Kita-Gebühren

Träger: Kita muss Pflicht und Schule gleichgestellt sein

Foto: Friso Gentsch

Duisburg.   Die Kita-Träger in Duisburg loben das zweite beitragsfreie Kita-Jahr, mahnen aber: Auch in Personal investieren und Kita verpflichtend gestalten.

Die von der NRW-Landesregierung angekündigte Einführung eines zweiten beitragsfreien Kindergartenjahres ab 2020 begrüßen die Duisburger Kita-Träger und Jugenddezernent Thomas Krützberg als wichtige finanzielle Entlastung für Familien. Sie mahnen aber auch weitere Investitionen in Ausstattung und Personal der Einrichtungen an. Vernehmbar ist auch die Forderung, die Beitragsfreiheit mit einer Kita-Pflicht zu verbinden.

Kita ist keine Verwahranstalt

„Das ist logisch, denn die Kita ist keine Verwahranstalt. Sie leistet wichtige vorschulische Bildungsarbeit“, betont Stephan Kiepe-Fahrenholz, der Diakonie und ev. Kirche im Jugendhilfeausschuss vertritt. „Politisches Ziel muss es sein, die Kita der Schule gleichzustellen.“

Eine Kita-Pflicht würde Thomas Krützberg erst bei gänzlichem Verzicht auf Gebühren einfordern, familienpolitisch sei das kostenlose zweite Jahr aber „ein großer Schluck aus der Pulle“, sagt der Beigeordnete. Er geht davon aus, dass der Stadt, wie schon bei der Gebührenbefreiung für das letzte Kitajahr, der Einnahmeausfall erstattet wird. Auch die angekündigte Absenkung des Trägeranteils von 12 auf 10,7 Prozent begrüßt der Dezernent. Weitere Entlastungen für Stadt und freie Träger könnte die stärkere Beteiligung von Bund und Land an den Ausbaukosten und an der Finanzierung zusätzlichen Personals bringen. „Diese Ankündigungen müssen aber noch konkretisiert werden“, so Krützberg. Die Stadt selbst werde zwar weitere Betreuungskräfte bauen, plane aber keine weiteren Neubauten. Er gehe aber davon aus, dass die freien Träger ihre Kapazitäten noch erweitern werden, so der Dezernent.

Kath. Kita-Zweckverband ist zwiegespalten

Mirja Wolfs, kommissarische Geschäftsführerin des Kita-Zweckverbundes im Bistum Essen, ist zwiegespalten angesichts der Ankündigungen: „Wir sind dankbar für jeden Euro, der ins Kita-System gesteckt wird.“ Dass die Eltern durch das zweite beitragsfreie Jahr unterstützt werden, sei erfreulich. Allerdings bleibe abzuwarten, inwieweit die Träger tatsächlich entlastet werden. Ob die versprochene dauerhafte auskömmliche Finanzierung umgesetzt werden kann, sei nicht abzusehen. Der Kita Zweckverband betreibt in Duisburg 30 Kindergärten mit insgesamt 1800 Plätzen und 320 Mitarbeitern.

Mehr Investitionen ins System wünscht sich Marcel Fischell, Leiter des Evangelischen Bildungswerkes Duisburg, das Trägerin von derzeit 12 evangelischen Kitas & Familienzentren ist. „Nur, wenn der Staat für eine auskömmliche Finanzierung sorgt, dann können wir auch unserem Bildungsauftrag besser nachkommen“, sagt er. Das zweite beitragsfreie Jahr entlaste zwar die Eltern, bleibe für die Träger aber ein Nullsummenspiel. „Man kann das Geld nur einmal ausgeben“, sagt Stephan Kiepe-Fahrenholz.

Nicht Betreuungsleistung, sondern Bildung

  • „Wir wollen als Träger in unseren Kitas keine Betreuungsleistung erbringen, sondern Bildung vermitteln“, betont Marcel Fischell. Es dürfe deshalb keine Kunde-Dienstleister-Verhältnis zu den Eltern geben.

  • Nur eine auskömmliche Finanzierung versetze die Träger in die Lage, ihrem Auftrag auch zur Zufriedenheit der Eltern nachzukommen, so der Leiter des Ev. Bildungswerks: „Wir wollen durch Qualität überzeugen.“

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