Städtebau

Neubaugebiet 6 Seen Wedau: Jede Menge Kritikpunkte

Mehr Besucher als die Räume fassen konnten. Das Interesse an der Infoveranstaltung des Bürgervereins Wedau-Bissingheim zu 6-Seen-Wedau war riesengroß.

Mehr Besucher als die Räume fassen konnten. Das Interesse an der Infoveranstaltung des Bürgervereins Wedau-Bissingheim zu 6-Seen-Wedau war riesengroß.

Foto: Frank Oppitz

Duisburg-Wedau.   Riesenandrang zum Infoabend des Bürgervereins. Verbesserungsvorschläge: Supermarkt zu weit weg von den Ortszentren. Haltestelle falsch platziert

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Das Wedauer Pfarrheim St. Joseph platzte aus allen Nähten. Rund 150 Interessenten wollten bei der Informationsveranstaltung des Bürgervereins Wedau-Bissingheim über das geplante Neubaugebiet „6 - Seen- Wedau“ dabei sein. Aber Wolfgang Gebhard und seine Mitstreiter wollten nicht nur informieren - das hatten sie in der Vergangenheit bereits des Öfteren getan - sondern die betroffenen Bürger motivieren, ihre Einwände gegen die Planungen bei der Stadt geltend zu machen. Das geht nur noch bis zum 14. September.

Bis zu diesem Termin liegt der Entwurf des Bebauungsplans im Stadthaus und im Bezirksamt Süd aus. Allein schon die Terminierung der gesetzlich vorgeschriebenen Auslegung hat für Gebhard einen faden Beigeschmack: „Das ist doch kein Zufall, die Pläne ausgerechnet in den Sommerferien auszulegen. Jetzt wird die Zeit für Einsprüche knapp.“ Mit der Aufforderung „Ballern Sie die Verwaltung zu“ animierte er die Anwesenden, von ihrem Recht Gebrauch zu machen.

Musterschreiben zum Runterladen

Technische Hilfe bietet der Bürgerverein auch an. Auf seinem Internet-Portal sind Musterschreiben zu den verschiedenen Themen bereit gestellt, die jeder herunterladen kann.

Argumentationshilfe gab es am Freitagabend reichlich. Neben dem Vorsitzenden nahmen auch sein Stellvertreter Bernd Piplack und Vorstandsmitglied Rudi Grittner die Schwachpunkte des vorläufigen Bebauungsplans ins Visier. Und die gibt es nach Meinung der Wedauer nicht zu knapp.

„Der Nahversorger ist zu weit weg von Wedau und Bissingheim.“

So sieht der Bürgerverein den geplanten neuen Haltepunkt im Norden der Siedlung falsch platziert. „Der muss in Höhe der Straßen ‘Am See’ und ‘Am Brunnen’ realisiert werden“, so Wolfgang Gebhard.

Dort wäre der neue Kleinbahnhof für die Wedauer und Bissingheimer ohne langen Fußmarsch erreichbar und die Anbindung über die dort vorgesehene Brücke problemlos. Zudem könnte dann die Brücke in Höhe der Nordseite des Blauen Sees entfallen, wie der Bürgerverein auf seiner Internetseite vorschlägt.

Die würde aber eigentlich auch zum neuen Nahversorgungszentrum führen, das südlich der Wedauer Brücke angesiedelt werden soll. Auch dazu hat Gebhard eine klare Meinung: „Der Nahversorger ist zu weit weg von Wedau und Bissingheim.“ Er schlägt vor, in den alten Ortszentren „Convenience Stores“ (Mini-Märkte) vorzusehen, die vom Betreiber des Nahversorgungszentrums eingerichtet werden sollen.

4000 zusätzliche Pkw erwartet

Bernd Piplack hat sich mit der Individualverkehr-Planung beschäftigt: „So führt das zu einem Verkehrschaos.“ Zwei Haupt-Zufahrten zum neuen Wohngebiet sind vorgesehen. Eine Straße führt von der Wedauer Brücke in die neue Siedlung und die andere von der Wedauer Straße (westlich des Bebauungsgebiets) aus.

„Bei 3000 Wohneinheiten muss man mit 4000 zusätzlichen Pkw rechnen, da sind Staus zu den Stoßzeiten auch in den angrenzenden Bereichen vorprogrammiert“, meint Piplack. Ambitioniert scheint der Vorschlag des Bürgervereins, den Verkehr - nach Ertüchtigung der betroffenen Straßen - auch in Richtung Süden bis zur A524 fließen zu lassen.

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Wedauer befürchten: Im Sommer wird es eng

Auch das Thema „Ruhender Verkehr“ wurde im Rahmen des Infoabends eingehend diskutiert. „Durch die Umgestaltung der südlichen Masurenallee fallen 185 Parkplätze weg“ erläuterte Wolfgang Gebhard vom Bürgerverein. Dadurch entstehe gerade im Sommer zusätzlicher Parkdruck: „Wo sollen die auswärtigen Besucher denn parken?“ Ein Konzept der Planer kann der Bürgerverein nicht erkennen, es wird befürchtet, dass aufgrund mangelnder Parkmöglichkeiten Alt-Wedau auf Kosten der dortigen Anwohner zusätzlich belastet wird.

Der Vorschlag eines Teilnehmers , die Straße „Am See“ zur Einbahnstraße zu erklären und so die Durchfahrt ab der Masurenallee zu verhindern, fand allgemein Zustimmung. Durch diese Maßnahme würden auch die Grundschule und der Kindergarten geschützt.

Zudem befürchten die Wedauer durch den Bau der 15 Meter hohen Lärmschutzwand zwischen dem Neubaugebiet und der Bahntrasse und der „extrem verdichteten“ Bebauung eine Beeinträchtigung der Frischluftschneise.

Besonders die beiden siebengeschossigen, 25 Meter hohen Gebäude in direkter Ufernähe sind dem Bürgerverein ein Dorn im Auge. Er schlägt vor, die Häuserreihe in unmittelbarer Seenähe in Terrassenbauweise zu errichten.

Der Bürgerverein schlägt vor, die Masurenallee bis zum Strohweg als Spielstraße auszuweisen. Zudem möchte er einen Teil der Schrebergärten (“als Lärmpuffer“) belassen.

Rudi Grittner machte deutlich, dass die Bürgereingaben erst bei festgestellten Fehlern im Bebauungsplan rechtlich relevant sind. Aber es sei wichtig, Bedenken geltend zu machen: „Das kann nicht einfach beiseite gelegt werden, die müssen sich damit beschäftigen.“

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