Kirchen-Serie

Gemeinde-Rätinnen sehen Spar-Maßnahmen der Kirche als Chance

Die Sonntagsmesse in St. Peter und Paul besuchen auch Menschen aus anderen Stadtteilen gern.

Foto: Ute Gabriel/Archiv

Die Sonntagsmesse in St. Peter und Paul besuchen auch Menschen aus anderen Stadtteilen gern. Foto: Ute Gabriel/Archiv

Duisburg-Süd.   Spar-Konzept der katholischen Kirche soll Chance für Veränderung sein. Die Kirche soll wieder modern werden, auch dank Ehrenamtlichen.

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Im Duisburger Süden werden bis 2030 sechs Kirchen geschlossen. Der Zwang zu sparen ist der Grund dafür. Diesen Sparzwang sehen Bianca Seeger und Brigitte Siejak als Chance. Als Chance, etwas grundlegend zu verändern.

„Kirche ist nicht mehr modern“, sagt Bianca Seeger. „Es wird höchste Zeit. Zu warten, bis wir keinen Priester mehr vor Ort haben, wäre zu spät“, sagt Brigitte Siejak. Die beiden Frauen haben in den letzten zwei Jahren zusammen mit vielen anderen ein Konzept für die „Pfarrei ohne Grenzen“ erarbeitet. Für eine Kirche, die wieder näher an die Menschen rückt. Denn: „Eine lebendige Kirche hängt nicht von Steinen ab“, sagen die überzeugten Katholikinnen.

Künftig gibt es nur noch die Pfarrei St. Judas Thaddäus

Es wird künftig nur noch die Pfarrei St. Judas Thaddäus im Süden geben, keine Gemeinden mehr. Bianca Seeger hofft, dass dadurch das Konkurrenzdenken – man könnte es auch Kirchturmsdenken nennen – aufhört.

Vieles wird zentraler. „Die Leute sind heute mobiler. Das sehe ich bei uns in Huckingen“, so Seeger. Die Sonntagsmesse um 11.30 Uhr in St. Peter & Paul werde gerne von Leuten aus anderen Stadtteilen besucht, die am Wochenende ein bisschen länger schlafen möchten.

Pro Stadtteil soll ein Treffpunkt erhalten bleiben

Dennoch soll in jedem Stadtteil ein dezentraler Treffpunkt für die Gläubigen, die weniger mobil sind, bleiben – sofern es dort noch aktive kirchliche Gruppen gibt. „Das kann zum Beispiel ein Raum in einem Altenheim sein oder eine Kooperation mit der evangelischen Kirche“, stellt sich Siejak vor.

In Ungelsheim, wo die St.-Stephanus-Kirche bis 2025 aufgeben wird, bietet sich auch danach eine gemeinsame Nutzung des Gemeindeheims mit der Awo an. In Wanheim hofft man auf die Zusammenarbeit mit der rumänisch-orthodoxen Gemeinde, die daran interessiert ist, die St.-Suitbert-Kirche zu übernehmen.

In Großenbaum läuft die experimentelle Kirche

Durch die Einbindung möglichst vieler Menschen könne das Angebot in der Pfarrei bunter werden. Man habe die Möglichkeit, mit zu gestalten – in einem Maße wie nie zuvor. Neue Formen des Gottesdienstes seien denkbar. Sie sollen besonders in der „Experimentalen Kirche“, einem Projekt in Großenbaum, entwickelt werden.

Gerade Gläubige aus Stadtteilen, wo nur noch wenig aktives Gemeindeleben stattfindet, wie etwa in St. Joseph oder Herz Jesu, würden von dem breiteren Angebot der Pfarrei profitieren. Jugendliche aus dem Duisburger Süden könnten zum Beispiel einen zentralen Treffpunkt entwickeln. Wo sie sich wohl fühlten, wo etwas passiere. Das sei doch attraktiver als ein Jugendheim in einer Gemeinde, das vor sich hin dümpele.

Und auch die kfd-Frauen könnten sich zusammenschließen. „In einigen Gemeinden sind die Frauengemeinschaften noch sehr aktiv, woanders aber kaum noch.“ Gleiches gelte für Kirchenchöre, meint Brigitte Siejak.

Die Mitarbeit von Ehrenamtlichen ist gefragt

Bewährtes solle bleiben, von Überholtem solle man sich würdevoll verabschieden. „Prüfe alles und behalte das Gute“, dieses Bibelzitat stand quasi als Leitgedanke über dem Pfarreientwicklungsprozess.

Klar ist, dass eine Umsetzung der Ideen nur mit dem Engagement vieler Ehrenamtlicher zu schaffen ist. Auch hier will man neue Wege gehen. „Viele Menschen wollen sich nicht mehr darauf festlegen, jahrelang in einem Gremium mitzuarbeiten. Aber sie sind bereit, sich in einem Projekt einzubringen, das sie interessiert“, sagt Seeger, die selbst im Gemeinderat sitzt.

Man will wieder näher an die Menschen heran. Wichtig ist auch die Erreichbarkeit der Kirche in einem ganz praktischen Sinne. „Was nutzt mir ein Pfarrbüro im Stadtteil, das zwei Stunden in der Woche auf hat?“, fragt Siejak. Es sollte stattdessen eine zentrale Telefonnummer geben, die tagsüber erreichbar ist. Und das Internet und soziale Netzwerke müssten heutzutage auch eingebunden werden.

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