Ex-Bahn-Areal

Wedau-Planung in der Bürgerkritik

Über 200 Personen kamen zur Bürgeranhörung in die neue Jugendherberge an der Kruppstraße.

Über 200 Personen kamen zur Bürgeranhörung in die neue Jugendherberge an der Kruppstraße.

Foto: Funke Foto Services

Wedau/Bissingheim.  Über 200 Personen bei der Bürgeranhörung. Verkehrsprobleme müssen gelöst werden, sonst gibt es keine Zustimmung.

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Über 200 Bürger nahmen am Montag an der ersten offiziellen Bürgerbeteiligung zur großen Planung für das ehemalige Bahn-Areal zwischen Wedau und Bissingheim teil. Thomas Lennertz, Chef der Bahnflächen-Entwicklungs-Gesellschaft (BEG), und Carsten Tum, der städtische Planungsdezernent, informierten in der neuen Jugendherberge an der Kruppstraße über das Projekt. Bis zu 8000 neue Einwohner sollen dort angesiedelt werden. Dabei wurde deutlich: Ohne die Lösung der Verkehrsprobleme, die damit verbunden sind, akzeptieren die Bürger das Projekt nicht.

Entsetzt zeigten sich viele Teilnehmer, als Lennertz erläuterte, dass auf die Wedauer Brücke ein Vielfaches des heutigen Straßenverkehrs zukommen wird. Gegenüber heute 2200 Fahrzeugen könnten es künftig einmal 12 000 am Tag sein. „Wahnsinn!“ und „Das ist doch keine Planung!“ lauteten darauf die ersten Reaktionen.

Aber die Bürger müssten sich keine Sorgen machen, erklärten die Planer. Da es sich um eine Landesstraße handele, werde so geplant, dass es keine Rückstaus gebe, weder bei der Anbindung der zentralen Zufahrt in das neue Wohngebiet über die Wedauer Brücke noch an der Bissingheimer Straße oder gar beim Autobahnanschluss an die A 3.

„Es wird eine autobahnähnliche Anbindung an die Brücke geben, also ohne Linksabbiegen“, erklärte Lennertz. Das beruhigte die Bürger kaum. Sie äußerten Zweifel an der Haltbarkeit der Brücke und an den zugrundeliegenden Gutachten.

Mit Erstaunen vernahmen sie auch, dass nicht einmal der heutige Regionalzug, der Entenfang-Express, in Zukunft gesichert ist. Viele Teilnehmer hielten es aber für unverzichtbar, ihn bis Düsseldorf zu verlängern, um die Neubürger auf dem Weg zu ihrer Arbeit gar nicht erst ins Auto zu locken. Sich darum zu bemühen, sagte Carsten Tum zu. Unter anderem deshalb habe man den neuen Haltepunkt ja auf die Westseite, in Höhe des Dirschauer Wegs, gelegt. Thomas Lennertz deutete aber an, wie schwierig das werden wird: 2010 war der volkswirtschaftliche Nutzen einer Verlängerung nach einem Gutachten nicht gegeben. Das müsste neu geprüft werden. Knackpunkt dabei: Der Tunnel am Staufenplatz in Düsseldorf darf nur von Güterzügen befahren werden. Es würde also eine alternative Gleisführung benötigt.

Geplante und gewünschte Brücke

Thomas Lennertz beruhigte die Bürger, die Probleme würden ja nicht alle gleichzeitig über Wedau und Bissingheim hereinbrechen. „Alleine der Bau des 15 Meter hohen Lärmschutzwalls zur Abschirmung des neuen Wohngebiets von den Bahnanlagen wird zwei Jahre dauern“, erklärte er. Vorher könne kein Bürger dort zuziehen. Vor allem die Bissingheimer befürchteten, den Lärm der Güterzüge künftig alleine abzubekommen. „Dieses Problem kann mit unserer heutigen Planung nicht gelöst werden“, erwiderte Carsten Tum.

Für völlig verfehlt hielten viele Teilnehmer auch den geplanten Standort der einzigen neuen Verbindung über die Bahngleise, eben in Höhe des Dirschauer Wegs, zum dort vorgesehenen Einkaufszentrum. „Diese Brücke braucht man gar nicht“, äußerten gleich mehrere Anwohner. Sie verlangten, auch für die Schulkinder, eine zentrale Überquerung in Höhe des heutigen Haltepunkts Bissingheim. Das sei technisch kaum möglich, erwiderte Thomas Lennertz. Einerseits fehle es dort an Platz und an Grundstücken für die nötigen Rampen. Andererseits werde diese Brücke sehr kostspielig, habe die Bahn doch gerade erst neue Gleise dort verlegt. Sie aber würden so dicht nebeneinander liegen, dass kein Platz für Stützpfeiler vorhanden sei. Es müsste also eine sehr aufwändige Brücke gebaut werden. „Bei einem Milliardenprojekt wie diesem kann das kein Thema sein“, hielt ihm ein Bürger entgegen. Auch zu diesem Thema wird es noch eine Machbarkeitsstudie geben, versicherten die Planer.

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