Geschichte

Mittelaltergruppe lässt Laien ins Jahr 1360 zurück reisen

Die Recken der Mittelaltergruppe stürzen sich mit Schwertern ins Gefecht. Die sind zwar stumpf, aber aus Metall.

Foto: Zoltan Leskovar/Archiv

Die Recken der Mittelaltergruppe stürzen sich mit Schwertern ins Gefecht. Die sind zwar stumpf, aber aus Metall. Foto: Zoltan Leskovar/Archiv

Duisburg-Hüttenheim.   Die Bruderschaften Duysburg verkörpern das Duisburger Mittelalter. Ab 2018 verleihen sie Gewandungen. So können Neulinge das teure Hobby testen.

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Für eine Zeitreise ins Mittelalter brauchen Sie keine Virtual-Reality-Brille oder den vagen Wunsch auf eine ferne technologische Errungenschaft mehr. Alles, was Sie brauchen, ist Kontakt zu Jennifer und Marco Tonak, den Gründern der Bruderschaften Duysburg 1360. Denn die Mittelaltergruppe öffnet sich ab dem neuen Jahr auch Laien: Interesse und eine geliehene Gewandung reichen, und ab geht die Reise ins Duisburg des Jahres 1360.

„Das Jahr haben wir aus Sicherheitsgründen gewählt“, erzählt Jennifer Tonak schmunzelnd. So eine Zeitreise ist eben nicht ungefährlich – jedenfalls nicht ohne Plattenrüstung. Denn stürzen die Recken der Mittelaltergruppe sich ins Gefecht, dann mit Schwertern. Die sind zwar stumpf, aber aus Metall. Da hat es selbst das 20-Kilogramm-Kettenhemd von Marco Tonak schwer, Blessuren zu verhindern. Platte aber ist erst ab dem Jahr 1360 nachgewiesen, seit der Schlacht von Visby. Und da sind die Hüttenheimer – oder eher: Hüttenheymer – Ritter pingelig: „Es soll nicht nur ein Hobby sein, sondern auch historisch korrekt“, gibt Jennifer Tonak vor.

Sie betreiben Nachforschungen bei Landesarchiven

So hat sich das Ehepaar seit der Gruppengründung 2012 zu Hobbyhistorikern entwickelt. Die Tonaks stellen Nachforschungen an in diversen Landesarchiven von Duisburg bis Venlo, immer auf der Suche nach einem weiteren Puzzleteil Duisburger Stadtgeschichte. Es ist eine schwierige Suche: Das Duisburger Archiv brannte im Mittelalter ab, erzählt Jennifer Tonak, und viele der verbliebenen Dokumente lagerten später in Köln – der Rest ist U-Bahn-Geschichte. Von 1480 an, haben die beiden Mittelalterexperten festgestellt, lagern im Duisburger Archiv zahlreiche Quellen, und auch aus der Zeit vor 1280 ist vieles überliefert. In die Lücke von 200 Jahren fällt ausgerechnet ihr Jahr 1360. Da dauert es mitunter, bis sie wieder eine Lücke im Gedächtnis der Stadt schließen können. „Das Archiv Venlo hat anderthalb Jahre gesucht, bis sie eine Unterschrift eines Adelsgeschlecht auf einem einzigen Dokument gefunden haben“, berichtet Marco Tonak.

Möbel und Kleidung fertigt die Gruppe selber an

Ihr Wissen nutzen zwölf Mitglieder der Bruderschaften Duysburg, um das Mittelalter so historisch korrekt wie möglich darzustellen. Möbel vom Tisch bis zum Waffenständer zimmern sie selber; die Kleidung vom Leibhemd bis zur Bunthaube: selbstverständlich selbst genäht. Mehrmals im Jahr lagert die Truppe, stellt zum Beispiel auf Mittelaltermärkten ihr Jahr dar: Da wird an der Handspindel gesponnen, da gibt es einen Pestumzug oder auch eine Andacht – selbstredend auf Latein. Und auf den Tisch kommt natürlich nicht unbedingt etwas Exotisches wie Thai-Curry. Wobei sie beim Kochen auch mal Fünfe gerade sein lassen: „Ganz authentisch kochen heißt acht Stunden am Feuer stehen – das lässt das Veranstaltungsprogramm nicht zu“, sagt Jennifer Tonak grinsend.

Die Grundausrüstung kostet ein paar hundert Euro

Ihre Faszination fürs Mittelalter möchten die Bruderschaften Duysburg ab 2018 weitergeben. Denn: „Wir merken, dass immer mehr Leute ins Hobby möchten“, sagt Jennifer Tonak. Doch die Einstiegshürde ist auch: Allein die Grundausstattung kostet locker 100, 150 Euro – viel Geld, um etwas auszuprobieren, das einem dann vielleicht doch nicht liegt. Für ganze Familien kommen schnell etliche hundert Euro zusammen. Ob ihnen die Mittelalterdarstellung liegt oder nicht, können potenzielle neue Duysburger ab dem neuen Jahr ohne finanzielles Risiko herausfinden: Jeweils sechs Grundmonturen liegen für Männer und Frauen bereit. Wer will, braucht einfach nur hineinzuschlüpfen, um sich um Mittelalter wieder zu finden.

Auch mehr Zelte hat sich die Gruppe besorgt, um Schlafplätze anbieten zu können. Dem kompletten Eintauchen ins Mittelalter steht damit nichts mehr im Wege. Wem’s dann doch nicht gefällt, der gibt seine Gewandung zurück und reist in seine eigene Zeit zurück. Und wer dem Mittelalter hold bleiben möchte, der legt sich Stück für Stück seine eigene Ausrüstung zu. Vielleicht geht es also 2018 einigen Neulingen so wie heute schon Marco Tonak: „Wir spielen das Mittelalter nicht – wir leben es.“

<<< INFOTAG IM JANUAR IM UNPERFEKTHAUS

• Wer Lust aufs Mittelalter bekommen hat, kann mit den Tonaks Kontakt aufnehmen unter: 0203/39 20 4537 oder info@bruderschaften-duysburg-1360.de

• Die Bruderschaften Duysburg 1360 stellen sich am 6. Januar außerdem im Unperfekthaus in Essen vor, Friedrich-Ebert-Straße 18. Von 14 bis 19 Uhr können Besucher mit den Darstellern ins Gespräch kommen und sich Gewandungen und Waffen ansehen.

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