Straßenname

Streit um noch mal Lüderitz für Duisburger Afrikasiedlung

Die Lüderitzallee gibt es schon seit Jahrzehnten. In Anlehnung an ihren Namen möchte die Verwaltung die neue Straße Lüderitzpfad nennen.

Foto: Lars Fröhlich

Die Lüderitzallee gibt es schon seit Jahrzehnten. In Anlehnung an ihren Namen möchte die Verwaltung die neue Straße Lüderitzpfad nennen.

Duisburg-Buchholz.   Die Stadt will eine neue Straße im Afrikaviertel Lüderitzpfad nennen. Dagegen wehren sich SPD, Grüne und Linke – und machen einen Gegenvorschlag.

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Straßenschilder sind Wegweiser in mehr als nur einem Sinne: Sie führen zur gesuchten Adresse, auf die Spur der Geschichte – und manchmal auch in die Irre. In der Politik regt sich jetzt Widerstand gegen den Vorschlag der Stadtverwaltung, die Erschließungsstraße für das Neubaugebiet im Afrikaviertel mit dem Namen Lüderitzpfad zu versehen. Mit einem solchen Namen die Kolonialzeit im Straßenbild zu verewigen, hält das Bündnis aus SPD, Grünen und Linken in der Bezirksvertretung Süd (BV) für unpassend. Ihr Gegenvorschlag: Die neue Straße soll stattdessen nach dem Spitznamen Nelson Mandelas Madibapfad heißen.

Politiker: „Nach Lüderitz können wir unmöglich eine Straße neu benennen“

Diese E-Mail der Verwaltung irritiert die Politiker: Lüderitzpfad soll die neue Straße heißen, die das Wohngebiet auf dem Gelände des ehemaligen städtischen Aus- und Fortbildungszentrums erschließen wird, wo bald 21 Häuser gebaut werden. „Ich unterstelle niemandem Bösartigkeit, aber Unbedarftheit“, sagt Sebastian Ritter (Grüne) zu diesem Vorschlag. „Einmal bei Wikipedia Lüderitz eingeben, dann sieht man sofort, dass das keine gute Idee ist.“

Die Geschichte von Adolf Lüderitz fasst Beate Lieske, Fraktionsvorsitzende der SPD in der BV Süd, so zusammen: Er „war ein großdeutscher Kolonialkaufmann, der bei der Gründung der Kolonie Deutsch-Südwestafrika einen gewichtigen Anteil hatte. Mit quasikriminellen Methoden hat er im 19. Jahrhundert die örtliche Bevölkerung unterdrückt und ausgebeutet.“ Ihr Fazit: „Nach ihm können wir unmöglich eine Straße neu benennen.“

Madibapfad statt Lüderitzpfad

Der Gegenvorschlag von SPD, Grünen und Linken: Statt Lüderitzpfad soll die neue Straße Madiba­pfad heißen. Madiba war der Stammesname von Nelson Mandela, dem ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas. Für seinen Einsatz gegen die Apartheid bekam er den Friedensnobelpreis. Eine Infoplakette am Straßenschild könnte den Namen Madiba erklären. Das rot-rot-grüne Bündnis will den Vorschlag Madibapfad in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung am 11. Oktober zur Abstimmung bringen. Deniz Edis (Linke) argumentiert: Mit einem Straßennamen nach der Person Mandelas setze man „einen Kontrapunkt zu der sonstigen Namensgebung der Siedlung, die noch im Geiste des kolonialen Großdeutschlands gemacht wurde, der dieses Land in zwei Weltkriege geführt hat.“

Im Afrikaviertel gibt es bereits eine Lüderitzallee. Gegen diesen Straßennamen wird es aber keinen politischen Antrag geben. „Das wäre mit hohen Kosten für die Anwohner verbunden“, erklärt Ritter.

<<< LÜDERITZALLEE: EIN NAME AUS DER NAZIZEIT

In einer E-Mail an die Bezirksvertreter bringt die Verwaltung den Namensvorschlag Lüderitzpfad ins Spiel. Ein offizieller Vorschlag sei das aber nicht, sagt Stadtsprecher Falko Firlus. Folgerichtig bezieht die Stadt keine Stellung dazu, dass in Duisburg ein solcher Vorschlag auf dem Tisch liegt – während in anderen Städten die Namen von Lüderitz und anderen Kolonialherren aus dem Straßenbild verbannt werden. Im April hat zum Beispiel Berlin beschlossen, seine Lüderitzallee umzubenennen.

Die Straße in Buchholz bekam ihren Namen 1936 durch Verfügung des Polizeipräsidenten. Die übrigen Straßen der Afrikasiedlung versah 1958 der Rat der Stadt mit ihren Namen.

Stadtarchiv prüft historische Umstände

Heute werden Straßennamen vom Stadtarchiv im Hinblick auf ihre historischen Umstände überprüft, bevor sie auf ein Schild kommen. Ob die schon bestehende Lüderitzallee kritisch zu sehen ist, bewertet die Stadt nicht: „Hier ist eine Prüfung durch das Stadtarchiv geboten“, sagt Firlus. Eine Anfrage dazu gebe es bereits.

Normalerweise werde es vermieden, bestehende Straßennamen zu ändern, denn das ziehe „erheblichen finanziellen, geschäftlichen und persönlichen Aufwand für die Anlieger“ nach sich. So müssen Anwohner ihre Adresse in Personalausweis und Fahrzeugschein ändern lassen. Dafür erhebt die Stadt dann zwar keine Gebühren. Selber bezahlen müssen die Anwohner aber Kosten, die für die geänderte Adresse anfallen bei Banken,Mobilfunkanbietern etc.

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