Vandalismus

Unbekannte verwüsten Gesamtschule in Duisburg-Homberg

Die Erich-Kästner-Gesamtschule wurde so stark verwüstet, dass der Unterricht am Mittwoch ausfallen musste. Unser Archivfoto zeigt das Gebäude im Jahr 2018.

Die Erich-Kästner-Gesamtschule wurde so stark verwüstet, dass der Unterricht am Mittwoch ausfallen musste. Unser Archivfoto zeigt das Gebäude im Jahr 2018.

Foto: Volker Herold / FUNKE Foto Services

Duisburg-Homberg  Der Staatsschutz ermittelt im Fall der verwüsteten Erich-Kästner-Gesamtschule. Die Täter haben auch Droh-Parolen und Hakenkreuze hinterlassen.

. Günter Terjung hat sich über die Jahre ein dickes Fell zugelegt. Als Leiter einer Gesamtschule in einem Stadtteil mit reichlich sozialen Problemen kann er so einiges wegstecken. Aber das, was über Pfingsten an der Erich-Kästner-Gesamtschule in Homberg-Hochheide passiert ist und jetzt bekannt wurde, macht ihn fassungslos. „Ich bin seit mehr als 25 Jahren an der Schule. So etwas habe ich in meiner ganzen Zeit hier noch nicht erlebt.“

Am Wochenende hatten Vandalen so heftig im Schulgebäude an der Ehrenstraße gewütet, dass der Unterricht am Mittwoch, 12. Juni, für die Jahrgänge 7 bis 10 ausfallen musste. Denn sie nutzen den Neubau, in dem Flure und Klassenräume so verwüstet waren, dass sie nicht genutzt werden konnten. Der Schulleiter beschreibt das Szenario, das sich den Lehrern nach der Rückkehr aus dem Pfingsturlaub bot: „Hier wurden Glasvitrinen zerdeppert, Bilder herunter gerissen, Wände beschmiert und mannshohe Hydrokulturpflanzen umgeworfen.“ Besonders problematisch war die Verschmutzung des Erdgeschosses. Hier hatten die Randalierer mehrere Pulver-Feuerlöscher ausgeleert und alles mit einer klebrigen Masse überzogen.

Bedrohungen an die Wand im Klassenzimmer geschmiert

„Die Täter hatten es offenbar gezielt auf die Bereiche der zehnten Klassen abgesehen“, vermutet Günter Terjung. Hier waren die Wände mit Schmähungen und Bedrohungen einiger Lehrer beschmiert. Außerdem wurden laut Polizei Symbole gefunden, die wie Hakenkreuze aussehen.

„Wir reden hier nicht von einem Kavaliersdelikt, der Fall wird vom Staatsschutz bearbeitet“, sagt Polizei-Sprecher Daniel Dabrowski. Die Ermittler hatten am Dienstag mehrere Stunden lang das Schulgebäude nach Spuren wie Finger- oder Fußabdrücken und sonstigen Hinterlassenschaften durchforstet, die Hinweise auf die Verursacher geben können. „Dabei haben wir so einiges gefunden“, bestätigt Dabrowski, der aus ermittlungstaktischen Gründen keine Details nennt.

Fest steht, dass es hier nicht um versuchten Einbruch geht, sondern um Sachbeschädigung - und zwar nicht um fahrlässige, sondern um vorsätzliche Sachbeschädigung. „In einem solchen Fall kann den Tätern nicht nur eine Geld- sondern sogar eine Freiheitsstrafe drohen“, erklärt der Polizei-Sprecher.

Die bisher Unbekannten hatten eine Scheibe an der Türe zum Schulhof eingeschlagen und sich so Zutritt verschafft. Schulleiter Günter Terjung spricht seine Vermutung aus, dass die Täter „Eingeweihte“ waren und aus der Schülerschaft kommen könnten. Vieles deute darauf hin, dass hier Leute unterwegs waren, die sich im Gebäude gut auskannten. „Eine solche hirnlose Tat macht uns als Lehrer ratlos“, sagt der Rektor. „Es ist bitter, aber gegen bestimmte Dinge kommen wir als Pädagogen offenkundig nicht an.“

Viel Zeit zum Nachdenken hatte das Kollegium noch nicht. Den unerwartet unterrichtsfreien Mittwoch nutzten die Lehrer, um gemeinsam aufzuräumen. Unterstützt von der Putzkolonne, die Extraschichten macht, bahnten sie sich einen Weg durch die verwüsteten Flure. Laut Stadt mussten insgesamt drei Klassenräume und die Flure im Erdgeschoss sowie im ersten Obergeschoss komplett gereinigt werden. Teilweise musste neu gestrichen werden und Feuerlöscher ersetzt werden.

Die Höhe des Schadens ist noch nicht bekannt. „Das werden viele tausend Euro sein“, schätzt Günter Terjung. „Eine einzige Vitrine kostet ja schon zweitausend Euro.“ Davon wurden gleich zwei zerschmettert und auch Steckdosen und Lichtschalter sind kaputt.

Die Polizei Duisburg sucht Zeugen

Von den Hass-Parolen an den Wänden der Klassenzimmer der Jahrgangsstufe 10 will sich die Belegschaft nicht einschüchtern lassen. „Wir haben mit allen Lehrern gesprochen und sind uns einig, dass es hier nicht darum gehen kann, solche Schmierereien persönlich zu nehmen. Hier hat irgendwer seinen angestauten Frust aus Groll und Langeweile abgelassen.“

Der Schulleiter will jetzt bei der Stadt eine Anlage zur Videoüberwachung der Erich-Kästner-Gesamtschule beantragen. Außerdem versuche man bei der schnellen Aufklärung des Falls zu helfen. Rückhalt hätten die Lehrer dabei vor allem von der Oberstufe. „Die Schüler sind von selber aktiv geworden und sammeln Hinweise.“ Der Unterricht soll wieder nach Plan stattfinden.

Die Polizei sucht Zeugen des Vandalismus oder Menschen, die sachdienliche Hinweise geben können. Kontakt:
0203/2800

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