Benimm-Regeln

Trauerredner schreibt einen Knigge für den Friedhof

Joggingrunden oder

Joggingrunden oder

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg-Süd.  Handy und Zigarette sollten aus bleiben: Dirk Schuchardt gibt in seinem Friedhofs-Knigge Tipps zum angemessenen Verhalten bei Beerdigungen.

Der Sarg rutscht einem der Träger aus der Hand, einer der Trauergäste bekommt einen Lachkrampf, und die Witwe hat Schluckauf – es gibt viel, was auf einer Trauerfeier schief laufen kann. Doch die meisten Fettnäpfchen lassen sich vermeiden, wenn man einige Regeln beachtet. Der Huckinger Dirk Schuchardt arbeitet seit drei Jahren als freier Trauerredner und hat einen Friedhofs-Knigge geschrieben. Er basiert auf seinen persönlichen Erfahrungen. Was häufig passiere, sei ein Handyklingeln während der Zeremonie.

„Beim Betreten eines Friedhofs sollte das tragbare Telefon auf lautlos gestellt werden, so dass bei einem Anruf maximal ein Vibrationsalarm zu spüren ist. Wer trotzdem unbedingt telefonieren muss, sollte dies in einem gedämpften Ton tun, da gerade auf dem Friedhof Gespräche auch aus großer Entfernung gut zu verstehen sind“, rät Schuchardt.

Während einer Trauerfeier und der anschließenden Beerdigung gehöre das Mobiltelefon komplett ausgeschaltet, da auch das Brummen eines Vibrationsalarms in einer Trauerhalle unangenehm auffalle. „Dort sollte es immer still sein, wenn ein Verstorbener dort aufgebahrt ist.“

Trauerkleidung ist schwarz: Das gilt immer noch

Es sei in Ordnung, vor dem Gebäude mit Freunden und Hinterbliebenen zu sprechen. „Sobald man aber die Trauerhalle betritt, sollte man schweigen. Die Aufmerksamkeit gilt von nun an dem Verstorben. Bevor man Platz nimmt, ist es angebracht, sich als Zeichen des Respekts in Richtung des Sarges oder der Urne mit einem kurzem Kopfnicken zu verneigen“, so Schuchardt. Auch gehöre es sich nicht, Fotos vom Sarg zu machen. „Manche Leute posieren davor und laden die dann sogar in sozialen Netzwerken hoch.“ Dabei mache der Bestatter auf eine freundliche Bitte hin Bilder in der Trauerhalle, um sie den nicht anwesenden Hinterbliebenen zur Verfügung stellen zu können.

Auch wenn es draußen warm ist, sollten die Trauergäste lange, schwarze Kleidung tragen. „In jedem gut sortierten Kleiderschrank sollte sich deshalb ein schwarzer Anzug mit schwarzer Krawatte beziehungsweise ein schwarzes Kostüm befinden“, sagt der Trauerredner. Kurze Hosen oder ärmellose Tops seien nicht angemessen. „Damen sollten übrigens eher dezente, schwarze Handtaschen mitbringen und sichergehen, dass diese nicht herunterrutschen, wenn sie dem Verstorbenen vor dem Grab die letzte Ehre erweisen.“

Frauen werfen Blüten, Männer greifen zur Erde

Nachdem der Sarg herabgelassen wurde, erfolge traditionell ein Erdwurf, den Männer immer wählen sollten. „Frauen können stattdessen auch Blütenblätter werfen. Wem die bereit gestellte Kinderschaufel nicht behagt, kann auch gerne die Erde mit der Hand ergreifen.“ Im Anschluss nicht nur Zigarette zu greifen, verstehe sich von selbst – „das ist aber leider schon vorgekommen“, sagt Schuchardt.

Auch als Besucher gelten auf Friedhöfen bestimmte Regeln. Viele Menschen gehen dort spazieren, um die Ruhe zu genießen. „Leider halten einige Besucher den Friedhof für ihr persönliches Fitnessstudio – sie joggen, walken oder radeln dort“, klagt Schuchardt. Dies sei zwar verboten, werde aber im Rahmen geduldet. „Sportliche Aktivitäten sollten aber außerhalb des Friedhofs stattfinden.“ Wenn ein Trauerzug vorbeikomme, sollte man sich nicht vorbeidrängeln, sondern warten. „Dabei sollte man seine Kopfbedeckung abnehmen und dem Verstorbenen kurz zunicken“, rät der Trauerbegleiter.

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