MUSICAL

TaM in Duisburg setzt wieder auf lange Musical-Laufzeiten

Wolfgang DeMarco, künstlerischer Direktor im TaM,

Wolfgang DeMarco, künstlerischer Direktor im TaM,

Foto: Lars Fröhlich

dUISBURG:  Am 14. November feiert „Wallace“ Weltpremiere im Theater am Marientor. Mindestens sechs Monate soll die Eigenproduktion in Duisburg laufen.

„Das Interesse an Musicals ist nicht erlahmt“, sagt Wolfgang DeMarco, künstlerischer Direktor im Theater am Marientor. Aber angesichts der zahlreichen Compilation-Musicals, die meist nur die Hits bekannter Künstler oder Bands durch eine dünne Rahmenhandlung verbinden, ändere sich seit einiger Zeit wieder die Einstellung der Besucher zum Genre. „Die Menschen sehnen sich wieder mehr danach, neue Geschichen auf der Bühne erzählt zu bekommen“, ist De Marco überzeugt. Und just eine solche will er dem Publikum bieten mit der Eigenproduktion „Wallace“, die am 14. November dieses Jahres Welturaufführung im TaM feiert (wir berichteten.)

Schottischer Freiheitskämpfer wird Musical-Held

Neu ist die Geschichte des schottischen Freiheitskämpfers William Wallace, der als „Braveheart“ in Mel Gibsons gleichnamigem Film auch hierzulande Berühmtheit erlangte, als Musical schon. Die Idee dazu ist indes nicht mehr taufrisch. Die hatte Mittelalter-Fans Wolfgang DeMarco schon vor vielen Jahren. Doch der erste Umsetzungsversuch als Tourproduktion scheiterte 2007 an den Finanzen, nachdem ein Veranstalter kurzfristig abgesprungen war. „Das konnte ich privat mit meiner kleinen Firma damals nicht allein stemmen“, sagt DeMarco.

Jetzt übernehme die TaM-Betriebsgesellschaft die Kosten der Eigenproduktion, für die ab 18. März die Auditions beginnen. Gecastet für die 32 Rollen, die zu besetzen sind, wird in Stuttgart, Wien, Hamburg und Duisburg. Ab dem 15. September bis 8. November wird geprobt. Und obwohl es eine Weltpremiere ist, verspricht DeMarco Previews. „Wir wollen nicht, dass die Leute die Katze im Sack kaufen.“

Familientaugliche Bilder

Ein Musical für die ganze Familie soll es werden, sagt DeMarco „mit Überzeugung“ und wohl wissend, dass der schottische Held ein höchst unschönes Ende nahm.

„Wie wollt ihr denn die Vierteilung von Wallace familientauglich darstellen?“ Diese Frage, die er bereits öfters gehört hat, ficht DeMarco nicht an. „Eines der erfolgreichsten Musicals spielt während des Vietnamkriegs“, verweist er auf „Miss Saigon“. „Auch wir werden Bilder zeichnen, bei denen die Erwachsenen nicht zu fürchten brauchen, dass die Kinder ihre Augen zumachen müssen.“

Intrigen, Verrat und große Gefühle

Im Gegensatz zum Film „Braveheart“, der „vom martialischen Tun und Treiben der Kriegsparteien“ lebe, betrachte das Musical eher das höfische System zur Zeit des englischen Königs Edward I. um die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert.

„Mein Leben löscht ihr aus, aber nicht meinen Geist. Um diese Kernaussage von Wallace geht es uns“, sagt DeMarco. „Dabei wollen wir so nah wie möglich an der historischen Wahrheit bleiben, und die Geschichte so erzählen, wie sie sich zugetragen zu haben scheint.“ Dazu gehören nicht nur Intrigen und Verrat. DeMarco: „Was wäre so eine Geschichte ohne ganz große Gefühle?“ Die hegen Margarethe, die Halbschwester des französischen Königs Philipp IV. , und Wallace füreinander, aber Margarethe muss aus politischen Gründen Edward I. ehelichen. So nimmt das Drama seinen Lauf.

Tanztage bleiben im TaM

DeMarco sieht diese seine Lesart der Wallace-Geschichte durch jüngste Forschungen gestützt: „Vor wenigen Jahren haben Historiker festgestellt, dass die Liebesgeschichte stimmt.“ Den Besuchern dürfte die historische Genauigkeit relativ egal sein. Sie schätzen eher Anderes, wie DeMarco meint: „Jedes Theater, das den Mut hat, neue Geschichten auf die Bühne zu stellen, wird vom Publikum belohnt, wenn die Qualität stimmt.“

Bei „Wallace“ sollte sie stimmen, denn das Musical soll auf die Dauer von mindestens sechs Monaten sechs Mal die Woche über die Bühne gehen. Montag und Dienstag bleiben weiterhin Einzelveranstaltungen im TaM vorbehalten. Auch die Duisburger Tanztage müssen der Umstellung auf den Musical-Dauerbetrieb nicht weichen. DeMarco: „Die Tanztage gehören ins TaM. Da fühlen wir uns der Stadt gegenüber verpflichtet.“

TaM präsentiert Klassiker „Jesus Christ“ im April

Vom 12. bis 22. April steht Andrew Lloyd Webbers Klassiker „Jesus Christ – Superstar“ als erste Eigenproduktion auf dem Spielplan im TaM. Die Rockoper wird konzertant aufgeführt, ohne großes Bühnenbild. Die 13 Musiker der Kölner Symphoniker, die unter der Leitung von Inga Hilsberg spielen, sitzen mit auf der Bühne. Zu erleben sind Patrick Stanke als Jesus, Dionne Wudu als Maria Magdalena, Andrea Matthias Pagani als Judas, Csaba Markovits als Kaiaphas und Ralf Morgenstern als Herodes. Auch bei der zweiten Eigenproduktion – „Wallace“ – wird die Musik live von einem Orchester eingespielt, das aber in dem dafür vorgesehenen Graben spielt. Der Vorverkauf ist bereits gestartet. Karten gibt es bei den bekannten Vorverkaufsstellen.

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