Hochschule

Uni-Rektor Radtke: „Hurra zu rufen, das reicht nicht“

Für Prof. Dr. Ulrich Radtke beginnt im April seine dritte Amtszeit. Der 62-jährige Hochschulmanager leitet die Uni seit 2008.

Für Prof. Dr. Ulrich Radtke beginnt im April seine dritte Amtszeit. Der 62-jährige Hochschulmanager leitet die Uni seit 2008.

Foto: Stefan Arend

Duisburg.   Für die Expansion der Uni Duisburg-Essen auf den Wedauer Bahnflächen dämpft Dr. Ulrich Radtke zu hohe Erwartungen. Aber: Die Uni sei attraktiv.

Hinter der Universität Duisburg-Essen liegt ein erfolgreiches Jahr. Weltweit Platz 13 im Times-Ranking der jungen Hochschulen sowie ein bundesweit siebter Platz bei den zitierten Veröffentlichungen ihrer Wissenschaftler belegen die wachsende Reputation der UDE. Eng verbunden ist der Erfolg mit ihrem Rektor. Für Prof. Dr. Ulrich Radtke beginnt sein zehntes Jahr im Amt, gleichzeitig das erste seiner dritten Amtszeit. „Es wird wohl meine letzte“, sagt der 62-jährige Hochschulmanager im Interview mit der WAZ.

Was hat das Jahr für Sie geprägt?

Unser größter Aufschlag war das Nachwuchsprogramm mit den Wisna-Professuren. Wir können jetzt 23 so genannte Tenure-Track-Professuren neu besetzen. Das ist eine der drei Säulen der Exzellenz-Strategie. Wir gehören zu den Universitäten, die mit am meisten Professuren bekommen haben. Da haben wir so manche Traditionshochschule hinter uns gelassen. Das ist eine Anerkennung für unsere jahrelangen Bemühungen um den wissenschaftlichen Nachwuchs. Wir bündeln die gesamte Ausbildungskette und bieten durch die Kooperation in der Ruhr-Allianz weitere Vorteile.

Was gibt den Ausschlag?

Wir bieten Entwicklungsmöglichkeiten. Die Bewerber wissen, dass sie hier gut aufgehoben sind. Für uns ist auch erfreulich, dass aus dem Rückkehrerprogramm des Landes zwei von drei Professoren an unsere Universität kommen. Es ist wichtig, dass wir beim Nachwuchs punkten.

Hat auch die Wirtschaft ihre Unterstützung verstärkt?

Es fällt uns mittlerweile deutlich leichter, Stiftungsprofessuren einzuwerben. Auch daran spürt man, dass wir öffentlich stärker wahrgenommen werde. Zuletzt etwa für das InZentIM, das Zentrum für Migrationsforschung, das im Frühjahr an der UDE gegründet wurde.

Dennoch könnte die personelle Ausstattung der Lehre besser sein.

In der Tat, denn wir haben einen Aufwuchs in der Finanzierung durch Sonderprogramme gehabt. Dadurch ist zwar insgesamt mehr Geld in das System gekommen, aber die Betreuungsrelation zwischen Lehrenden und Studierenden hat sich dadurch nicht spürbar verbessert. NRW rangiert unter allen Bundesländern am Ende der Skala. Da gibt es dramatische Unterschiede.

Die UDE hat 43 000 Studierende. Hält das Wachstum an?

Ich glaube, wir haben ein Hochplateau erreicht. Dass es wesentlich mehr werden, kann ich mir nicht vorstellen. Als ich 2008 an die UDE kam, hatten wir 31 000 Studierende. Zwar steigt die Studierneigung, aber die Jahrgangsgröße wird insgesamt schwächer. Aber wir sind froh über jeden talentierten Studienanfänger. Wir fördern das Talent-Scouting und das bei uns entwickelte Modellprogramm „Chance hoch zwei“.

Wo steht die UDE?

Wir sind attraktiv für Lehrende und Studierende. Das haben wir 14 Jahre nach der Fusion erreicht. Aber das Ruhrgebiet hat nach wie vor einen strukturellen Nachteil bei der Dichte der außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Andere Regionen sind da besser ausgestattet. Aber unser Spektrum ist auch breiter als das einer technischen Universität.

Was erwarten Sie von der neuen Landesregierung?

Das Wichtigste: Man muss mehr in die Grundfinanzierung investieren. Diskutiert werden auch einige Veränderungen hinsichtlich einer stärkeren Autonomie der Hochschule. Die Ergebnisse muss man abwarten.

Wo wären Sie denn gern unabhängiger?

Die Frage lautet: Was hat man von Autonomie, wenn man kein Geld hat? Es wird beabsichtigt, uns die Bauherren-Eigenschaft zu übertragen – das wäre wirklich etwas Neues. Bisher sind alle Aktivitäten im Landesbetrieb BLB gebündelt. Das macht es unflexibel, die Mieten und Kosten können wir oft nur schwer nachvollziehen. Universitäten sollen wählen können, ob sie Autonomie möchten. Aber wir müssten dann Ressourcen für den Bauunterhalt bekommen. Das ist zu verhandeln.

Die UDE will sich auf den Wedauer Bahnflächen engagieren. Würde mehr Autonomie das erleichtern?

Ja, denn wir dürfen bisher nur auf Gelände bauen, das dem BLB auch gehört. Wir würden beweglicher werden, freier und schneller in unseren Entscheidungen.

Bisher hat man den Eindruck, Sie sehen das Thema Wedau skeptisch...

Nein, ich versuche aber die große Erwartungshaltung zu dämpfen. Schön ist, dass die Stadt die Uni bei vielen Projekten als Partner schätzt und als Motor für Innovation sieht. Aber in Wedau wird es nicht fix gehen. Da müssen zunächst die Altgebäude denkmalgerecht saniert werden. Das ist eine Herausforderung – ein Neubau wäre sicherlich einfacher. Aber ich spüre die Verantwortung, uns dort zu beteiligen. Genauso wie im Mercator-Haus, wo wir uns als Ankermieter engagieren.

Wedau wird auch als Chance gesehen für die Universität – von Ihnen auch?

Ja. Ohne mich würden die Gespräche über Wedau nicht laufen. Ich war intern der Motor bei diesem Thema – wenngleich ich öffentlich vielleicht auch Zweifel eingebracht habe. Es braucht eine solide Planung.

Ein 3D-Druckzentrum wird genannt als Keimzelle der Entwicklung.

Sicher, aber das ist gebunden an einen Antrag für einen Forschungsneubau. Damit muss man sich durchsetzen beim Land. Es müssen auch ausreichend viele Wissenschaftler da sein, die diesen Antrag stützen. Da brauchen wir mehr. Mit Prof. Gerd Witt haben wir einen hervorragenden Mann halten können. Aber von seiner Klasse brauchen wir weitere. Das war beim Nano-Zentrum nicht anders. So etwas muss sich entwickeln.

Aber braucht es nicht auch ein offensives Bekenntnis des Rektors?

Hurra zu rufen, das reicht nicht. Zunächst müssen die Voraussetzungen stimmen. Ich habe jetzt gesagt, wir gehen nach Wedau, mit der Gebag haben wir einen Letter of Intent unterzeichnet, damit sie weitermachen können. Wenn es zu einem marktfähigen Preis zu machen ist, dann gehen wir da rein und auch in die alte Halle, als Ort für Start-Ups und Co-Working-Places. Ich finde, dass ist eine sehr mutige Zusage. Das Gebiet hat Potenzial, da kann etwas Spannendes entstehen. In den nächsten zwei Jahren wird sich entscheiden, womit wir uns beteiligen. Das Rektorat unterstützt die Entwicklung sehr, aber es muss Schritt für Schritt gehen. Niemand soll denken, dass wir schon im nächsten Jahr da sind.

Dabei kann der Campus eine Raum-Reserve gut vertragen.

Das ist richtig. Für den Neubau der Mensa wird die letzte Freifläche verwendet. Der Abriss des LE-Hochhauses ist beschlossen, ein Neubau kommt. Mit dem Bau eines Parkhauses an der Carl-Benz-Straße werden wir außerdem in die Höhe gehen. Weitere Reserven gibt es nicht. Wenn wir die Gelegenheit hätten, alles auf einem Campus zu haben, würde ich das natürlich bevorzugen. Aber natürlich stellt sich für uns die Raumfrage. Deshalb können wir in Wedau sinnvoll kooperieren. Die Entfernung ist zu überbrücken, deshalb haben wir uns auch Optionen auf weitere Flächen gesichert.

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