Umweltschutz

Grundwasserbelastung: 6-Seen-Wedau soll nicht betroffen sein

Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhof Wedau wurden viele Jahre Waggons mit Unkrautvernichtungsmitteln befüllt. Dabei ist wobei wohl einiges daneben gegangen ist., was heutzutage das Grundwasser belastet.

Foto: Hans Blossey

Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhof Wedau wurden viele Jahre Waggons mit Unkrautvernichtungsmitteln befüllt. Dabei ist wobei wohl einiges daneben gegangen ist., was heutzutage das Grundwasser belastet. Foto: Hans Blossey

Duisburg-Wedau.   Erst mit fünf Jahren Verspätung läuft die Grundwasser-Reinigungsanlage am alten Güterbahnhof im Vollbetrieb. Weiter hohe Herbizid-Belastung

An 15 von 36 Messstellen wurden Grundwasserbelastungen festgestellt. Das ergaben die Messungen auf dem Gelände des alten Wedauer Güterbahnhofs. Dort hat die Bahn bis Ende der 1980er Jahre Waggons mit Unkrautvernichtungsmitteln befüllt, wobei wohl einiges daneben gegangen ist. Das geplante Neubaugebiet 6-Seen-Wedau soll nach Aussagen der Stadt nicht von den Grundwasserverunreinigungen betroffen sein.

Eigentlich sollte das Terrain bereits seit 2012 gründlich von den Herbizid-Rückständen gereinigt werden. Doch es ging einiges schief, die Anlage funktionierte nicht richtig. Erst seit diesem Januar läuft sie im so genannten Vollbetrieb. Die Grünen stellten deshalb in der Bezirksvertretung eine Anfrage und auch die Süd-Redaktion wollte den Grund für die Verzögerungen genauer wissen.

Grüner Bezirksvertreter stellt Frage nach der Haftung

Mehr als fünf Jahre, von 2012 bis Ende 2017, wurde lediglich das Grundwasser aus einem einzigen statt aus allen acht Brunnen gefördert und gereinigt. Bezirksmanager Friedhelm Klein erklärt den großflächigen Ausfall der Anlage damit, dass der hohe Eisengehalt im Wasser zu einer Verstopfung der Aktivkohlefilter geführt habe.

„Das ist ein absoluter Anfänger-Fehler“, kommentiert Sebastian Ritter, Bezirksvertreter der Grünen und selbst Chemiker mit dem Fachgebiet Hydrologie: „Bei den Wasserproben vorab hätte man entsprechende Maßnahmen ergreifen können“. Wobei er außerdem die Frage stellt, wer denn eigentlich für den Fehler verantwortlich ist. Und ob man die ausführende Firma in Haftung nehmen kann.

Im Gespräch mit der Süd-Redaktion sagt Ritter: „Ich bin von den Antworten der Stadt nicht überzeugt“. Überzeugt ist er allerdings davon, dass die Bahn viele Jahre „Schindluder mit der Umwelt auf dem Bahngelände getrieben hat“.

Acht Anlieger sind von Grundwaserbelasstung stark betroffen

Die Grünen kritisieren, dass die Verwaltung das Problem nicht öffentlich thematisiert habe. Diesen Schuh will sich die Stadt nicht anziehen: „Anfragen aus der Politik zu diesem Thema wurden stets ausführlich beantwortet. Alle betroffenen Anwohner im Einzugsgebiet wurden sehr früh informiert.“

Den acht Anliegern, die laut Stadt im Bereich des belasteten Grundwassers wohnen, habe man bereits 2008 empfohlen, das Grundwasser nicht als Trinkwasser oder zur Nahrungszubereitung zu verwenden. Und es auch nicht zur Bewässerung von Nahrungspflanzen, zur Befüllung von Schwimmbecken, zum Duschen oder Baden zu nutzen sowie möglichst keinen Rasen mit dem Grundwasser zu bewässern.

Seit Anfang des Jahres jedenfalls soll die Anlage störungsfrei laufen. Es wurden zusätzliche Komponenten ergänzt.

Die Unkrautbekämpfungsmittel werden an die Aktivkohle angelagert

Was passiert dort eigentlich? Dazu Fachleute aus dem Rathaus: „Das belastete Grundwasser wird aus acht Brunnen abgepumpt, in einer Grundwassersanierungsanlage gereinigt und dann in den Wambach eingeleitet. Die Reinigung des Wassers erfolgt über drei Aktivkohlefilter. Die Unkrautbekämpfungsmittel werden an die Aktivkohle angelagert und auf diese Weise vollständig aus dem Wasser entfernt.“

Hat sich die Grundwasserbelastung, deren Grenzwert zeitweise um das 200fache erhöht war, gebessert? Die Stadt: „Die Verteilung der Grundwasserbelastung ist über die Jahre stabil geblieben, die Schadstoffgehalte sind zuletzt in einigen Messstellen leicht zurückgegangen.“ Mit dem Vollbetrieb der Anlage erwarte man einen deutlicher Rückgang der Herbizidbelastung in den nächsten Jahren.

Keine Auswirkungen auf die Seen

Auswirkungen auf das künftige Wohngebiet seien angeblich nicht zu befürchten. „Das neue Wohngebiet in Wedau liegt nicht im Ausdehnungsbereich der Grundwasserverunreinigung“, heißt es.

Und auch die umliegenden Seen sollen nicht gefährdet sein. Die Stadt: „Dies wurde durch zahlreiche Untersuchungen bestätigt. Wolfssee, Haubachsee, Wambach werden im Rahmen des Monitorings überwacht.“

Sebastian Ritter überlegt, ob er weiter nachhaken soll.

>>>> Deutsche Bahn muss für die Sanierung des Grundwassers zahlen

Wer zahlt die Sanierung des belasteten Grundwassers? Dazu ein Sprecher der Deutschen Bahn: „Zuständig für die Sanierung im Bereich zwischen Bissingheimer Wäldchen und Haubach-/Wolfssee ist die Deutsche Bahn.“ Über die Höhe der Kosten machte das Unternehmen keine Angaben.

Noch immer werden Bahngleise mit Hilfe von Herbiziden frei von Unkraut gehalten. Immerhin versucht man, die Dosis zu verringern. „Es werden aktuell ausnahmslos Herbizidprodukte wie Glyphosat angewendet, die vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) bisher speziell für den Gleisbereich zugelassen sind“, erklärt der Unternehmenssprecher. Und ergänzt: „Qualifizierte Fachfirmen arbeiten nach strengen Kriterien im Auftrag der Bahn. So wird Glyphosat nicht in Schutzgebieten und über offenen Gewässern sowie auf Brücken eingesetzt.

Eine Alternative zu Herbiziden, etwa thermische oder mechanische Verfahren, gebe es nicht, so der Bahnsprecher. Er betont, dass es unverzichtbar für einen sicheren Bahnbetrieb sei, den Gleisbereich frei von Bewuchs zu halten.

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