Tag der offenen Baustelle

Zu Besuch beim Riesenbohrer auf der Deich-Baustelle

Lina Diefenbacher von den Wirtschaftsbetrieben erklärt den Besuchern auf der Baustelle, wie der imposante Bohrer funktioniert.

Lina Diefenbacher von den Wirtschaftsbetrieben erklärt den Besuchern auf der Baustelle, wie der imposante Bohrer funktioniert.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Duisburg-Mündelheim.  Nahe der B 288 in Mündelheim steht ein auffälliger Bohrer. Mit seiner Hilfe wird eine unterirdische Schutzwand im Boden errichtet.

Ähnlich wie ein gigantischer Backmixer funktioniert der etwa 20 Meter hohe Dreifach-Bohrer auf dem Rheinvorland in Mündelheim, der an diesem Samstag außer Betrieb ist. Der „Tag der offenen Baustelle“ lockt viele Besucher zu dem dritten Abschnitt des neu entstehenden Rheindeichs nördlich der Bundesstraße 288, darunter vor allem Anwohner.

Dort wird derzeit eine Dichtwand zum Schutz des Ortes errichtet – eine unterirdische Wand im Boden. Im Fall von Hochwasser soll der 1,6 Kilometer lange und etwa 60 Zentimeter breite Schutzwall die Anwohner vor dem hochdrückenden Grundwasser und überfluteten Kellern bewahren. Bei den Arbeiten kommt dann der riesige Dreifach-Bohrer ins Spiel, der eine spezielle Materialmischung für die Dichtwand in die Erde pumpt und dort vermischt.

20 Meter tiefe Löcher

„Das ist eigentlich das gleiche Prinzip wie beim Backen“, erklärt Lina Diefenbacher von der Abteilung Hochwasserschutz/Gewässer der Duisburger Wirtschaftsbetriebe (WBD) einigen Besuchern mitten auf der Baustelle. Die drei Schrauben, die „Schnecken“ genannt werden, bohren zunächst mehrere Löcher zwischen neun und 20 Meter tief in die Erde und drehen sich dabei in die gleiche Richtung. Dann wird ein Mix aus Wasser, Betonit und Zement über die Bohrköpfe hinterher gepumpt, die Schrauben laufen dann gegengleich. „Man vermischt quasi den Teig im Boden. Das ist genial“, erklärt Lina Diefenbacher.

Der Boden ist hart wie Beton

Für die ersten sechs Meter Dichtwand seien rund sechs Kubikmeter Mischung verwendet worden. 15 Meter am Tag schafft das Essener Team der beauftragten bayrischen Firma Bauer Spezialtiefbau unter der Leitung von Moritz Hahn. „Von wo wird die Maschine aus gesteuert?“, will Claus Loch aus Mündelheim wissen, der bereits mehrere Vorträge zu dem Deich-Bauvorhaben besucht hat. Diefenbacher zeigt auf das an den Bohrer grenzende Cockpit, dessen Scheiben mit Schlamm beschmiert sind. Von dort aus ist ein Mitarbeiter für den Betrieb verantwortlich.

Vor dem Gerät sind mehrere große Erdhaufen aufgeschüttet – der Oberboden des alten Deichs, der zuerst abgetragen werden muss, um die Dichtwand überhaupt erst errichten zu können. Der Oberboden sei im Moment „staubtrocken und so hart wie Beton“ und müsse aufbewahrt werden, erklärt Diefenbacher: „Der wird später wieder für den Deich benötigt“.

Kritischer Blick auf den Deichbau

Trotz Regentropfen am Vormittag kommen immer wieder Besucher am Ende der Baustraße vorbei. Eine von ihnen ist Dunja Jaeger, die sich mit ihren Kindern und dem Vater ein Bild aus unmittelbarer Nähe machen möchte. „Ich finde das spannend. Sonst sieht man die Baustelle nur von hinten“, erzählt die Mündelheimerin. Ein anderer Besucher sieht den Neubau des Deichs eher kritisch: „Der Rhein ist so schnell fließend, der wird mit Hochwasser dreimal fertig“.

>>> INFOS ZUM DEICHBAU

Die Arbeiten des dritten Bauabschnitts des neuen Rheindeichs in Mündelheim haben bereits im Juli begonnen. Vor dem Neubau des Schutzdammes muss der alte Deich unter anderem auch nach Kampfmitteln untersucht werden. Ziel dieser Arbeiten ist es, den Rhein rückzuverlegen, um dem Fluss bei Hochwasser mehr Raum zu geben.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben