Alternativer Kindergarten

Hydrotherapien und Kräuterkunde im Kneipp-Kindergarten

Gerome und Moritzbaden ihre Arme in kaltem Wasser, um ihre Nerven zu stärken. Dabei sagen sie den Spruch auf, der über den Becken geschrieben steht.

Gerome und Moritzbaden ihre Arme in kaltem Wasser, um ihre Nerven zu stärken. Dabei sagen sie den Spruch auf, der über den Becken geschrieben steht.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg- Wanheim-Angerhausen.  Der evangelische Kindergarten in Duisburg-Wanheim ist seit über zehn Jahren ein Kneipp-Kindergarten. Die Kinder erlernen ein alternatives Leben.

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Essen, Toben, Spaß haben, und dabei noch ein bisschen was für’s Leben lernen – so geht es gewöhnlich in Kindergärten zu. Der evangelische Kindergarten in Duisburg-Wanheim geht allerdings ein bisschen anders vor. Er ist der einzige Kneipp-Kindergarten in Duisburg und wurde vor zehn Jahren zum solchen. Wie das Prinzip funktioniert, erklärt Leiterin Anja Bluhmki. „Kneipps Ansatz basiert auf fünf Säulen, die wenden wir an.“ Zu ihnen zählen Wasser, Ernährung, Bewegung, Heilpflanzen und die Lebensordnung.

Kneipps Ansatz basiert auf fünf Säulen

„Beim Wasser steht die Hydrotherapie im Vordergrund. Im Winter gehen die Kinder für einen Augenblick mit den nackten Füßen in den Schnee, um das Immunsystem zu stärken.“ Dasselbe passiere in einem speziellen Becken im Waschraum, in das kaltes Wasser eingelassen wird. Der Umbau wurde damals durch den Erlös eines Sponsorenlaufs finanziert. „Im Zusammenhang mit Wasser lernen die Kinder auch, wie man Seife herstellt. Oft kennen die Kinder von zu Hause nur Flüssigseife“, sagt Bluhmki. Beim Essen setze man auf vollwertige und gesunde Kost. „Früher kamen die Kinder oft mit Milchschnitte in der Frühstücksbox hierhin. Die Eltern lassen sich da oft von der Werbung irreführen, weil ja angeblich so viel Milch drin ist. Den Zucker lassen sie außen vor.“ Heute aber gebe es jeden Tag ein reichhaltiges Frühstücksbüffet, mit selbstgemachter Marmelade.

Natürlich gebe es in der Einrichtung kein Süßigkeiten-Verbot. „Sebastian Kneipp hat gesagt: Wenn es deiner Seele gut geht, geht es deinem Körper gut. Jetzt im Advent essen wir auch schon mal Plätzchen und Schokolade“, erklärt Bluhmki. „Wir wollen das alles ja auch gar nicht verteufeln. Es ist uns aber wichtig, einen Ausgleich zu schaffen, damit die Kinder verstehen, dass es auch anders geht.“ Gleichermaßen sei es bei den kleineren und mittleren Nöten der Kinder: Statt eines Fieberzäpfchens oder Hustensafts setzen die Erzieherinnen auf ein pflanzliches Mittelchen. „Wir haben auch immer ein Kraut des Monats, zum Beispiel den Spitzwegerich – der hilft gegen Husten“, so Bluhmki. Die vierte Säule ist Bewegung in jeder Form, die fünfte Entschleunigung des Alltags.

Träger finanziert das Konzept

Finanziert wird das Konzept durch den Träger. „Viel fällt da allerdings nicht an, das ist wie in jedem anderen Kindergarten auch“, meint Bluhmki. Sie und ihre Kolleginnen haben vor der Umstellung eine Fortbildung erhalten und frischen diese bis heute noch alle sechs bis zwölf Monate auf.

Das Feedback der Eltern sei sehr positiv, berichtet die Leiterin: „Anfangs waren sie zwar skeptisch, aber inzwischen gibt es auch welche, die ihre Kinder speziell wegen Kneipp bei uns anmelden.“

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