Rahmerbuschfeld

Rahmer Bürger sind gegen das Neubaugebiet Rahmerbuschfeld

Auf einer Fläche von 4,2 Hektar sollen 65 Einzel- und Doppelhäuser sowie ein Vollversorger gebaut werden.

Auf einer Fläche von 4,2 Hektar sollen 65 Einzel- und Doppelhäuser sowie ein Vollversorger gebaut werden.

Foto: Blossey/Archiv

Duisburg- Rahm.   Zur öffentlichen Sitzung der Bezirksvertretung Süd kommen rund 130 Bürger ins Rahmer Pfarrheim und kritisieren massiv die Pläne der Verwaltung.

Schon vor dem Beginn der öffentlichen Sitzung der Bezirksvertretung Süd ist die Luft im Rahmer Pfarrheim St. Hubertus zum Schneiden dick. Rund 130 Bürger sind gekommen, um ihre Einwände gegen die geplante Bebauung im Rahmerbuschfeld den Verantwortlichen vorzutragen. Und davon gibt es viele, die Stimmung ist aufgeheizt.

52 Doppelhaushälften und 13 Einfamilienhäuser

Geduldig hören sich die Anwesenden zunächst noch die Ausführungen von Henning Schmidt vom Planungsbüro rheinruhr-stadtplaner aus Essen an. Noch einmal fasst er zusammen, wie sich der städtebauliche Entwurf und die damit verbundene Änderung des Flächennutzungsplans darstellt. 65 Einzel- und Doppelhäuser (52 DHH, 13 EFH) sowie ein Vollversorger mit einer Verkaufsfläche von maximal 1300 Quadratmetern sind auf dem 4,2 Hektar großen Bereich – derzeit noch Weidefläche des Ventenhofs – geplant. Mit nur einer Zufahrtsstraße von der Angermunder Straße auf Höhe der Straße „Am Rahmerbuschfeld“. Innerhalb des neuen Wohngebietes soll ausreichend Parkfläche durch eine Mischverkehrsfläche gewährleistet sein. Für den Vollsortimenter sieht Schmidt rund 80 Stellplätze sowie einen Bäcker vor. Die Erschließung soll ebenfalls über die Angermunder Straße erfolgen.

Im Laufe der Erläuterungen wird die Schlange hinter dem Mikrofon im Pfarrheim immer länger. „Spätestens jetzt sollte uns allen bewusst sein, dass es ein langer Abend wird“, läutet Bezirksbürgermeisterin Beate Lieske die Fragerunde der Bürger ein. Zu Wort melden sich Anwohner der Angermunder Straße, der Pächter des direkt betroffenen Ventenhofs, Bürger aus Großenbaum und Buchholz, neu zugezogene Rahmer sowie alt Eingesessene, Junge und Alte.

Seitens der Verwaltung wird immer wieder betont, dass es ein „ergebnisoffenes Verfahren“ ist, so richtig glauben kann das am Donnerstagabend jedoch niemand. „Seit 2015 werden die Planungen konsequent durchgezogen, aber keiner will mit mir über die wirtschaftlichen Auswirkungen auf meinen Hof sprechen“, ärgert sich Rainer Dick. Der Zustand der Angermunder Straße wird immer wieder angeführt. „Es gibt doch jetzt schon keine Fahrradwege, die parkenden Fahrzeuge stehen auf dem Bürgersteig, der von Fußgängern und Radfahrern genutzt wird“, führt Anwohner Raimund Müller an. „Die Angermunder Straße ist doch jetzt schon kaum zu queren“, sagt auch Britta Hoffmann. Die Kurve sei ein großer Gefahrenbereich. „Die Straße wird nicht reichen, nicht für die Einfahrt zum Supermarkt und nicht für die Einfahrt in die neue Exklave.“

Zu große Mehrbelastung für die Angermunder Straße

Marcel Gatzweiler vom Amt für Stadtentwicklung versucht, auf alle Fragen eine Antwort zu geben, redet viel und ausführlich, lässt jedoch auch viele Fragen offen. So zum Beispiel, ob die Angermunder Straße die zu erwartende Mehrbelastung aufnehmen kann. „Dazu können wir noch keine Ergebnisse liefern.“

Auch nicht auf die Frage einer Schülerin, wie die Kindergärten und die Grundschule die zu erwartenden neuen Kinder aufnehmen sollen. „Das Jugendamt sieht bei den Kindergärten keine großen Schwierigkeiten“, sagt Gatzweiler und weist darauf hin, dass die Kinder auch nach Großenbaum in die Kindergärten gebracht werden könnten. Den Hinweis einer Anwohnerin, dass auch dort alle Kindergärten bis auf den letzten Platz belegt sind, nimmt er so hin. Zur Schulsituation könne er noch nichts sagen.

„Rahm zeichnet sich bisher noch durch eine individuelle Bebauung aus“, sagt Timo Sauer, dessen Grundstück direkt an die geplante Wohnbebauung angrenzt. „Unser Blick wird durch das neue Wohngebiet zugeballert, ok, dass ist mein Schicksal“, ärgert er sich, „aber die 65 Häuser werden doch alle gleich aussehen. Die Verwaltung kann sich auf heftigen Widerstand einstellen.“

Schule und Kindergärten sind zu klein

Weitere Themen, die die Anwohner ansprechen und Gatzweiler zu beantworten versucht, sind die Natur („Wir planen um das Wohngebiet eine breite Hecke zum Schutz gegen Lärm- und Lichtemissionen, und der Nahversorger bekommt ebenfalls eine Lärmschutzwand“), der Brandschutz („Die Feuerwehr ist in die Planungen mit einbezogen“), die Kanalisation („Regenwasser soll auf den Grundstücken versickern, ein Stauraumkanal muss vor die Kanalisation geschaltet werden“), die CO-Pipeline („ein Mindestabstand von acht Metern wird eingehalten“) und immer wieder der geplante Nahversorger.

Anwohner Nicolas Ehm fasst am Ende unter Applaus den Abend noch einmal zusammen: „Die Rahmer Bürger sagen 2019 Nein. Wir lehnen das Projekt ab.“

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