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Trendsport: Duisburg vertritt Deutschland bei der Mölkky-WM

Höchste Konzentration: Hanna wirft in Duisburg-Rheinhausen ihren Mölkky auf die 12 Pins, ihr Vater Jochen Peters streamt das Spiel zu Hannas Kontrahentin Lena, die bei der Weltmeisterschaft in ihrer Heimat Polen spielt.

Höchste Konzentration: Hanna wirft in Duisburg-Rheinhausen ihren Mölkky auf die 12 Pins, ihr Vater Jochen Peters streamt das Spiel zu Hannas Kontrahentin Lena, die bei der Weltmeisterschaft in ihrer Heimat Polen spielt.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Drei Duisburger spielen bei der Mölkky-WM für Deutschland. Die Nationalspieler erklären, was das Spiel so faszinierend macht.

„Mölkky“, das klingt wie Knäckebrot, ist aber ein finnisches Geschicklichkeitsspiel, ähnlich dem bekannten „Wikingerschach“. Gespielt wird Mölkky aber auf der ganzen Welt, kein Wunder also, dass es auch in diesem Jahr eine Weltmeisterschaft gibt – oder eher, hätte geben sollen. Wie so viele Veranstaltungen ist auch das Turnier im finnischen Hyvinkaa dem Coronavirus zum Opfer gefallen, die Mölkky-Spieler rund um die Welt wussten sich aber zu helfen – auch in Duisburg.

Per Videochat-Software „Zoom“ spielen die Mölkky-Verrückten aus Deutschland, Frankreich, Nepal oder Hongkong deshalb die WM aus, jeder in seinem Heimatland, im Garten oder im Park. Die „International Mölkky Organisation“ (IMO) hat die WM aufgrund ungleicher Spielverhältnisse zwar nicht als offiziell anerkannt, unterstützt das „Casa Mölkky Tournament“ aber trotzdem. Für Deutschland spielt ein dreiköpfiges Team: Die Familie Peters aus Rheinhausen.

Duisburger Familie ist schon seit Jahren Mölkky-besessen

Jochen Peters, sein Sohn Aaron und seine Tochter Hanna vertreten Deutschland bei der Weltmeisterschaft, Hanna beginnt auf dem Sportplatz der Versehrtensportgemeinschaft Rheinhausen gerade ihr Spiel gegen Lena aus Polen. Vater Jochen erklärt derweil die Regeln – und auch, warum das Suchtpotenzial der Sportart so hoch ist: „Die ganze Familie ist seit einer Feier vor fünf Jahren ganz besessen von dem Spiel.“

„Man wirft mit dem Wurfstab, dem namensgebenden Mölkky, aus 3,50 Metern Entfernung auf zwölf Pins, die von eins bis 12 durchnummeriert sind“, sagt Peters. Trifft der Spieler einen Pin, kassiert er die aufgedruckte Punktzahl, triff er mehrere, bekommt er die Anzahl der umgestürzten Pins als Punkte gutgeschrieben. „Ziel ist es, genau 50 Punkte zu machen, wer aus Versehen mehr Punkte erzielt, wird auf 25 zurückgesetzt“, so Peters, „wer dreimal hintereinander keinen Pin umwirft, verliert das Spiel automatisch.“

Nach jedem Wurf werden die Pins genau dort wieder aufgestellt, wo sie zum Liegen gekommen sind – nicht selten stehen einige Pins am Spielende deshalb an der Zehn-Meter-Linie, dem hinteren Ende des Spielfelds.

Coronapandemie erschwert das Mölkky-Spiel – aber macht es nicht unmöglich

Aber wie sollen die Kontrahenten abwechselnd auf die Pins werfen, wenn eine Spielerin in Rheinhausen und die andere in Polen lebt? „Ganz einfach“, erklärt Aaron, „wir filmen nach jedem Wurf das Spielfeld, in Polen baut Lena ihre Pins genau so auf, dann passiert das ganze umgekehrt.“ Aarons Schwester Hanna verliert ihr Spiel dann ganz knapp, beim Stand von 41 zu 41 trifft die polnische Gegnerin den Pin mit der Neun. Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht, jede Partie besteht aus zwei Sätzen, und gleich nach dem Duell Polen-Deutschland steht Aaron Peters nächstes Spiel an.

Die Stimmung in Rheinhausen und in Polen ist ausgelassen, geradezu euphorisch, hüben wie drüben ist die Begeisterung für das simple Spiel spürbar – und spürbar wichtiger als der Erfolgsgedanke. Ein Glück also, dass die Mölkky-WM noch lange nicht vorbei ist.

„Die Gruppenphase dauert bis Ende Juli“, weiß Jochen Peters, Mitte oder Ende August könnte dann das Finale steigen. Gewonnen haben dann sicherlich alle Teilnehmer der WM, denn „wann hat man schon mal die Chance, gegen Menschen aus Nepal oder Japan zu spielen?“, lacht Jochen Peters.

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