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Telekom lässt neuen Bücherschrank in Duisburg abreißen

Melanie Maurer vor ihrer Bücherzelle. Kurz nachdem die Duisburgerin das Häuschen umfunktioniert hatte, meldete sich schon die Telekom bei ihr. Die schlechte Nachricht: Die Zelle muss weg.

Melanie Maurer vor ihrer Bücherzelle. Kurz nachdem die Duisburgerin das Häuschen umfunktioniert hatte, meldete sich schon die Telekom bei ihr. Die schlechte Nachricht: Die Zelle muss weg.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg-Großenbaum.  Im Februar eröffnete eine Anwohnerin einen Bücherschrank in einer alten Telefonzelle. Nun wird sie abgerissen. Ganz legal war der Lesespaß nicht.

Mehr als ein Jahr lang stand sie leer, die ausgediente Telefonzelle am Walderbenweg. Dann verwandelte Anwohnerin Melanie Maurer sie in einen Bücherschrank: Sie säuberte sie, installierte ein Bücherregal und füllte es mit Lesestoff. Doch jetzt ist Schluss mit Lesen: Ab Donnerstag wird die Telefonzelle abgerissen.

Kurz nachdem Maurer im Februar die ersten Bücher auf einem Regal im Inneren des Fernsprechers drapiert hatte, meldete sich schon die Telekom bei ihr und erklärte, dass die Zelle bald abgerissen werde. Eine Galgenfrist für den privaten Bücherschrank, die jetzt abgelaufen ist. „Ich hatte gehofft, die Telekom hätte es vergessen“, sagt Maurer.

Telekom: Die Telefonzelle mus weg – wegen Verletzungsgefahr

Hat sie aber nicht: „Die Arbeiten erledigen externe Auftragnehmer. Die bekommen ein Zeitfenster von ein paar Monaten, das zu erledigen. Und beginnen können sie erst, wenn der Energieversorger den Strom gekappt hat“, erklärt Telekomsprecher George McKinney die Verzögerung. „Dass wir die Telefonzelle abbauen müssen, hat einfach Haftungsgründe, weil vorher eine Verletzungsgefahr besteht“, sagt er.

„Ein Witz“, findet Maurer. „Vorher stand die Zelle ja auch leer und man hätte sich verletzen können“, sagt sie. Die Anwohnerin bedauert den Abriss ihres Bücherschranks. „Der wird gut genutzt und es gab auch keine Probleme mit Vandalismus.“

Die Telefonzelle müsste von Duisburg nach Potsdam und zurück transportiert werden

Eine ausgediente Telefonzelle in einen Bücherschrank oder in etwas Anderes zu verwandeln, ist in Deutschland nicht so einfach möglich. Die Zellen werden von der Telekom erst in ein Zentrallager nach Michendorf bei Potsdam gebracht. Dort können die ausrangierten Zellen gekauft werden. Das Häuschen selbst, der Transport von dort zum Zielort – in diesem Fall also von Duisburg nach Michendorf und zurück – sowie der Bau eines stabilen Betonfundaments kosten jedoch rund 1000 Euro. „Die werde ich auf gar keinen Fall bezahlen“, stellt Maurer klar.

Offizielle Bücherschränke werden in Duisburg unter anderem durch die Bürgerstiftung betrieben. Sie kauft die Telefonzelle – meist mit Spendengeldern – und stellt sie an verschiedenen Plätzen in der Stadt auf. Die Bürgerstiftung war für Maurer jedoch keine Hilfe: „Die haben gesagt, die Bücherzelle sei illegal, das würden sie nicht unterstützen. Nach den Berichten haben sie dann eine Spendenaktion gestartet. Die macht aber wenig Sinn. Das Geld fehlt in Duisburg an allen Ecken und Enden, da sollen die Leute lieber für was Anderes spenden“, ärgert sie sich. „Zumal die Bürgerstiftung, kurz nachdem meine Bücherzelle eröffnet wurde, eine eigene am Großenbaumer Bahnhof eingerichtet hat.“

Bürgerstiftung Duisburg bietet Unterstützung an

Mangelnde Unterstützung durch die Bürgerstiftung weist Pressesprecherin Ariela Cataloluk zurück. „Die Telekom ist zum Rückbau alter Zellen verpflichtet, das liegt nicht in unserer Hand. Wir kennen das Prozedere nach 15 erfolgreich aufgestellten Lesezellen inzwischen gut“, sagt sie. Mit der Eröffnung der Bücherzelle am Bahnhof habe dies nichts zu tun. „Das war schon lange vorher geplant.“ Die Resonanz der Spendenaktion für die Bücherzelle am Walderbenweg sei eher mäßig: „Da sind bisher gerade mal 40 Euro zusammen gekommen“, sagt Cataloluk und bietet der Anwohnerin weiter Unterstützung an. „Wenn es uns möglich ist, den Bücherschrank aufzubauen und Interesse besteht, kann Frau Maurer sich gerne weiter darum kümmern. Die Bücher aus dem Walderbenweg können bis dahin gern Platz in unserer DU liest!-Station in der Königsgalerie finden, das ist die zentrale Anlaufstelle für größere Buchspenden.“

Diese Möglichkeit will Melanie Maurer in Betracht ziehen. Zum Ausräumen des Bücherschranks ist sie bisher nicht gekommen. „Die Großenbaumer können sich bis Mittwoch daher gerne noch Bücher mitnehmen“, sagt sie. Eine neue Bücherzelle will sie nicht betreiben: „Wenn am Bahnhof schon eine steht, macht das ja wenig Sinn“, meint sie. Damit ist die Bücherzelle am Walderbenweg nach ihrem Abriss wohl endgültig Geschichte.

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