Rettungskräfte

Freiwillige Feuerwehr braucht „Leute aus Huckingen“

Rettungseinsatz mit schwerem Gerät:

Foto: Stephan Eickershoff

Rettungseinsatz mit schwerem Gerät: Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg-Huckingen.   Beim Mitmachtag will die Freiwillige Feuerwehr Huckingen eigentlich um Nachwuchs werben. Doch das Interesse scheint nicht da zu sein.

Ein alter Ford Ka liegt auf der Seite. Drumherum stehen knapp zwanzig Feuerwehrmänner. Ein paar davon schlagen gekonnt Fenster und Türen ein. Spannende Szenen, die am Sonntagnachmittag bei der Freiwilligen Feuerwehr zu beobachten sind. Am Standort in Huckingen findet ein Mitmachtag statt. Bei realistischen Übungsszenarien können die Besucher Teil der Mannschaft werden.

Schade, der große Ansturm blieb allerdings aus. Nur ein Interessierter war vor Ort. Er ist aber kein Anfänger, denn Marco Piva ist bei den Maltesern tätig. „Ich bin aus Interesse hier und finde den Austausch von Kontakten wichtig“, sagt er. „Die Jungs kenne ich teilweise von Einsätzen.“ Einer von ihnen ist Tobias Wissen (27). Seit elf Jahren ist er bei der Freiwilligen Feuerwehr. Der Masterstudent ist enttäuscht vom fehlenden Interesse der Bürger. „Wir haben viel Werbung für heute gemacht“, meint

er und ergänzt: „Das Arbeitsleben gibt das heute nicht mehr her. Die Arbeitszeiten werden länger und jeder möchte sein Privatleben haben.“

Trotz der Anfeindungen macht es immer noch Spaß

Vergangenes Jahr gab es 60 Alarmierungen für die Truppe. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter müssen knapp fünf Minuten nach Alarmierung beim Brandort sein. „Schnelles Ausrücken ist wichtig, daher brauchen wir umso mehr Leute aus Huckingen“, betont Tobias Wissen. Aber nicht nur der Bereitschaftsdienst schrecke die Menschen ab. „Hinzu kommen die immer mehr werdenden Anfeindungen bei Einsätzen“, meint der Feuerwehrmann. Trotzdem mache es Spaß.

Aufgrund der fehlenden Besucher nutzen die Feuerwehrmänner den Tag selbst für Übungen. Aus einem Auto soll „das stille Mitglied“, eine 75 Kilogramm schwere Dummy-Puppe, herausgeholt werden. „Das hier wird eine patientenorientierte Rettung, das heißt, die Person soll ohne weitere Schäden aus dem Auto geholt werden.“ Zunächst wird das Auto stabilisiert. Mit hydraulischen Rettungsgeräten, wie einem Spreizer und einer Schere, wird dann das Auto aufgebrochen. Auch die Scheiben werden eingeschlagen, nachdem diese mit Klebeband abgeklebt wurden. „Damit nicht alles zersplittert“, erklärt Tobias Wissen.

Im Alltag fehlt die Zeit für intensive Übungen

Mittendrin ist auch Marco Piva. „Es ist auch für mich interessant zu sehen, mit welchen Geräten die Feuerwehr arbeitet“, findet er. „Im Alltag fehlt leider die Zeit für solche intensiven Übungen.“ Trotz seiner Erfahrungen hat der 33-Jährige einiges dazu gelernt: „Ich habe heute auch eine Personenrettung durchgeführt.“ Mit Atemschutz und der richtigen Kleidung konnte er nebenan im Keller des Steinhofs erfahren, wie so eine Rettung bei einem Brand funktioniert. „Da merkt man erst einmal wie anstrengend so etwas ist. Das hatte ich mir einfacher vorgestellt“, gibt er zu.

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