Kampf gegen Rassismus

Gegen Rassismus: Enissa Amani zu Besuch an Duisburger Schule

Enissa Amani wurde von den Schülern mit Fragen bestürmt – allerdings mehr zu Instagram und Selfies als zu Gleichberechtigung und Religion.

Enissa Amani wurde von den Schülern mit Fragen bestürmt – allerdings mehr zu Instagram und Selfies als zu Gleichberechtigung und Religion.

Foto: Zoltan Leskovar / FUNKE Foto Services

Huckingen.  Komikerin Enissa Amani hat zum Aktionstag gegen Rassismus die Sekundarschule Am Biegerpark besucht – und über viel mehr als Rassismus gesprochen.

Rassismus und Toleranz werden im Schulunterricht oft thematisiert. Doch so eine Lehrerin hatten die Schüler der Sekundarschule Am Biegerpark noch nie: Sie trägt Stöckelschuhe, goldene Ohrringe und ein knappes Kleid. Zu Gast ist Komikerin Enissa Amani. Zum Aktionstag gegen Rassismus an der Schule hat sie eine klare Botschaft: „Wir müssen alle Menschen und Religionen gleich behandeln.“

Bei ihrer Ankunft auf dem Schulhof wird Enissa Amani sofort von Schülern überfallen. Mit Plakaten in den Händen wollen die Jungen und Mädchen Autogramme und Fotos. Dass die Komikerin an diesem Tag hier ist, ist ein Glücksfall: Lehrerin Jenny Lehmberg hatte auf Instagram unter einem Bild der Künstlerin gefragt, ob sie nicht die Schule im Duisburger Süden besuchen möchte. „Ich komme“, antwortete Enissa Amani kurzerhand. Am Donnerstag war es soweit.

Amani kam aus Flüchtlingskind aus dem Iran nach Deutschland

Zum Thema Rassismus hat die Künstlerin viel zu erzählen: Als Flüchtlingskind kam Amani aus dem Iran nach Deutschland. „Mit meinen Eltern habe ich im Asylantenheim gewohnt.“ Mit nichts hat sie angefangen, mittlerweile ist sie eine der erfolgreichsten Komikerinnen Deutschlands. In ihrer Schulzeit wurde sie oft „Ausländerin“ genannt. Erfahrungen, die auch einige der Schüler in ähnlicher Weise erlebt haben. So wie Anna aus der 8. Klasse. Ihre Familie stammt aus Polen. Mit dem Spruch „Polen klauen nur“ wurde sie schon öfter konfrontiert. „Das ist einfach scheiße.“

Schulleiter Pavle Madzirov glaubt, dass Kinder im Alltag Rassismus begegnen. „Gerade in der digitalen Welt“, sagt Madzirov. Mehr als die Hälfte der Schüler hat einen Migrationshintergrund. „Wir haben auch viele Flüchtlinge.“ Mit dem Aktionstag gegen Rassismus soll das Thema in den Mittelpunkt gerückt werden, mit Lesungen über Mobbing und besonderen Unterrichtseinheiten. Das Highlight des Tages ist für die Schüler der Besuch von Enissa Amani.

Auf Instagram erreicht Amani viele Jugendliche

Auf dem Schulhof dürfen rund 300 Schüler der Komikerin Fragen stellen. Oft spricht sie dabei Klartext: „Man sollte niemals aus Angst die Klappe halten“ ist eine der Botschaften, die sie an die Schüler weitergibt. „Die Sprache ist mein Instrument“, sagt sie, und dieses weiß sie einzusetzen. Nicht nur in politischen Sendungen äußert sie sich zu sozialkritischen Themen. Auch auf der Fotoplattform Instagram, wo sie viele Jugendliche erreicht.

Vom Thema Gleichberechtigung zum Thema Selfies

Von jetzt auf gleich springt sie auf dem Schulhof aber von ernsthaften Fragen über Gleichberechtigung und Religion schnell zu Themen wie Rap, Instagram und Selfies – und das im besten Jugendslang. Sie weiß, wie sie die Schüler erreicht. So wie in ihrem Bühnenprogramm: Auch da bewegt sich Amani regelmäßig zwischen den Polen Tussi und Intellektuelle.

Im Gespräch mit dieser Zeitung wird Amani konkreter. Sie wehrt sich etwa gegen Kategorisierungen: Woran macht man gute Integration fest? An einem sicheren Gebrauch der deutschen Sprache? Sie nennt Beispiele von Migranten, die zwar Probleme mit der deutschen Sprache hätten, aber Werke von Thomas Mann, Kant oder Hegel gelesen haben. Über 20 Minuten sprudelt es aus ihr raus, sie gestikuliert wild und spricht ohne Punkt und Komma ein Plädoyer für mehr Toleranz und weniger Ausgrenzung.

Zurück zum Selfie: Fotos möchten die Schüler so einige haben. Geduldig erfüllt Amani jeden Fotowunsch, auch, wenn es teilweise laut und chaotisch zugeht. Für die Jungen und Mädchen eine bleibende Erinnerung.

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