Bahnareal

Ostufer am Duisburger Masurensee soll Uferpromenade bekommen

Der Masurensee soll weiterhin für alle Menschen frei zugänglich bleiben.

Der Masurensee soll weiterhin für alle Menschen frei zugänglich bleiben.

Foto: WAZ

Duisburg.  Das Ostufer des Masurensees soll zur autofreien Flaniermeile mit Gastronomie werden. Die Planungen für das neue Quartier werden langsam konkreter.

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Eine Million Euro hat die Bahnentwicklungsgesellschaft (BEG) bisher für Gutachten ausgegeben, jetzt wartet sie auf das Votum der Politik. Stimmt der Rat am 20. Juni mit Ja, kann die Detailplanung für das Gebiet zwischen Wedau und Bissingheim beginnen. Diese Planung steht zur Abstimmung:

Bebauung

Auf den 60 Hektar des Südareals sollen in den nächsten zehn bis 15 Jahren 2700 bis 3000 Wohneinheiten entstehen, außerdem drei neue Kitas und eine Grundschule. Die Wohnbebauung wird Miet- und Eigentumswohnungen ebenso umfassen wie Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäuser. „Möglichst viele Wohnungen mit Seeblick“ versprach BEG-Geschäftsführer Thomas Lennertz in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung. Die beiden Wassertürme des Rangierbahnhofs sollen als Solitäre in die Bebauung integriert werden. Im äußersten Süden des Gebiets finden die Sportflächen des ETuS Wedau und die Kleingartenanlage ihren neuen Platz.

Ufergestaltung

Sorgen, der Zugang zum See für Jedermann könnte eingeschränkt werden, widerspricht Lennertz: Es werde „keinerlei Privatisierung von öffentlichem Raum“. Vielmehr soll das Ostufer des Masurensees neu und attraktiver gestaltet werden: Der Bebauung des sogenannten Seequartiers soll eine Uferpromenade vorgelagert werden, Gastronomie und Cafés sollen für Verweilqualität sorgen. Für Autos ist hier nur unterirdisch Platz: Eine Tiefgarage soll das Ufer autofrei halten und Fußgängern das ungestörte Flanieren entlang der Promenade ermöglichen.

Handel und Gewerbe

Angrenzend an den Wasserturm-Park soll ein Nahversorgungszentrum entstehen. Geplant ist eine Mischung aus Vollsortimenter, Discounter, Drogeriemarkt und einem Biomarkt. In den Randbereichen des Parks ist wohnverträgliches Gewerbe denkbar, also Dienstleistungen oder Uni-Ausgründungen.

Lärmschutzwall

15 Millionen Euro soll alleine der bis zu 15 Meter hohe Lärmschutzwall kosten. 450.000 Kubikmeter belasteter Boden aus dem gesamten Areal sollen darin verbaut werden. Der Lärmschutzwall soll nicht nur störende Geräusche dämpfen, sondern auch zwei überraschenden Nutzungen dienen: Ein Ersatzhabitat für die streng geschützten Zauneidechsen des Gebiets ist hier vorgesehen – eine Hochrechnung geht von bis zu 1500 Tieren aus, die bislang ebenerdig leben. Am östlichen Ende des Uferparks ist außerdem ein Panoramaturm als Landmarke auf dem Lärmschutzwall eingeplant.

Das sind die Pläne für die Verkehrsanbindung via Pkw, Bus und Bahn 

Pkw-Anbindung

Hauptknotenpunkt für die Pkw-Erschließung des Gebiets soll die Zuführung an der Wedauer Brücke werden. Zwei Rampen und reine Rechtsabbiegerspuren auf der L60 sollen dafür sorgen, dass es dort nicht zu einem Rückstau kommt — die Planer rechnen mit einem Aufkommen von 3400 Fahrzeugen je Spitzenstunde. Die Wedauer Brücke selbst wird 2016 instandgesetzt.

Ein zweiter Zugang soll über den Knotenpunkt Masurenallee/Wedauer Straße führen. Über die Straße Am See wird es keine Pkw-Anbindung geben.

Zug-Anbindung

Laut BEG-Geschäftsführer Lennertz ist ein Zuganschluss über den RB 37, den sogenannten Wedauer, nur bis zum Jahr 2018 gesichert. Die Idee der Planer: eine veränderte Linienführung von Ratingen zu den Wehrhahnlinien. Ein zusätzliches Gleis entlang der bestehenden soll dem schienengebundenen Personennahverkehr auch eine Anbindung an den Duisburger Hauptbahnhof sowie nach Düsseldorf ermöglichen.

Südlich der Wedauer Brücke; dort, wo auch die Fußgängerbrücke eingeplant ist, soll ein Mittelbahnsteig entstehen. Bis dorthin ist eine zweigleisige Anbindung an den Duisburger Hauptbahnhof möglich.

Östlich des Quartiers „Am Wasserturm“ ist ein zentraler Haltepunkt geplant, von dem auch das Campusquartier auf der Nordfläche erschlossen wird. Die bisherigen Haltepunkte Wedau und Bissingheim sollen dort zusammengelegt werden.

Busanbindung

Drei Möglichkeiten sind nach Ansicht der Planer zu prüfen:

Die Strecke der Linie 942 könnte geändert werden, um für eine Erschließung südlich der Wedauer Brücke zu sorgen. Auf diese Weise könnten auch Wedau und Bissingheim an das neue Nahversorgungszentrum angeschlossen werden. Der weitere Linienverlauf könnte für einen Anschluss an die Haltestelle Münchener Straße der U79 sorgen.

Über eine Verlängerung der Linie 924, die bisher am Sportpark endet, könnte das Südareal angeschlossen werden, ohne dass bestehende Linien verändert werden müssten.

Die Linie 944 könnte so umgestaltet werden, dass sie die südlichen Wohngebiete mit der U79 (Im Schlenk) und der Innenstadt vernetzen würde.

So bewerten die Bezirksvertreter die Vorlage 

Eine „historische Vorlage“ nannte Beate Lieske, SPD-Fraktionsvorsitzende in der Bezirksvertretung, die Unterlagen zum Projekt. „Ich bin absoluter Fan dieser Planung.“ Auch Hartmut Ploum (SPD) steht den Plänen positiv gegenüber; Kritikpunkte seien „Meckern auf hohem Niveau“. Ploum erinnerte außerdem an die Dimension der Planungen: „Das ist die größte Einzelbaumaßnahme, die wir in Duisburg je hatten – selbst Ungelsheim war kleiner.“

Ratsfrau Brigitte Weber, beratendes Mitglied für die CDU, trug einen Wunsch vor: nach einer zweiten Brücke für Fußgänger und Radfahrer, und zwar südlich des Blauen Sees, damit die Brücke den Bissingheimer Dorfplatz anbinden könnte.

Kritik äußerte Hannelore Bange (parteilos): Sie vertrete die derzeitigen Bewohner Wedaus und Bissingheims, und für die können sie „keine Vorteile“ erkennen.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Michael Kleine-Möllhoff, hieß die Pläne gut: Es handele sich bislang um eine belastete Industriefläche; wenn diese umgewandelt werde, sei das als positiv zu betrachten. Er forderte allerdings eine frühzeitige Bürgerbeteiligung ein.

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