Stadtverwaltung

Uniformierte Servicekräfte arbeiten in Stadtteilbibliotheken

Die Octeo-Mitarbeiterinnen Sandra Deussen und Heike Aßmann unterstützen als Servicekräfte die Büchereifachkraft in der Stadtteilbibliothek Beeck, die seitdem wieder geöffnet ist.

Die Octeo-Mitarbeiterinnen Sandra Deussen und Heike Aßmann unterstützen als Servicekräfte die Büchereifachkraft in der Stadtteilbibliothek Beeck, die seitdem wieder geöffnet ist.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.   Weil Fachpersonal fehlt, setzt Duisburg Hilfskräfte in zwei Büchereien ein. Das soll eine pragmatische Übergangslösung sein, so die Stadt.

Pragmatische Lösung oder Dammbruch beim städtischen Personal? In der Stadtteilbücherei Beeck werden Mitarbeiter des städtischen Dienstleisters Octeo eingesetzt und ersetzen Bibliothek-Fachpersonal, um die Bücherei überhaupt öffnen zu können. Auch in Neumühl sind die uniformiertes Hilfskräfte im Einsatz seit Anfang September im Einsatz.

Thomas Krützberg: Temporäre Übergangslösung

Seit Januar war die Stadtteilbücherei in Beeck geschlossen, Neumühl drohte die Schließung, weil die jeweils zwei ausgebildeten Bibliothekare urlaubs- und krankheitsbedingt fehlten. Die Politik forderte deshalb im Frühjahr eine „schnellstmögliche“ Wiedereröffnung. Die Lösung hat Kulturdezernent Thomas Krützberg nun gefunden. Zunächst bis zum Ende des Jahres arbeiten jeweils drei Octeo-Kräfte, die sonst im Service- und Sicherheitsbereich eingesetzt werden, in den Büchereien. Dazu jeweils eine ausgebildete Büchereifachkraft. „Wir wollten die Büchereien schnell wieder öffnen, das ist eine temporäre, pragmatische Übergangslösung“, erklärt Krützberg. Mit dieser Unterstützung sind die Büchereien auch zusätzlich samstags geöffnet. Die Octeo-Mitarbeiter sind laut Krützberg geschult worden, um zum Beispiel die Buchausleihe zu gewährleisten.

Octeo-Kräfte sind geschult

Büchereifachpersonal ist bei der Stadt knapp, der Haushalt lässt externe zusätzliche Einstellungen kaum zu. So suchte die Kulturverwaltung nach neuen Lösungen: „Das ist auch ein Versuch, um zu sehen, wie es funktioniert“, erklärt Krützberg. Klar ist, es müsse weiterhin bibliophiles und belesenes Fachpersonal geben, aber für Krützberg ist denkbar, dass zur Service-Unterstützung auch andere Kräfte in den Büchereien arbeiten könnten – etwa Sozialpädagogen, Erzieher. „Das könnte ich mir vorstellen“, so der Beigeordnete.

Während die SPD die „unbürokratische Lösung“ lobt, kommt Kritik von den Grünen: „Gerade in den kleinen Stadtteilbibliotheken ist eine fachliche Expertise wichtig. Das Fachpersonal muss einen guten Überblick über die Bedürfnisse ihrer Lesern haben und bei Fernausleihen zum passenden Buch raten können. Das ist mit Aushilfskräften nicht zu machen“, meint die Fraktionsvorsitzende Leiße.

Personalrat erwägt auch eine Klage

Misstrauen keimt beim Personalrat: „Solche Aktionen haben die Unart, sich fortzusetzen“, befürchtet der Vorsitzende Rainer Hagenacker, dass kommunale Daseinsvorsorge weiter ausgegliedert wird. Zudem: Es rächten sich die Personaleinsparungen der vergangenen Jahre und die ungenügende Personalentwicklungsplanung.

Richtig erbost ist Hagenacker aber darüber, dass der Personalrat nicht eingebunden war in die in seinen Augen mitbestimmungspflichtige Lösung. „Mit uns hat niemand gesprochen. Das ist einfach durchgezogen worden. Dieser Stil macht sich immer breiter“, kritisiert Hagenacker. Daher prüft der Personalrat sogar, mit einer Klage vor das Verwaltungsgericht zu ziehen.

>>>Stadt sucht Azubis für die Bibliotheken

Für 2019 wirbt die Stadt jetzt gezielt für die Ausbildung als „Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste“ in den Büchereien. Bewerbungsfrist ist der 30. September.

Bewerben können sich Interessierte , die einen Hauptschulabschluss, Fachoberschulreife oder die Fachhochschulreife nachweisen können. Zur Ausbildung gehört, Medien, wie Bücher, Zeitschriften, Zeitungen und elektronische Medien anzuschaffen, zu erfassen und auszuleihen.

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