Kultur

Überwachungskameras liefern kompletten Film von Xu Bing

Die Scheibe des Ausstellungsraumes wird als Projektionsfläche genutzt.    

Foto: Frank Vinken

Die Scheibe des Ausstellungsraumes wird als Projektionsfläche genutzt.    Foto: Frank Vinken

Duisburg.   Der chinesische Künstler Xu Bing und sein Team haben aus 11 000 Stunden Material eine 81-minütige Liebesgeschichte arrangiert.

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2013 hatte Xu Bing das erste Mal die Idee, einen Film zu produzieren, ohne einen Kameramann los zu schicken. Xu Bing ist einer der profiliertesten Künstler Chinas und war bereits im Rahmen der „China 8“-Ausstellung im Lehmbruck-Museum vertreten. Nun präsentiert er ab Sonntag seinen Film „Dragonfly Eyes“, eine Installation im weitesten Sinne. Xu Bing und sein Team haben Bilder und Sequenzen von Überwachungskameras gesammelt, anschließend 11 000 Stunden Material gesichtet und daraus 81 Minuten verdichtet. Erzählt wird eine klassische Liebesgeschichte.

„Es war ein bisschen ein Kreislauf. Erst hatten wir die Idee, dann haben wir gesammelt, dann haben wir die Geschichte zum Film wieder den Szenen angepasst“, erklärt er das Prozedere. Überwachungskameras seien mittlerweile allgegenwärtig. Nicht nur in China. Von dort stammen etwa 90 Prozent der verwendeten Bilder, der Rest ist von weltweiten Kameras zusammengetragen worden. „Wir sind wie Uber. Uber besitzt kein Auto, aber alle fahren für Uber. Wir hatten keinen Kameramann, aber ganz viele Filmszenen.“ Der Konzeptkünstler wurde 1955 im chinesischen Chongqing geboren. Mit seinen Werken in den Bereich der Druckgrafik, Kalligrafie und Installation erlange er internationales Ansehen. Xu Bing wurde mehrfach ausgezeichnet. „Neben Ai Wei Wei ist er einer der bedeutendsten Künstler Chinas“, lobt Dr. Söke Dinkla, Direktorin des „Lehmbruck“-Museums. Sie erklärt: „Diese Arbeit ist sozusagen hyperrealistisch. Das Internet ist gegenwärtig und es ist schon so ins Bewusstsein gesickert, dass wir Kameras fast nicht mehr wahrnehmen.“

Digitale Technologien als Teil ihrer Arbeit

„Dragonfly Eyes“ ist Teil von „Sculpture 21st“ und eröffnet gleichzeitig eine neue Veranstaltungsreihe namens „Postdigital“, für die das Museum mit der Sparda-Stiftung und der Mercator-Stiftung kooperiert. Digitale Technologien seien für viele Künstler Teil ihrer Arbeit geworden. Ausstellungsbesucher können sich an einen der zahlreichen Laptops setzen und einen Teil der gestreamten Inhalte, auf die auch Xu Bing für sein Kunstprojekt Zugriff hatte, ansehen. Die Scheibe des Ausstellungsraumes wird zudem als Leinwand verwendet.

„Danke für ihre Beharrlichkeit. Ihnen ist es zu verdanken, dass das Lehmbruck-Museum einen gut sichtbaren, freien Zugang hat“, erklärt Kulturdezernent Thomas Krützberg mit Blick auf die Kantpark-Baustelle. Er sei ohnehin ganz angetan von der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit. Es gehe nicht nur um wirtschaftliche Kooperationen, sondern auch um einen durchaus kritischen künstlerischen Austausch. Die Schau findet denn auch in Kooperation mit der Gesellschaft für Deutsch-Chinesischen Kulturellen Austausch statt. Bei „China 8“ hatte Krützberg die Zahl der vielen chinesischen Besucher beeindruckt. „Die dürfen gerne alle ins Museum kommen und sich dann in die Stadt verlieben.“

>>ERÖFFNUNG MIT KÜNSTLERGESPRÄCH

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Sonntag, 10. Juni, um 16 Uhr statt. Oberbürgermeister Sören Link hält ein Grußwort.

Xu Bing und Dr. Söke Dinkla sind im Gespräch mit dem China-Beauftragten der Stadt, Johannes Pflug, außerdem mit Ursula Wißborn von der Sparda-Bank und Prof. Yu Zhang. Moderiert wird das Gespräch von Dr. Bettina Dunker.

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