Umwelt

Was gut ist, kommt in die Box: schenken statt wegschmeißen

Giveboxen, wie hier Düsseldorf, regt eine umweltbewusste Huckingerin an.

Foto: Oliver Müller

Giveboxen, wie hier Düsseldorf, regt eine umweltbewusste Huckingerin an. Foto: Oliver Müller

Duisburg-Süd.   Huckingerin regt Giveboxen an. Jeder kann sich dort bedienen. Paten schauen nach dem Rechten. Doch die Wirtschaftbetriebe befürchten Vermüllung.

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Das Teeservice ist tadellos in Ordnung, aber nach 20 Jahren soll mal was Neues her. Doch wohin mit dem gutem Stück? „In Düsseldorf kommt sowas in die Givebox“, sagt eine Neu-Duisburgerin, die gerade nach Huckingen gezogen ist. Die zweifache Mutter, die anonym bleiben will, regt an, solche Boxen auch im Duisburger Süden aufzustellen.

Eine Givebox, das ist eine Bretterbude, in die Leute aus dem Stadtteil Dinge bringen, die zu schade sind zum Wegschmeißen. „Jemand anderes freut sich und kann die Salatschleuder oder die Spielesammlung gerade gut gebrauchen“, sagt die Frau aus der Landeshauptstadt. Natürlich braucht es jemanden, der sich um solche Boxen kümmert. In Düsseldorf läuft dies über Paten, die regelmäßig nach dem Rechten schauen, notfalls die Müllabfuhr rufen, wenn jemand irgendwelchen alten Kram entsorgt hat.

Wirtschaftsbetriebe Duisburg befürchten: „ Das kann leicht ausufern“

In Unterrath, wo die Huckingerin zuletzt wohnte, habe dies prima funktioniert. „Die Givebox hat sich zu einem richtigen Treffpunkt entwickelt.Man schaut dort vorbei und kommt mit Leuten ins Gespräch“. In anderen Stadtteilen sammelte sich allerdings auch schon Müll in den Boxen, eine Box wurde sogar angezündet.

Dass Leute ihren halben Hausrat in solchen Giveboxen entsorgen könnten, befürchtet denn auch Silke Kersken von den Wirtschaftsbetrieben Duisburg (WBD). „Ich glaube, dass das leicht ausufern kann“, sagt die WBD-Sprecherin. Außerdem hält sie es für schwierig, Paten zu finden. Ein Projekt dieser Art ist in Duisburg jedenfalls noch nie überlegt worden.

Bezirksbürgermeister ist von der Idee begeistert

Bezirksbürgermeister Volker Haasper (SPD) ist dagegen angetan von dieser Idee: „Ich finde das super. So eine Initiative regt auf jeden Fall die Kommunikation untereinander an, und das ist immer gut“, sagt Haasper. Und macht die Redaktion zugleich auf eine Art „Give-Tisch“ im Bezirksamt aufmerksam. Leute legen auf einen Tisch, der an der Treppen ins erste Obergeschoss steht, Spiele, Bücher und Haushaltsgegenstände ab - zum Mitnehmen. „Ich hab’ auch schon Spiele fürs Jugendzentrum dort eingepackt“, so Haasper. Als die Redaktion dort vorbeischaute, war die Auswahl allerdings ziemlich dürftig.

Bücher kann man im Süden bereits weitergeben. Allerdings steht der Bücherturm auf dem Recyclinghof an der Kaiserswerther Straße. Keine Umgebung, die dazu einlädt, in den Büchern zu stöbern. Das sieht die Bürgerstiftung, die die Bücherschränke initiiert hat, ebenso. Zur Zeit wird ein weiterer Standort im Süden überlegt. Im Gespräch ist ein Platz vor dem Bezirksamt Süd - also ganz in der Nähe vom Give-Tisch.

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Das Meiste geht innerhalb von 24 Stunden weg

Berliner haben sich die Giveboxen ausgedacht und das Konzept über soziale Netzwerke bekannt gemacht. Auf der Facebook-Seite steht dazu: „Ebay ist kompliziert, Kleinanzeigen dauern, Flohmärkte sind nicht immer und weit weg, Recycling braucht auch Energie. Die Givebox ist lokal“.

Jeder soll sich bedienen können. Es handelt sich nicht um ein Projekt für Hilfsbedürftige. Es geht vielmehr darum, brauchbare Dinge zu bewahren und nicht noch mehr Müll zu produzieren.

Eine „Bedienungsanleitung“ appelliert an Verantwortungsbewusstsein

Die „Bedienungsanleitung“ ist meist an den Boxen angeschlagen. Eine Regel lautet: Wer etwas hinbringt, möge nach zwei Wochen nachsehen, ob es noch da ist – und es in dem Fall selbst entsorgen. Das Meiste, so die Erfahrung aus Düsseldorf, wechselt allerdings innerhalb von 24 Stunden seinen Besitzer.

Da ist der ältere Herr, der in der Geschenkebude genau die passende Lampe für sein betagtes Fahrrad gefunden hat. Der kleine Junge, der stolz einen riesengroßen Plüsch-Snoopy abschleppt. Oder jemand, der sich über den schicken Anzug freut, den er auf dem Bügel entdeckt.

Abgabestellen für gebrauchte Kleider gibt’s schon

Gebrauchte Kleider kann man im Duisburger Süden übrigens auch ohne Give-Box spenden und finden: immer Donnerstags im Kleiderlädchen der Evangelischen Gemeinde Wedau, Am See 8 a von 9 bis 12 Uhr, im Diakonieladen der Ev. Auferstehungsgemeinde Ungelsheim, Sandmüllersweg 33, von 14 bis 17 Uhr, im Kleiderladen der Auferstehungsgemeinde Huckingen, Angerhauser Straße 91, von 15 bis 17 Uhr. Und Dienstags von 9.30 bis 16 Uhr in der Kleiderkammer von St. Stephanus, Am grünen Hang 31.

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