Rahmerbuschfeld

Rahmer Bürgerinitiative will Bebauungspläne stoppen

Die geplante Bebauung des Rahmerbuschfelds ist vielen Bewohnern ein Dorn im Auge. Jetzt soll eine Bürgerinitiative gegründet werden.

Die geplante Bebauung des Rahmerbuschfelds ist vielen Bewohnern ein Dorn im Auge. Jetzt soll eine Bürgerinitiative gegründet werden.

Foto: Hans Blossey

Duisburg-Rahm  Die geplante Bebauung des Rahmerbuschfeldes bewegt die Anwohner in Rahm. Am Mittwoch, 12. Juni, soll eine Bürgerinitiative gegründet werden.

. Zwei Wochen ist es her, dass die Rahmer Bürger ihre Befürchtungen, Bedenken und Einwände gegen die geplante Bebauung des Rahmerbuschfeldes – tatsächlich hat es nur eine Befürwortung für den Bau des Nahversorgers gegeben – in der öffentlichen Sitzung der Bezirksvertretung Süd vorbringen konnten. Das ist vielen Rahmern aber längst nicht genug. „Wir haben das Gefühl, dass unsere Einwände zwar gehört, diese aber nicht richtig ernst genommen wurden“, sagt Claudia Anthonj. Zusammen mit ihrem Mann Thomas und weiteren direkten Anwohnern des geplanten Neubaugebietes hat sie den Anstoß zur Gründung einer Bürgerinitiative gegeben.

Online-Petition hatte keinen Erfolg

Aktiv sind viele Rahmer Bürger bereits seitdem klar ist, dass das Landschaftsschutzgebiet bebaut werden soll. So hatte die Interessengemeinschaft Rahmerbuschfeld vor drei Jahren der Bezirksvertretung eine Liste mit 2200 Unterschriften überreicht. Die Bürger hatten damals eine Online-Petition gegen die Bebauung des bisherigen Landschaftsschutzgebiets unterschrieben. Trotz der zahlreichen Unterschriften stand am Ende der Sitzung ein Mehrheitsbeschluss für eine Wohnbebauung inklusive Nahversorger.http://funke-cms.abendblatt.de:8080/webservice/thumbnail/article/216426963

„Als die Pläne der Stadt Anfang Mai einsehbar waren, war uns klar, dass wir handeln müssen, wenn wir die Natur hier in Rahm erhalten wollen“, sagt Claudia Anthonj. Zusammen mit mehreren Nachbarn hat das Ehepaar alle Fakten zum Umweltschutz in einem offenen Leserbrief aufgelistet. „Durch die geplante Bebauung wird ein einzigartiges Biotop und eine intakte Dorfstruktur zerstört“, sagt Claudia Anthonj. Unter anderem bezieht sich das Ehepaar auf eine gestellte Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen an die Bundesregierung mit dem Titel Stummer Frühling – Verlust von Vogelarten. „In der Antwort der Bundesregierung heißt es, dass es einen erheblichen Handlungsbedarf zum Schutz der Agrarvögel in Europa gibt“, sagt Claudia Anthonj. „Und wir hier in Rahm sollen nun Zeitzeugen eines völlig dem Zeitgeist zuwiderlaufenden Verbrechens an der Natur werden?“

Artenvielfalt im Naturschutzgebiet

Im Leserbrief heißt es weiter: „Als direkte Anrainer des Rahmerbuschfeldes beobachten wir seit Jahren die Artenvielfalt dieses lokalen Paradieses, das durch seine ökologische Nutzung als Pferdekoppel, völlig unbelastet von Pestiziden, einer unglaublichen Anzahl von Vögeln, Insekten sowie anderem Getier wie Fuchs, Feldhase, Dachs usw. eine Zuflucht bietet.“

Auf Unverständnis bei den Rahmern stößt, „dass die lokale Partei Bündnis 90/Die Grünen in einer totalen Verleugnung ihrer ureigenen DNA diesem Projekt unter dem fadenscheinigen Argument zugestimmt hat, dass man die Rahmer unbedingt mit einem größeren Nahversorger beglücken müsste. Wir fühlen uns nicht unterversorgt“. sagt Anthonj.

„Wenn eine Partei, die in erster Linie für den Umweltschutz steht, das einzig in Rahm verbliebene Biotop, trotz dreier Alternativen im Duisburger Süden, den wirtschaftlichen Interessen einiger weniger Einzelpersonen opfert, dann zeigt sich doch die ganze Arroganz und Verlogenheit der Macht“, schreibt sie.

Planungsrechtliche Hürden

Sebastian Ritter, Sprecher des Ortsverbands Duisburg-Süd von Bündnis‘90/Die Grünen: „Die Bürgerinitiative möchte von uns hören, dass uns Nahversorgung egal ist. Mit Blick auf diejenigen, die ihr Auto auch mal stehen lassen wollen, kann ich mich dieser Einschätzung nicht anschließen. Rahm wird in absehbarer Zukunft seinen Nahversorger verlieren, da der derzeitige Standort nach allem Bekunden für Supermarktketten zu klein ist“, so Ritter. „Die Möglichkeit einen neuen Supermarkt im Stadtteil zu bauen, ist planungsrechtlichen Hürden unterworfen. Ein Nahversorger darf nicht einfach ,auf die Grüne Wiese’ gesetzt werden. Deswegen musste ein städteplanerisches Projekt her, das Wohnbebauung mit einschloss.“

Viele ungeklärte Probleme

Michael Kleine-Möllhoff, Fraktionsvorsitzender der Grünen: „Wir haben für die Bebauung gestimmt, da wir den Rahmern mit dem neuen Nahversorger etwas Gutes tun wollten. Ich hätte nicht gedacht, dass es so wenig Befürworter gibt.“ So müsse man das Projekt tatsächlich als „ergebnisoffen“ sehen. „Ich kann gerne auf das Gebiet verzichten. Aber bisher hat mir niemand einen alternativen Standort für den neuen Nahversorger genannt.“

Neben der Tatsache, dass durch die geplante Bebauung „Rahm buchstäblich die Frischluftzufuhr vom Landschaftsschutzgebiet her abgeschnitten würde“, gebe es noch eine ganze Reihe an ungeklärten Problemen. „Sei es verkehrstechnisch, die Überbelastung der Schule und Kindergärten oder die Gefahr durch die Co-Pipeline. „Es gibt noch viele Dinge zu besprechen“, sagt Anthonj.

Leserkommentare (5) Kommentar schreiben