Schulabschluss

Vom Schulabbrecher zum Informatik-Studenten am Berufskolleg

Vanessa Bongaerts (rechts) und Timon Hermann (links) sind stolz auf ihre Abschlüsse am Bertolt-Brecht-Berufskolleg.

Vanessa Bongaerts (rechts) und Timon Hermann (links) sind stolz auf ihre Abschlüsse am Bertolt-Brecht-Berufskolleg.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Duisburg-Huckingen.  Die Schüler Vanessa und Timon haben dieses Jahr am Bertolt-Brecht-Berufskolleg ihren Abschluss gemacht. Das war nicht unbedingt zu erwarten.

Endlich das Abschlusszeugnis in den Händen halten, das ist der Moment, den alle Schüler anstreben. Für 45 Schüler des Bertolt-Brecht-Berufskollegs war es am Freitag so weit: Sie bekamen ihre Zeugnisse über die Fachhochschulreife überreicht. Für den ein oder anderen war der Weg dort hin nicht ganz so einfach und mit vielen vorläufigen Schulabschlüssen verbunden, die aber alle am Berufskolleg in Huckingen möglich sind.

Eine dieser Schülerinnen ist Vanessa Bongaerts. Fünf Jahre lang hat sie das Berufskolleg besucht, jetzt schließt sie es mit der Fachhochschulreife bei den kaufmännischen Assistenten ab. 2013 und 2014 war die 22-Jährige im Werkstattjahr und besuchte schon damals die Schule. „Dass Vanessa dahin geschoben wurde war falsch, das haben wir gesehen“, sagt Schulsozialarbeiter Mark Ginuth.

Vanessa hat bewiesen, dass sie mehr kann

Das hat sie dann bewiesen. Nach dem Werkstattjahr meldete sich Bongaerts an der Schule an, besuchte die Handelsschule und schloss 2016 mit der Fachoberschulreife ab. Damit bekam sie die Zulassung zur gymnasialen Oberstufe. „Einfach war es nicht, aber ich habe viel gelernt“, sagt sie stolz, die Abschlussmappe in der Hand. Bongaerts hat bereits eine Stelle als Steuerfachangestellte sicher, möchte aber lieber ins Büromanagement. „Ich werde mich auf jeden Fall noch weiter bewerben.“

Timon kam als Schulabbrecher – jetzt will er studieren

Ein weiterer Schüler, der lange auf dem Berufskolleg gelernt hat, ist Timon Hermann. Er kam ohne Abschluss an die Schule. „Ich habe die Schule abgebrochen und eineinhalb Jahre nichts gemacht, das hier war meine letzte Chance.“ Die hat er genutzt und mit der Fachhochschulreife im Bereich des informationstechnischen Assistenten abgeschlossen. Doch der Weg dahin war lang. Zu erst holte er den Hauptschulabschluss nach, dann erlangte er die Fachoberschulreife und wurde ebenfalls für die gymnasiale Oberstufe zugelassen. Sechs Jahre hat es gedauert: „Es gab keine Schule, auf der ich länger war.“ Jetzt ruht Timon Hermann sich erst einmal aus, bis es im Oktober an die Universität gehen soll: „Ich möchte Informatik studieren.“

Mit Wille und Einsatz zum Abschlusszeugnis

Beide Absolventen sind stolz, heute ihren Abschluss in den Händen zu halten. „Mit viel Wille und Einsatz schaffen Schüler das, und diesen Willen haben die beiden auf jeden Fall gezeigt“, sagt Schulsozialarbeiter Ginuth. Er ist stolz auf die Absolventen, genau wie Klassenlehrer und Eltern. Aber auch die Schüler sind stolz aufeinander. An der Schule wird in kleinen Klassen gelernt, das bringt sie näher zusammen. „Wir waren höchsten neun Schüler in einer Klasse“, sagt Hermann. Ginuth weiß, dass so etwas Lehrer und Schüler näher zusammenbringt, genau wie gemeinsame Aktionen: Am Samstag stand noch ein gemeinsamer Grillabend an.

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