Rezension

Gleißender Spot und bissiger Spott mit Matthias Reuter

Kabarett in der Stadtteilbibliothek mit (v.li.) Helmut Sanftenschneider, Benjamin Eisenberg, Matthias Reuter, Alex Marrone und Lennart Schilgen.

Kabarett in der Stadtteilbibliothek mit (v.li.) Helmut Sanftenschneider, Benjamin Eisenberg, Matthias Reuter, Alex Marrone und Lennart Schilgen.

Foto: Udo Gottschalk

Duisburg-Grossenbaum.  Matthias Reuter präsentiert einen launigen Abend mit bissigem Kabarett und ganz speziellen Hits von Herbert Grönemeyer und Helene Fischer.

Gleißender Spot an – oder doch lieber grobes Deckenlicht? „Ist es so in Ordnung?“, fragt Comedian Benjamin Eisenberg mit zerfurchter Miene und schützender Hand über den Augen. Da gerät der Kabarettabend in der Großenbaumer Stadtteilbibliothek ungewollt zur Lehrstunde in Basisdemokratie. Das Publikum ist klassischerweise uneins. Und so flimmern die Leuchtstoffröhren im Saal wie an der Metzgertheke.

Gleißender Spott blieb an diesem launigen Abend mit viel Witz und Wandergitarre ebenfalls nicht aus. Für den politischen Durchblick schickte Musiker und Comedian Matthias Reuter den Kollegen Eisenberg aus dem „Sylt des Ruhrgebiets“ ins Feld – also Bottrop-Batenbrock.

Kleine Lokalspitzen garnierte dieser mit der großen Politik etwa zum Klimawandel und stellte die Frage: Fridays for Future oder lieber Karfreitag für das Leben danach?

Eisenbergs irrwitzige Songparodie auf Grönemeyer

Punkt, Satz und Sieg holte der Batenbrocker mit einer irrwitzigen Songparodie auf „Herbi“ Grönemeyers Prozess im Frühjahr gegen zwei Paparazzi: „Ich steh vor Gerööcht, das will ich nööcht. Das war ein Anschlaag. Wiebüdddööh, was fällt dem Typen ein?“, kräht Eisenberg trudelnd wie ein Tanz-her-bärt.

Dagegen hatte Liedermacher Lennert Schilgen die Untertreibung mit dem Image eines braven Schwiegersohns geradezu kultiviert. Seine feinsinnige Hymne über den Wankelmut – „erhebt die Faust gegen die Entschlossenheit“ – hielt das Publikum keineswegs davon ab, lauthals mitzuschmettern.

Mit seiner Parodie auf Säuselbarden Reinhard Mey „Ich wollte wie Orpheus singen“ räumte der Berliner nicht nur neulich den Prix Pantheon ab, sondern auch Applaus in Großenbaum. Hier freilich muss es lauten: „Ich wollte wie Elvis singen ...“

Kreuzfahrt-Hits frei nach Helene Fischers „Atemlos“

Apropos Abräumen, das Match ging diesmal deutlich an den Comedian Helmut Sanftenschneider, der mit einer satirischen Top Fünf der besten Kreuzfahrt-Hits stark in der Gunst des Publikums segelte. Als oft gebuchter Entertainer auf solchen Schiffsreisen konnte er ein Lied davon singen: „Abendbrot um halb acht, zweiten Teller mitgebracht“ – frei nach „Atemlos“. Und „Tage wie diese“ wird mal eben frech zu „In Jacken von Tchibo, sieht man gleich die Ähnlichkeit“ umgetextet.

Eine kleine Gemeinheit hatte der überzeugende Gitarrist anschließend noch im Gepäck: In Johann Sebastians Bachs berühmtes wie träumerisches Präludium webt Sanftenschneider unerwartet übelste Schlagerschnulzen von „ein Stern, der deinen Namen trägt“ bis „Herzilein“ ein und feixt: „Jeder Schrott wird damit zum Meisterwerk. Das geht mir nicht mehr aus dem Ohr – und Ihnen jetzt auch nicht mehr.“

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