Integration

Syrer findet trotz guter Ausbildung keinen Job in Duisburg

Inge Irle und Shalan Alamad Alsaid haben drei Jahre gemeinsam Deutsch gelernt. Mittlerweile hat er das Sprachniveau C1 erreicht.

Inge Irle und Shalan Alamad Alsaid haben drei Jahre gemeinsam Deutsch gelernt. Mittlerweile hat er das Sprachniveau C1 erreicht.

Foto: Fabian Strauch / Fabian Strauch / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Shalan Alhamad Alsaid ist IT-Ingenieur, hat ein anerkanntes Studium und arbeitet ehrenamtlich. Mit einem Job hat es bisher aber nicht geklappt.

Shalan Alahmad Alsaid hat einen Lebenslauf, der sich sehen lassen kann. Er hat ein abgeschlossenes IT-Studium, Berufserfahrung und Praktika, dazu übt er mehrere ehrenamtliche Tätigkeiten aus. Und trotzdem will es für den Duisburger bisher nicht mit einem Job klappen. Dabei will der syrische Flüchtling nur eines: Endlich in Deutschland ankommen und etwas zurückgeben.

„Ich möchte endlich helfen und auch Steuern bezahlen“, sagt Alsaid. Bisher wird er aber ausgebremst. Er hat einen in Deutschland anerkannten Bachelor in Informatik und den Master in Programmierung abgeschlossen. Dann wird der Lebenslauf aber durchkreuzt. Vom Krieg in Syrien.

Fehlender Führerschein als Grund?

Tagelang schlägt er sich per Boot und Bus bis nach Deutschland durch. Seine Familie und er waren in seiner Heimat nicht mehr sicher. „Wir schneiden deinen Kopf ab, wenn du nicht für uns arbeitest“, habe ihm die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gedroht. Den fanatischen Islamisten waren die IT-Kenntnisse des 30-Jährigen nicht entgangen. In einer Nacht- und Nebelaktion erfolgte die Flucht.

In Duisburg sollte es beruflich für ihn weitergehen. Zwar wurde er schon zu Vorstellungsgesprächen eingeladen, aber gereicht hat es bisher noch nicht. Woran liegt es? „Vielleicht weil ich keinen Führerschein habe“, zumindest wurde ihm das oft mitgeteilt. Die theoretische Prüfung hat er bereits bestanden, für die praktische fehlt ihm aber das Geld.

Mehrere ehrenamtliche Tätigkeiten

„An der Motivation scheitert es nicht“, sagt Michael Pfeifer vom Jobcenter Duisburg. Dass zeigen auch seine ehrenamtlichen Tätigkeiten. Seit zwei Jahren arbeitet er für die Bahnhofsmission. Jeden Samstag hilft er dann Bedürftigen bei Ein- und Ausstiegen oder trägt das Gepäck.

Die blaue Weste der Bahnhofsmission hat er auch schon gegen einen Rettungsring getauscht. Sechs Monate stand er als Rettungsschwimmer im Allwetterbad Walsum am Beckenrand. Im AWO-Seniorenzentrum macht er mit den Bewohnern Sport und Gymnastik. Alles ehrenamtlich und mit einem Ziel: „Ich mache die Jobs, um besser Deutsch zu lernen.“

Fehlende Berufserfahrung für das Jobcenter der Grund

Doch auch die Sprache stehe bei dem 30-Jährigen nicht im Weg, wie das Jobcenter auf Nachfrage bestätigt. Deutsch spricht er auf C1-Niveau. „Die fehlende Berufserfahrung ist das große Problem“, sagt Michael Pfeifer. Als Java-Entwickler konnte der Duisburger zwar schon Erfahrung sammeln. Aber das reiche nicht, gerade weil die Anerkennung des Masterstudiums noch aussteht.

An der Zulassung arbeitet der 30-Jährige. Auch an seiner fehlenden Erfahrung. Zuletzt bei einem sechsmonatigen Praktikum als Software-Entwickler. Unvergütet. „Mit viel Engagement“ und „zu unserer vollständigen Zufriedenheit“ habe der Duisburger seine Aufgaben erledigt, heißt es in der Beurteilung. Doch die fehlende Auftragslage habe eine weitere Beschäftigung verhindert.

Mit einer Lehrerin drei Jahre Deutsch gelernt

Dabei will Alsaid endlich arbeiten und in Duisburg ankommen, in der Stadt in der er sich sehr wohl fühlt. „Hier gibt es nicht nur geradlinige Menschen und wir haben viel Kultur.“ Von unüberlegten und undifferenzierten Bewerbungen auf Hilfstätigkeiten rät das Jobcenter aber ab. „Er muss sich weiter beharrlich bewerben, zielgerichtet im allgemeinen IT-Bereich.“

„Immer wieder diesen Misserfolg erleben und die Ablehnung – das ist nicht einfach“, sagt Inge Irle, die mit Alsaid regelmäßig deutsch gelernt hat. Warum es bisher nicht mit einer Anstellung klappt, kann die pensionierte Grundschullehrerin nicht verstehen. „Er ist immer freundlich und höflich.“ Laut einer Studie dauert es im Schnitt 132 Tage, bis eine freie Stelle im IT-Bereich mit einem geeigneten Bewerber besetzt ist. Seit 1315 Tagen ist Alsaid in Deutschland.

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