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Wo die Eisenbahngleise im Nirgendwo enden

Gleisbauer im Ausbildungswerk der Bahn,am 29.01.2018 in Duisburg-Wedau auf der Masurenallee. Azubis beim Gleisbau. Foto: Udo Gottschalk / FUNKE Foto Services

Foto: Udo Gottschalk

Gleisbauer im Ausbildungswerk der Bahn,am 29.01.2018 in Duisburg-Wedau auf der Masurenallee. Azubis beim Gleisbau. Foto: Udo Gottschalk / FUNKE Foto Services Foto: Udo Gottschalk

Duisburg-Wedau.   In der Ausbildungswerkstatt von DB-Training in Wedau lernen 120 angehende Gleisbauer. Die Schienen müssen millimetergenau verlegt werden.

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Wedau und die Eisenbahn – zwei, die zusammen gehören. Zwar wurde 2004 das große Ausbesserungswerk geschlossen. Doch die Bahn ist immer noch präsent – auch als Arbeitgeber. An der Masurenallee 431 steht das Ausbildungswerk von DB-Training – das größte von insgesamt vieren im gesamten Bundesgebiet. In Wedau werden 120 angehende Gleisbauer ausgebildet. Die Jungs lernen hier, wie man Gleise verlegt – und noch viel mehr.

Draußen, in Sichtweite der Entenfang-Brücke, befindet sich das Übungsgelände: mit einem Riesen-Sandkasten, wo die Auszubildenden lernen, Pflaster zu verlegen. Und mit zahlreichen Gleisen und Weichen, die alle im Nirgendwo enden. Hier lernen die Gleisbauer in spe, wie man Schienen und Schwellen auswechselt und neu verlegt.

Eisenbahner in dritter Generation

Martin Gläser übt gerade mit zwei weiteren Azubis, wie man eine Schwelle korrekt ins Gleisbett setzt. Der junge Wedauer kommt aus einer Eisenbahner-Familie. Der Vater war bei der Bahn und der Opa auch, als Technischer Zeichner. Martin hat zwischendurch mal überlegt, zur Bundeswehr zu gehen. Er entschied sich dann doch, die Familientradition fortzusetzen.

Ein Arbeitsplatz ist ihm wohl sicher. Die Bahn bildet für den eigenen Bedarf aus, denn Gleisbauer werden gesucht. „Wir haben eine Übernahme-Garantie“, sagt Armin Rodenbach, Leiter der Ausbildungswerkstatt. Auch er ist Wedauer und Eisenbahner in zweiter Generation.

Der Untergrund muss stabil sein - schließlich fahren Zug mit 300 km/h darüber

Gleise halten im Schnitt 20 Jahre – bei starker Belastung müssen sie auch früher ausgebessert oder getauscht werden. Denn sind die Gleise abgenutzt, rollt der Zug nicht mehr gleichmäßig. Im schlimmsten Fall entgleist er. Damit dies nicht geschieht, wird das Schienennetz permanent überprüft - von Inspektoren und mit Messzügen, wenn nötig auch mit Ultraschall.

Worauf kommt‘s beim Gleisbau an? Rodenbach: „Die Schienen müssen auf den Millimeter genau gelegt werden. Und natürlich muss der Untergrund stabil sein. Schließlich fährt der Zug mit bis zu 300 Stundenkilometern darüber.“

Das Ausbildungswerk auf dem Gelände an der Masurenallee, wo früher Verwaltung und Lager von DB-Bahnbau war, gibt es seit 2009. „Davor wurden die Gleisbauer nur in Hamburg oder Nürnberg ausgebildet“, sagt Beate Mehnert, Arbeitsgebietsleiterin der Berufsausbildung in der Region West.

„Wir müssen Termine einhalten. Denn für Gleisarbeiten werden die Strecken gesperrt.“

Gleisbau ist ein Männersache. „Das ist nichts für Frauen. Da muss man manchmal ganz schön schleppen“, meint Mehmet Gümgüs, der auch im tiefsten Winter im T-Shirt (ohne Jacke) arbeitet: „Nach ein paar Schlägen mit dem Vorschlaghammer wird einem automatisch warm“, grinst der junge Mann.

Gearbeitet wird bei Wind und Wetter. „Wir müssen die Termine einhalten. Denn für die Gleisarbeiten müssen die Strecken gesperrt“, sagt Rodenbach.

Abbrecherquote ist verschwindend gering

An der Masurenallee lernt man nicht nur, Gleise, Weichen und Schwellen zu verlegen. Der Ausbildungsberuf nennt sich Tiefbaufacharbeiter und Gleisbauer. Also gehört auch Vermessung, Verkehrswegebau und Holzverarbeitung zum Unterrichtsstoff. In der Ausbildungswerkstatt gibt es eine Schreinerei, eine Betonküche und eine Werkstatt für Mauerbau. „Die Ausbildung ist sehr vielseitig, das vermutet man erst mal gar nicht“, sagt Bahnsprecher Florian Kreibe.

Die Abbrecherquote ist verschwindend gering. Dennoch wollte Jonas Schwerge auf Nummer sicher gehen und absolvierte zuvor ein Praktikum. Er ist zufrieden mit seiner Wahl: „Ich wollte was Handwerkliches machen. Und draußen sein“. Dank der vielseitigen Ausbildung kann er nun sogar zu Hause sein Bad fliesen.

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Wedau: Ein Stadtteil für Eisenbahner

Die Geschichte Wedaus ist eng mit der Bahn verknüpft. Im Rangierbahnhof und im Ausbesserungswerk wurde Jahrzehnte lang gearbeitet. In der neu gebauten Siedlung wohnten die Eisenbahner. Vieles davon ist Vergangenheit.

Die Werkstättenstraße deutet noch darauf hin: Hier wurde malocht. 1914 eröffnete die „Königliche Eisenbahn-Hauptwerkstätte“ - eine riesige Anlage mit Werkshallen, Kesselhaus, Schmiede, Kantine und Werks-Feuerwehr. In dieser Werkstatt wurden Güterzüge gewartet und repariert.

Parallel baute man ab 1912 den Rangierbahnhof Wedau aus. Damit erlangte er eine zentrale Bedeutung als Verschiebebahnhof für den Güterverkehr im westlichen Ruhrgebiet und an der Rheinschiene. Auch ein Personenbahnhof entstand zu dieser Zeit in Wedau.

Damit die zahlreichen Arbeiter in der Nähe ihres Arbeitsplatzes wohnen konnten, wurde ab 1913 an der Werkstättenstraße mit dem Bau einer Werkssiedlung begonnen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg baute man die beschädigten Gebäude des Werks wieder auf. 1957 kam die Fertigung von Zubehörteilen wie Puffer und Bremsventilen dazu, später dann der Bau von Großraumgüterwaggons. Zu Hochzeiten arbeiten über 2000 Eisenbahner im Wedauer Ausbesserungswerk.

Durch Umstrukturierungen der Bahn wurden bereits in den 70ern zahlreiche Arbeitsplätze abgebaut. 1983 diskutierte man das erste Mal über eine Schließung. 2004 war dann endgültig Schluss. Jetzt soll auf dem Gelände ein Wohngebiet entstehen.

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