Kabarett

Humor-Profi Moritz Netenjakob im Gleis Drei in Großenbaum

Kabarett im Gleis drei: Moritz Netenjakob begeisterte das Publikum in Großenbaum.

Foto: Christoph Wojtyczka

Kabarett im Gleis drei: Moritz Netenjakob begeisterte das Publikum in Großenbaum. Foto: Christoph Wojtyczka

Duisburg-Großenbaum.   Kabarettist und Autor Moritz Netenjakob begeistert das Publikum im Gleis Drei mit perfekten Parodien, Alltagsabsurditäten und treffsicheren Gags

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Werden Märchen besser, wenn man sie durch die Brille eines Fußballkommentators sieht? Schwester Gretel jedenfalls kann ihre enttäuschende erste Halbzeit wettmachen, als sie die Hexe in letzter Minute gekonnt in den Ofen schubst – „Tod-Tood-Toood“, jubelt Kabarettist Moritz Netenjakob mit überschlagender Stimme als wär’s 1954.

Mancher wird hier vielleicht nur Bahnhof verstehen, im Großenbaumer „Gleis Drei“ aber schüttelt sich das Publikum vor Lachen. Netenjakob bringt seine Gags am Freitagabend so zielsicher ins Netz wie Helmut Rahn das Leder im legendären Fußballspiel gegen Ungarn, legt gleich noch die makabere Märchen-Ansage eines Flugzeugkapitäns nach: „Wir bitten die Hexe sich in den Ofen zu begeben und das Leben einzustellen...“

Seit 2006 selbst im Rampenlicht

Neten... wer? Vor einigen Jahren hätte der Kölner Kabarettist wohl mehr Mühe gehabt, den Saal zu füllen, denn nur die wenigsten kannten ihn auf der Bühne. Dabei hat er seit fast dreißig Jahren bekannten deutschen Spaßmachern und Satirikern die Gags auf den Leib geschrieben, darunter Dieter Hallervorden, Rüdiger Hoffmann, Dirk Bach, Anke Engelke, Sebastian Pastevka. Er lieferte die Skripte für Hurra Deutschland, Ladykracher, Stromberg und Switch – bevor er 2006 selbst ins Rampenlicht trat.

Für das kleine aber gemütliche Gleis Drei ist sich Netenjakob dennoch nicht zu schade geworden. Und auch nicht für das harte Geschäft der Stand-up Comedy zwischen Billy-Regalrequisiten. Denn ganz dicht am Publikum muss der Grimme-Preisträger von 2006 erst einmal mit Alltagsabsurditäten für Eisbrecher sorgen. Warum sind Feuerwerkskörper zu Silvester erlaubt, Bleigießen von der EU ab 2018 wohl verboten? Muss ich den Ladestand meiner Zahnbürste per App checken können? Warum wird man mit Kakerlakenknabbern im Dschungelcamp ein Star und als Achtjähriger dafür zur Strafe aufs Zimmer geschickt?

Gekonnte Parodien

Nach einer guten Viertelstunde hat sich der Saal routiniert warm gegiggelt und ist bereit für ein „Best of“ aus Netenjakobs Jux-Box. Wie eng der Kölner ‘seinen’ Comedy-Stars die Späße auf den Leib geschrieben hat, merkt man allein daran, dass er sie bis aufs I-Tüpfelchen parodieren kann: Rüdiger Hoffmanns westfälische Langatmigkeit, Hallervordens quirliges Leiern legt der Gagautor gekonnt auf Bühnenbrett, Idiome inklusive – „Palim-palim“.

Sein großartiges fiktives Tagebuch aus der WG von Klaus (Kinski) und Udo (Lindenberg) ist leider nie verfilmt worden, Netenjakob aber lässt die beiden stimmlich in der Stube erscheinen: Klaus zwischen zittrigem Flüstern und schreiender Tobsucht, Udo zwischen „Dub’n dududu“ und „Likörchen“ – das ist panikmäßig gut, auch wenn man kein WG-Genosse werden möchte. Die Produzenten, die das Skript damals als unterirdischen Mist ablehnten, mögen sich dafür heute in den Allerwertesten beißen.

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