Alter Angerbach

Umweltgutachten sieht keine Gefahr durch Bauprojekt

Die Zwergfledermaus ist eine von zwei streng geschützten Fledermausarten, die im Gebiet jagen. Tagsüber nächtigen sie aber offenbar woanders.

Die Zwergfledermaus ist eine von zwei streng geschützten Fledermausarten, die im Gebiet jagen. Tagsüber nächtigen sie aber offenbar woanders.

Foto: Ewald Thies/Archiv

Huckingen.   Das Bauprojekt Am Alten Angerbach bedroht weder die etlichen Säugetiere noch die 28 Vogelarten, so das Gutachten. Ein Problem sieht es dennoch.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Gegen das Bauvorhaben Am Alten Angerbach protestierte vor allem der Bürgerverein Huckingen: aus Umweltgründen. Inzwischen liegt das Umweltgutachten vor. Und das kommt zu folgenden Ergebnissen:

Zwei streng geschützte Fledermaus-Arten entdeckt

Die Gutachter haben vor Ort zwar etliche Tierarten angetroffen, die meisten davon sind aber weit verbreitet wie Eichhörnchen, Reh oder Fuchs. Allerdings haben sie auch zwei streng geschützte Fledermausarten entdeckt: Zwergfledermaus und Rauhautfledermaus, die dort jagen, ihre Tagquartiere aber offenbar woanders haben.

28 Vogelarten leben hier

28 Vogelarten haben die Gutachter festgestellt, die im künftigen Neubaugebiet zumindest nach Nahrung suchen, darunter Bachstelze und Haussperling, die beide in der Vorwarnliste zur Roten Liste der gefährdeten Arten stehen. Ebenfalls auf der Vorwarnliste stehen Gimpel, Goldammer, Teichralle und Star, die hier auch potenzielle Brutplätze vorfinden würden. Das Gutachten kommt aber zu dem Schluss, dass diese Arten hier nicht brüten und somit „nicht planungsrelevant“ sind. Das gilt auch für den Steinkauz, nach dem die Gutachter sogar mit einer Klangattrappe gerufen haben – aber keine Antwort bekamen.

Da, wo der Angerbach renaturiert wurde, ist die Gebänderte Prachtlibelle heimisch geworden. Und kann das auch bleiben: Dort sind keine Änderungen durch die Bebauung geplant.

Künftig weniger Frischluft für Duisburg

Das ist der Hauptkritikpunkt des Bürgervereins Huckingen: Dass mit dem Bauprojekt Am Alten Angerbach die letzte große Freifläche des Stadtteils verschwindet. Das Umweltgutachten hält fest, dass die fast 16 Hektar große Fläche zwar in der Stadtklimaanalyse als regional bedeutsam eingestuft sei, aber dennoch vollständig überplant wird. Das bisherige Kaltluftentstehungsgebiet, das „dazu beiträgt, das Duisburger Stadtgebiet mit Frischluft zu versorgen“, gehe dadurch teilweise verloren. Allerdings nur der westliche Teil – der östliche Abschnitt sei aber bedeutender und bleibe erhalten. „Eine weitere Ausdehnung von Baugebieten in diese Richtung ist auch langfristig nicht beabsichtigt“, hält das Gutachten fest.

Schon heute sei das Gebiet keinesfalls Natur pur, betont das Umweltgutachten. Durch den Einfluss des Menschen weise das Areal „nur einen sehr geringen Anteil an naturnahen Lebensräumen auf“. Auch mit der Artenvielfalt ist es demzufolge nicht weit her: Die biologische Vielfalt bezeichnet das Gutachten als „insgesamt mäßig“. Durch das Neubauprojekt sieht es keine drohende Verschlechterung, weil nicht nur Nahrungs- und Nistplätze verschwinden, sondern auch neue hinzukämen.

Gutachten stellt Vorschriften für die Zukunft auf

Das Umweltgutachten stellt einige Regeln und Empfehlungen auf, die Am Alten Angerbach künftig gelten sollen. So sollen die am Bach selbst heimischen Arten geschützt werden, indem die Bebauung genug Abstand einhält.

Für Gehwege und Straßen im Neubaugebiet empfehlen die Gutachter eine fledermaus- und insektenfreundliche Beleuchtung; Fassaden sollen nicht intensiv beleuchtet werden. Auch Gärten sollen nachts nicht taghell erstrahlen: „Der Einsatz von Lichtflutern im Außenbereich ist zu untersagen.“

Die Häuser sollen außerdem so gebaut werden, dass Vögeln nicht vorgetäuscht wird, sie könnten einfach hindurchfliegen: große Glasflächen oder transparente Balkonverkleidungen soll es deshalb nicht geben.

<<< LANDWIRT VERLIERT ACKERFLÄCHE

Vom Bauprojekt Am Alten Angerbach ist auch ein Landwirt betroffen: Seit mehr als 35 Jahren bewirtschaftet der derzeitige Pächter das Areal. Er verliert dort nun 13 Hektar Ackerfläche, das entspricht mehr als 20 Prozent der gesamten Ackerfläche seines Betriebs.

Der Landwirt ist daher darauf angewiesen, Ersatzflächen zur Verfügung gestellt zu bekommen. Bisher ist das noch nicht geplant.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben