Bauprojekt

Politik: zwischen Begeisterung und Kritik an 6-Seen-Wedau

Zwischen 3000 und 3500 neue Wohneinheiten sollen auf dem Gelände entstehen, das inzwischen den Namen 6-Seen-Wedau trägt.

Zwischen 3000 und 3500 neue Wohneinheiten sollen auf dem Gelände entstehen, das inzwischen den Namen 6-Seen-Wedau trägt.

Foto: Hans Blossey

Duisburg-Wedau.   Für 6-Seen-Wedau „verbuddeln wir eine Milliarde Euro“, schätzt ein Politiker. Es bleibt Kritik: besonders an zu wenig ÖPNV und zu viel Verkehr.

Begeisterung und Kritik gab es am Donnerstagabend in der Sondersitzung der Bezirksvertretung Süd. Bei 6-Seen-Wedau gehen die Meinungen der Politiker auseinander, und das teilweise innerhalb einer Partei. Es ist ja auch nicht nur ein Großprojekt, sondern das Duisburger Großprojekt schlechthin, mit Strahlwirkung weit über die Stadtgrenzen hinaus: „Wir werden da fast eine Milliarde Euro verbuddeln“, schätzt Hartmut Ploum (SPD).

Das Lob

Ploum zählt wie die gesamte SPD-Fraktion zu den Befürwortern von 6-Seen-Wedau. Er hob hervor, dass auch dank der Bezirksvertretung Süd im Plan nun zwei Flächen für Brücken ausgewiesen sind statt nur einer, wie ursprünglich vorgesehen. Zusammen mit den Flächen für einen Bahnhof, eine Schule, einen Nahversorgungsbereich und für Gaststätten sei klar: „Das wird keine Schlafstadt.“

Deutliche Zustimmung kommt auch von der CDU: „Das ist kein Wohnen von gestern, das ist Wohnen von heute, morgen und übermorgen“, sagt der stellvertretende Bezirksbürgermeister Manfred Helten und freut sich: „Wir werden einen der schönsten Stadtteile in ganz NRW besitzen.“

Die Kritik

Einhellig kritisch äußerten sich die Grünen. Einen Hauptkritikpunkt nennt Sebastian Ritter: Die drei großen Bauprojekte im Duisburger Süden – Am Alten Angerbach, 6-Seen-Wedau, Rahmerbuschfeld – richteten sich ausdrücklich „vor allem an einkommensstarke Haushalte. Wann machen wir eigentlich mal wieder Politik für alle anderen Menschen?“ Dieser Aussage widerspricht Hartmut Ploum: „6-Seen-Wedau wird mit mehr als zehn Prozent den mit Abstand höchsten Anteil aller Stadtteile an Sozialwohnungen haben.“

Zweiter Kritikpunkt der Grünen ist der Nahverkehr. „Man kann ein solches Projekt nicht planen ohne ÖPNV“, sagt Ritter. Zwischen der Fertigstellung der ersten Häuser und der Umsetzung der Ratinger Weststrecke liegen nach seiner Schätzung zehn Jahre. Sein Fraktionsvorsitzender Michael Kleine-Möllhoff ergänzt die Kritik am Verkehrskonzept am Beispiel des Nahversorgungszentrums um dieses Argument: „Man baut so, dass man mit dem Pkw gut hinkommt – das ist Pkw-, nicht menschengerecht.“ Stattdessen sei es besser, die Nahversorgung zentral einzuplanen, nicht wie nach jetzigem Stand gen Norden verlagert.

Die Zukunft

Natürlich seien noch nicht alle Fragen geklärt, gibt auch Befürworter Ploum zu. Verkehrsgutachten, ruhender Verkehr, Schallschutz, Begrünung, Radwegenetz – diese Themen bereiten noch Probleme. Beraten hat die Bezirksvertretung Süd über den Flächennutzungsplan. Die Lösungen, so Ploum, erwarte er im daraus abzuleitenden Bebauungsplan.

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