver genutzt werden. „Bei einer Logistikhalle brauche ich viel Fläche für wenige Arbeitsplätze“, führt Kranki aus. Bei der Vermarktung von Gewerbeflächen solle die Stadt deshalb bedenken, wie viele Arbeitsplätze dadurch entstehen könnten, ob die Neuansiedlung hilfreich für die bestehende Wirtschaftsstruktur ist, wie groß der Innovationsgrad ist, wie langfristig das Engagement.

<< BLICK AUF DIE KOMMUNALWAHL

  • Mit der bisherigen Zusammenarbeit von SPD und CDU im Rat der Stadt ist der Unternehmerverband durchaus zufrieden.
  • Nach ihren Erfolgen bei den vergangenen Wahlen dürften die Grünen auch bei der Kommunalwahl in Duisburg stärker abschneiden als in der Vergangenheit. Der Unternehmerverband steht dem offen gegenüber: „Wir sind mit den Grünen in guten Gesprächen“, sagt Alexander Kranki. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man mit denen gut arbeiten kann.“ Schmitz ergänzt: „Unternehmen und Grüne haben beide erkannt, dass Ökonomie und Ökologie sich nicht ausschließen.“ Ein Beleg: Die Spitzenkandidatin der Grünen fürs Ruhrparlament, Birgit Beisheim, ist Mitglied im Verein „Wirtschaft für Duisburg“.
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben