Prozessauftakt

Trio folterte jungen Duisburger als Rache für Diebstahl

Der Haupteingang des Land- und Amtsgerichts Duisburg am König-Heinrich-Platz.

Der Haupteingang des Land- und Amtsgerichts Duisburg am König-Heinrich-Platz.

Foto: Stephan Eickershoff (Archiv)

Duisburg.   Duisburger (21) stahl Ex-Freundin angeblich 70 Euro. Sie und zwei Komplizen folterten ihn dafür eine Nacht lang. Trio gestand zu Prozessbeginn.

Weil er seiner Ex-Freundin 70 Euro gestohlen haben soll, lockte ihn die 20-Jährige am Abend des 26. Januar 2018 in ihre Wohnung an der Jägerstraße in Hamborn. Dort warteten bereits zwei 19 und 22 Jahre alte Männer. Was folgte, war eine Bestrafungsaktion, die in Folter ausartete. Mehr als sechs Stunden lang wurde der damals 21 Jahre alte Geschädigte gedemütigt, misshandelt und gequält. Die Täter müssen sich seit Donnerstag vor der Jugendkammer des Landgerichts verantworten. Die Anklage wirft ihnen gefährliche Körperverletzung, Nötigung, Freiheitsberaubung und versuchte schwere sexuelle Nötigung vor.

Glaubt man den Angeklagten, so begann die lange Folternacht noch mit einer mehr oder weniger originellen Rache: „Wir haben Gericht gespielt“, berichtete der 19-Jährige. Das unter Alkohol- und Drogeneinfluss stehende Tribunal, bestehend aus den drei Angeklagten, setzte die Strafe sofort um: Der Geschädigte wurde mit einem Schlafanzug seiner Ex verkleidet und musste die Wohnung putzen.

Erschreckende Gewalttätigkeit

Alles andere, was die lange Anklage aufzählt, war dagegen nicht nur keineswegs amüsant, sondern offenbart einen erschreckenden Hang der Angeklagten zu bizarrer Gewalttätigkeit: Der Geschädigte soll mit Fäusten, einer Eisenstange und Kabeln geschlagen worden sein. Er musste bis zum Erbrechen Salz und Pfeffer essen. Ähnlich soll der Magen des 21-Jährigen darauf reagiert haben, dass er einen halben Liter Urin seiner Ex-Freundin trinken musste.

Die Folterer sollen ihrem Opfer zwischenzeitlich Ruhepausen auf dem Bett der Ex gegönnt haben. Doch jedesmal ging die Folter weiter, wurde wieder geschlagen. Der 21-Jährige musste Brausepulver durch die Nase ziehen. Ihm wurde ein Teil der Haare abgeschnitten, eine Zigarette auf seinem Arm ausgedrückt. Nach der Tat landete der junge Mann, der weite Teile der Nacht Todesangst ausstand, für sechs Wochen in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Angeklagte räumten Großteil der Vorwürfe ein

Die Angeklagten bestreiten einzelne Misshandlungen oder wollen sie nicht mitbekommen haben. Übereinstimmend wiesen sie einen Anklagepunkt zurück: Einen sexuellen Übergriff, bei dem versucht worden sein soll, dem Geschädigten einen Stift in den After einzuführen, habe es nicht gegeben.

Während die Angeklagte und der 22-jährige so klug waren, ihre Verteidiger reden zu lassen, versuchte es der 19-Jährige selber. „Mir hat das Spaß gemacht“, meinte er. „Nüchtern hätte ich das aber nie gemacht.“ Und er versteht das Opfer angeblich nicht: „Weil wir so einen Krach gemacht haben, stand doch zwischendrin die Polizei vor der Tür. Warum hat er denn da nicht um Hilfe gerufen, wenn er so eine Todesangst hatte?“

Bis Mitte Mai sind zwei weitere Sitzungstage geplant.

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