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Zu langsames Internet im Gewerbegebiet in Duisburg-Süd

Verschiedene LAN-Kabel in einem Router: Die Firma B-B Systemtechnik hat Probleme mit dem Internet.

Verschiedene LAN-Kabel in einem Router: Die Firma B-B Systemtechnik hat Probleme mit dem Internet.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Duisburg-Großenbaum.  Firmen lassen Downloads über Nacht laufen, weil die Geschwindigkeit nur 7 Mbit/s beträgt. Sogar in Slowenien ist das Internet schneller.

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Es läuft die 90. Minute im Derby und der haushoch überlegende Gast bekommt einen Elfmeter: Der Schiedsrichter pfeift – und der Stream bricht wegen der schlechten Internetverbindung zusammen. Langsames Internet ist nervig. Doch die Mitarbeiter von B-B Systemtechnik schauen in der Firma eher selten Fußball. Sie bräuchten schnelles Internet zum Arbeiten. Doch damit ist es in der Straße Am Handwerkshof nicht weit her.

„Sechs bis sieben Megabits pro Sekunde beträgt die Download-Geschwindigkeit hier, eigentlich müssten es bis zu 16 sein. Bei Uploads sind es 0,6 statt zwei bis drei Megabits pro Sekunde – damit kann man nicht arbeiten“, stellt Geschäftsführer Dirk Bonrath klar. „Brauchen würden wir eigentlich eine Geschwindigkeit von mindestens 50 Mbits, aber die gibt es hier nicht.“

Internet in Slowenien schneller als in Großenbaum

B-B Systemtechnik produziert Scheibenwischeranlagen für seine Kunden aus aller Welt. „Wir bekommen einen Plan zugeschickt und nach dem stellen wir dann die Scheibenwischer her. Diese Pläne sind aber Datenpakete, die oft mehrere Gigabyte groß sind. Wir laden die Dateien meist über Nacht runter, damit wir morgens damit arbeiten können“, erzählt Bonrath, der auch eine zynische Anekdote zum Thema beizutragen hat: „Das habe ich mal einem Kunden aus Slowenien erzählt, der hat sich kaputt gelacht und konnte es gar nicht glauben, dass unser Internet hier so schlecht ist.“

Um dem Problem beizukommen, habe B-B Systemtechnik einen zweiten, zusätzlichen Telefonanschluss gekauft. „Wenn man im Internet war und jemand anders telefonierte, ging gar nichts mehr. Die Telefonverbindung war total abgehackt“, erinnert sich Bonrath. „Deswegen haben wir jetzt über den einen Anbieter den Internetzugang und über den zweiten telefonieren wir.“

500 Euro für einen eigenen Glasfaseranschluss – im Monat

Bereits im Sommer vorigen Jahres hatte sich das Unternehmen an die Stadt gewandt, von der er den Einbau einer schnelleren Leitung forderte. Geschehen ist nichts. „Wir haben uns auch bei unseren Anbietern erkundigt, ob sie für uns ein eigenes Glasfaserkabel einbauen würden. Das hätte aber 500 Euro im Monat gekostet und das über eine vertragliche Laufzeit von fünf Jahren. Das ist für ein Unternehmen wie uns nicht machbar“, so Bonrath. „Jetzt haben wir einen sogenannten Cube, der geht über das LTE-Netz ins Internet. Natürlich geht auch das ins Geld und ist nur eine Übergangslösung.“

Auch die Nachbarn Am Handwerkshof haben Probleme mit dem Internet: Neben dem Zahntechnik-Unternehmen Hager Werken klagt auch die Bäckerei Bolten über Engpässe im Netz. „Bei uns geht nix“, sagt Geschäftsführer Tim Schenkel-Bolten. „Wir haben ebenfalls bei den Telekommunikationsunternehmen nach einem Glasfaseranschluss gefragt, die forderten aber horrende Summen. Wir nutzen auch einen Cube, aber dessen Datenvolumen ist ja auch irgendwann aufgebraucht“, sagt er. Bolten wickelt einen Teil seiner Unternehmenskommunikation über das Internet ab. „Das ist aber schwierig, ebenso wie die Fernwartung der Homepage“, sagt er.

Stadtsprecher: 95 Prozent aller Anschlüsse haben bereits mindestens 30 Mbit/s

Die Stadt Duisburg spricht von einer weitgehend flächendeckenden Internetversorgung bei Haushalten und Gewerbetreibenden. „Es gibt nur vereinzelte weiße Flecken der Versorgung im Stadtgebiet, in denen nur eine geringe Bandbreite zur Verfügung steht“, teilt Stadtsprecher Falko Firlus mit. Bereits vor drei Jahren hätten 95 Prozent aller Anschlüsse über eine Geschwindigkeit von mehr als 30 Mbit/s verfügt.

Die Investitionskosten für einen eigenmächtigen Ausbau von Glasfaserkabeln lägen im fünfstelligen Bereich und seien für die Stadt damit zu teuer, so Firlus weiter. „Um derartige Investitionen darzustellen, ist das Interesse mehrerer Gewerbetreibender notwendig. Letztendlich hat aber nur ein Unternehmen Interesse bekundet, so dass ein Ausbau nicht darstellbar war.“ Das heißt: Für Telekommunikationsunternehmen lohnt sich der Ausbau am Handwerkshof nicht.

Bis 2020 soll die Breitbandversorgung zwischen 80 und 100 Mbit/s liegen

Die Stadt plane dennoch, diesen voran zu treiben. Bis Ende 2020 sollen mehr als 90 Prozent der Haushalte und Gewerbebetriebe in der Breitbandversorgung zwischen 80 und 100 Mbit/s liegen. Dazu wurden 18 Millionen Euro an Fördermitteln von Bund und Land bewilligt. 2022 soll der Glasfaserausbau in der Stadt abgeschlossen sein. Damit würde auch der Handwerkshof nicht mehr als unterversorgt gelten.

Diese Daten stammen allerdings von Mitte letzten Jahres. Wie weit der Ausbau bereits vorangeschritten ist und ob dieses Ziel haltbar ist, sagte Firlus nicht. Ob der Ausbau am Handwerkshof überhaupt machbar ist, steht allerdings noch nicht fest. Auch dieser würde frühestens im Laufe des kommenden Jahres erfolgen.

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